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Gym-AkneDuscht euch nach dem Sport!

Unsere Autorin beobachtet immer wieder, dass kaum jemand in ihrem Fitnessstudio duscht. Haben die Leute denn noch nie etwas von „Gym Akne“ gehört?

Manchmal ist das Schwierigste am Sport das Duschen Foto: Milan Vasicek/imago

D as Schwierigste am Sport ist das Hingehen. Sagt man so, dachte ich auch lange. Mittlerweile bin ich überzeugt: Das Schwierigste am Sport ist das Duschen. Ich habe es in den letzten Jahren in verschiedenen Städten und Ländern immer wieder festgestellt. Nach dem Sport duschen die wenigsten.

Klar, zu oft duschen ist schlecht für die Haut. Aber es gibt einfach Situationen, nach denen man duschen sollte. Nach Kontakt mit Chemikalien, an extrem heißen Sommertagen, nach dem Schwimmen – und eben nach jedem anderen Sport, bei dem man ausgiebig schwitzt.

Ich sage ja gar nicht: Tragt Unmengen an Duschgel auf, duscht stundenlang, wascht euch nach jedem 5-Minuten-Work-out. Ich sage: Duscht halt, nachdem ihr geschwitzt habt. Obwohl ich im Sportkurs einen Liter Wasser trinke, muss ich danach nicht auf Klo, weil ich so sehr schwitze. Das Wasser kommt woanders raus, Leute – und ist dann gemischt mit Salzen, Harnstoff, Milch-, Amino- und Fettsäuren.

Bei meiner Recherche für diese Glosse stoße ich bei Reddit auf eine Diskussion, ob man auch vor dem Fitnessstudiobesuch duschen sollte, damit man während des Sports nicht stinkt. Das ist natürlich Quatsch. Zum Sport gehört das Stinken! Mein Ekel setzt erst später ein, nämlich, sobald Kursteilnehmer_innen ihre Jeans, Straßenschuhe und Jacken in der Umkleide über ihre verschwitzten Klamotten oder den Schweißfilm ihrer Haut ziehen.

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Danach steigen sie in die Bahn oder gehen etwas essen und verbreiten ihren Sportgeruch nicht mehr nur in der Umkleide, wo er ja hingehören würde. Sie stinkern alle Fahrgäste und Restaurantbesucher_innen voll, die – anders als ich – vom Work-out gar nichts mitbekommen haben und deshalb nicht zustimmen konnten, dass alle Gerüche für die Zeit der motivierten Bewegung erst mal egal sind. Und Großstädter_innen, die im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, brauchen nun mal eine Weile, bis sie nach Hause kommen und duschen können. Bis dahin haben die Bakterien mit ihrer Zersetzung schon längst angefangen.

Handtuch mitschleppen nervt – aber lohnt sich

Länger als eine halbe Stunde mit dem Duschen zu warten, sollte man sowieso nicht. Bakterien vermischen sich mit dem Schweiß, Poren verstopfen und Pilze können entstehen. An Follikelausgängen bilden sich kleine Furunkel, die sogenannte Gym-Akne.

Ich kann wirklich nur wenige Gründe sehen, mit dem Duschen zu warten. Ich verstehe, dass es für queere Menschen in binär getrennten Umkleide- und Duschabteilen Sicherheitsgründe geben kann, nicht zu duschen. Auch klar, dass manche sich unwohl fühlen, neben fremden Menschen nackt zu sein. Eine Arbeitskollegin meinte einmal zu mir, dass sie nach dem Training aufs Fahrrad steige und zu Hause dusche. Das verstehe ich auch, man macht damit ja quasi Sport nach dem Sport, danach duscht man. Aber viel mehr Ausnahmen kann ich nicht sehen, und ich verstehe nach wie vor nicht, dass ich manchmal die Einzige bin, die nach einem schweißtreibenden Sportkurs unter der Dusche steht.

Klar, es nervt, dass man zum Sportzeug noch das Handtuch mitschleppt, und manchmal sind die Bedingungen im Gym echt räudig. Das Duschen dort hat aber doch so viele Vorteile: Man spart sich das Wasser zu Hause, vermeidet Pickel, je nach Wärmegrad fördert man entweder die Durchblutung oder das eigene Wohlbefinden, man riecht danach gut, und – ein nicht zu unterschätzender Aspekt – man fördert ja auch irgendwie das Gemeinschaftsgefühl untereinander, wenn man in einem so verletzlichen Moment offen genug ist, miteinander darüber zu sprechen, welche Übung heute im Fitnesskurs besonders schwierig war.

Denn das eigentlich Schwierige am Sport ist ja tatsächlich manchmal der Sport selbst.

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seit 2019 bei der taz, interessiert sich vor allem für Gesundheit, Feminismus und soziale Ungleichheit. BVHK-Journalismuspreis 2023, Nina Grunenberg Fellow 2025.
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4 Kommentare

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  • Hmm.. zu meinen Sporteinheiten fahre ich mit dem Fahrrad und ich fahre schnell, es ist schließlich mein Aufwärmprogramm.



    Und mit dem Fahrrad fahre ich auch wieder zurück.. ebenfalls zügig, damit ich dann später besser schlafen kann. Wieso sollte ich zwischen den Einheiten noch mal extra duschen?



    Geduscht wird dann also zu Hause und das ist selten blöd, bei den Warmwasserpreisen hierzulande.



    Aber in meinem Sportverein geht auch sonst niemand duschen. Alle steigen, so stinkig sie auch immer sein mögen, entweder aufs Rad oder ins Auto. So bleibt die Hoffnung, das die Mitgliedsbeiträge stabil bleiben.

  • Danke für den Beitrag über ein heikles Thema. Darauf spricht man seine Mitmenschen ja eher ungern direkt an.



    Ich persönlich habe erst im fortgeschrittenen Alter gelernt, dass man sich morgends und Abends immer das Gesicht mit klarem Wasser waschen solle, um von Ihnen beschriebene Ausscheidungen und die Ablagerungen der Umwelt darauf abzuwaschen. Seit dem bin ich mit meiner Gesichtshaut viel zufriedener.



    Also Sportler: Macht den Versuch und gönnt euch danach eine frische Unterhose!

  • So werden alte Weisheiten doch noch wahr. Man braucht nur ein wenig Dreck und schon "Pilze können entstehen. " So erzeugt man Leben.

    Aber abgesehen von dem wording. Für die Mitmenschen geht es also um den Geruch (was der/diejenige mit sich selbst macht, ist erstmal egal). Bei Geruch fällt aber heutzutage auch das Gegenteil auf - schon wenn man man zu Anfangs- oder Endzeiten an einem Schulweg entlang geht, riecht man dass dort 13-16 jährige entlang gegangen sind, von Öffies ganz zu schweigen. Und das ist nicht Schweiss oder Testosteron. Die Parfümierung erreicht ganz neue (Belästigungs-)Höhen. Mit oder ohne duschen.

  • Einspruch: Mehrmals am Tag zu duschen bedeutet ein erhöhter Wasserverbrauch. Während in anderen Teilen der Welt die Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben, meinen wir wohl unseren Ekel zu eliminieren, in dem wir uns duschen. Wohlstand too much?

    Okay ist es noch, wenn einmal am Tag geduscht wird, und zwar erst im Sportstudio bevor man es wieder verlässt. Dann muss wenigstens nicht die eigene Dusche benutzt werden.