Gym-Akne: Duscht euch nach dem Sport!
Unsere Autorin beobachtet immer wieder, dass kaum jemand in ihrem Fitnessstudio duscht. Haben die Leute denn noch nie etwas von „Gym Akne“ gehört?
D as Schwierigste am Sport ist das Hingehen. Sagt man so, dachte ich auch lange. Mittlerweile bin ich überzeugt: Das Schwierigste am Sport ist das Duschen. Ich habe es in den letzten Jahren in verschiedenen Städten und Ländern immer wieder festgestellt. Nach dem Sport duschen die wenigsten.
Klar, zu oft duschen ist schlecht für die Haut. Aber es gibt einfach Situationen, nach denen man duschen sollte. Nach Kontakt mit Chemikalien, an extrem heißen Sommertagen, nach dem Schwimmen – und eben nach jedem anderen Sport, bei dem man ausgiebig schwitzt.
Ich sage ja gar nicht: Tragt Unmengen an Duschgel auf, duscht stundenlang, wascht euch nach jedem 5-Minuten-Work-out. Ich sage: Duscht halt, nachdem ihr geschwitzt habt. Obwohl ich im Sportkurs einen Liter Wasser trinke, muss ich danach nicht auf Klo, weil ich so sehr schwitze. Das Wasser kommt woanders raus, Leute – und ist dann gemischt mit Salzen, Harnstoff, Milch-, Amino- und Fettsäuren.
Bei meiner Recherche für diese Glosse stoße ich bei Reddit auf eine Diskussion, ob man auch vor dem Fitnessstudiobesuch duschen sollte, damit man während des Sports nicht stinkt. Das ist natürlich Quatsch. Zum Sport gehört das Stinken! Mein Ekel setzt erst später ein, nämlich, sobald Kursteilnehmer_innen ihre Jeans, Straßenschuhe und Jacken in der Umkleide über ihre verschwitzten Klamotten oder den Schweißfilm ihrer Haut ziehen.
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Danach steigen sie in die Bahn oder gehen etwas essen und verbreiten ihren Sportgeruch nicht mehr nur in der Umkleide, wo er ja hingehören würde. Sie stinkern alle Fahrgäste und Restaurantbesucher_innen voll, die – anders als ich – vom Work-out gar nichts mitbekommen haben und deshalb nicht zustimmen konnten, dass alle Gerüche für die Zeit der motivierten Bewegung erst mal egal sind. Und Großstädter_innen, die im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, brauchen nun mal eine Weile, bis sie nach Hause kommen und duschen können. Bis dahin haben die Bakterien mit ihrer Zersetzung schon längst angefangen.
Handtuch mitschleppen nervt – aber lohnt sich
Länger als eine halbe Stunde mit dem Duschen zu warten, sollte man sowieso nicht. Bakterien vermischen sich mit dem Schweiß, Poren verstopfen und Pilze können entstehen. An Follikelausgängen bilden sich kleine Furunkel, die sogenannte Gym-Akne.
Ich kann wirklich nur wenige Gründe sehen, mit dem Duschen zu warten. Ich verstehe, dass es für queere Menschen in binär getrennten Umkleide- und Duschabteilen Sicherheitsgründe geben kann, nicht zu duschen. Auch klar, dass manche sich unwohl fühlen, neben fremden Menschen nackt zu sein. Eine Arbeitskollegin meinte einmal zu mir, dass sie nach dem Training aufs Fahrrad steige und zu Hause dusche. Das verstehe ich auch, man macht damit ja quasi Sport nach dem Sport, danach duscht man. Aber viel mehr Ausnahmen kann ich nicht sehen, und ich verstehe nach wie vor nicht, dass ich manchmal die Einzige bin, die nach einem schweißtreibenden Sportkurs unter der Dusche steht.
Klar, es nervt, dass man zum Sportzeug noch das Handtuch mitschleppt, und manchmal sind die Bedingungen im Gym echt räudig. Das Duschen dort hat aber doch so viele Vorteile: Man spart sich das Wasser zu Hause, vermeidet Pickel, je nach Wärmegrad fördert man entweder die Durchblutung oder das eigene Wohlbefinden, man riecht danach gut, und – ein nicht zu unterschätzender Aspekt – man fördert ja auch irgendwie das Gemeinschaftsgefühl untereinander, wenn man in einem so verletzlichen Moment offen genug ist, miteinander darüber zu sprechen, welche Übung heute im Fitnesskurs besonders schwierig war.
Denn das eigentlich Schwierige am Sport ist ja tatsächlich manchmal der Sport selbst.
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