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Gründung der AfD-Jugend in NiedersachsenKaderschmiede für die Remigration

Andreas Speit
Kolumne
von Andreas Speit

In Niedersachsen hat sich ein Landesverband der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gegründet. Er ist so radikal wie seine Vorgängerin.

Protest in der Provinz: Demonstration vor der AfD-Zentrale in Brettorf Foto: Jörg Hüneke/dpa

D as Kalkül der AfD geht nicht auf: Trotz der Landflucht der Landeszentrale in die niedersächsische Provinz haben am vergangenen Samstag über 300 Menschen vor der Parteizentrale im Dötlinger Ortsteil Brettorf demonstriert. Im Landkreis Oldenburg, über 120 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt, fand im Saal des ehemaligen Gasthofes Schützenhof Schürmann die Gründung des Landesverbandes der Generation Deutschland (GD) statt. Der Neustart des AfD-Jugendverbandes begann so, wie auch schon die aufgelöste Vorgängerin Junge Alternative (JA) agiert hatte: Die Presse war unerwünscht.

Im Saal kamen an die 100 AfD-Mitglieder zwischen 16 und 36 Jahren zusammen. Gab es Diskussionen über die Kan­di­da­ten*­in­nen für den Vorstand? Oder über die Neustrukturierung? Hinter verschlossenen Türen zu tagen, bedeutet eben auch, sich der Transparenz zu entziehen. Zur Begründung führt die GD an, es herrsche Platzmangel und man habe den „Jugendschutz“ gewährleisten wollen. Sie hätten aber auch „keine guten Erfahrungen mit den Medien“, sagt Michael Fehre. Am Ende des Tages gibt es nur eine Pressekonferenz.

Zu der Zeit stand fest: Fehre ist der Landesvorsitzende der GD Niedersachsen. Der 29-Jährige sitzt für die AfD im Bundestag. Am Abend sagte er, die GD wolle „junge Menschen ermutigen“, „aktiv zu sein und Gesicht zu zeigen“. Die GB werde sich jetzt „für junge Familien, wettbewerbsfähige Preise für Unternehmen, Wiedereinstieg in die Kernkraft und für eine sogenannte Remigration einsetzen“.

Fehre fordert einen schlanken Staat und eine „Doge“-Behörde nach Vorbild der kurzzeitig von Elon Musk geleiteten Staatsabbaubehörde der Trump-Administration. Effizienz und Produktivität der Regierung möchte der neue Landeschef so erhöhen. Auch um die westliche Zivilisation ist er besorgt. Auf Instagram postete er auf Englisch: „Gemeinsam retten wir unsere westliche Zivilisation vor dem Aussterben!“ Auf einem Bild ist er auf einem Treffen der Trump-Jugend Young Republicans zu sehen.

Rassisten, Transfeinde, Geschichtsrevisionisten

Im Saal haben die Mitglieder Patrick Schwarzer zum Landesvize bestimmt. Er hatte das digitale Projekt „Der rechte Schuh“ initiiert. Motto des blauen Turnschuhes mit rotem AfD-Logo: „Jung, rechts, extrem gutaussehend. Echte Schuhe sind rechts.“ Otto Cornelius soll für die Programmatik und für Events zuständig sein. Eltern, die ihre Kinder bei einer Geschlechtsumwandlung unterstützen, nannte er „psychopathisch“. Er denkt im Übrigen, Deutschland sei nicht schuld am Zweiten Weltkrieg.

Felix Wolf gehört ebenfalls dem Vorstand an. Er betreibt auf der Plattform X den Kanal „Wolf des Nordens“ mit etwa 26.000 Followern. Der Fitnesscoach erklärt online: „Ich gebe Deutschland nicht auf. Nicht heute, nicht morgen. Ich kämpfe bis zum Schluss.“ Dazu postet er herabwürdigende Bilder vom Menschen mit Migrationsbiografie.

Die wegen Volksverhetzung verurteilte Mitarbeiterin von Alice Weidel, Marie-Therese Kaiser, wurde Delegierte der GD-Niedersachsen für den Bundeskongress, schreibt das Nachrichtenportal Endstation Rechts.

AfD-Landesvize Stephan Bothe behauptet, zwischen der JA und der GD gebe es keine personellen Überschneidungen. Stimmt nicht: Der Beisitzer im GD-Landesvorstand, Adrian Maxhuni, hatte den JA-Landesverband bis zu seiner Auflösung sogar geleitet

Die Aufgaben der GD umriss Fehre so: Konflikte mit der Mutterpartei sollen künftig unterbleiben. Für die politische Arbeit auf kommunaler Ebene werden Schulungen mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten der AfD stattfinden. Sie möchten eine „Nachwuchsschmiede“ werden.

Wegen ihrer rechtsextremen Ausrichtung hatte der AfD-Landesvorstand auf die Auflösung der JA Niedersachsen gedrängt. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Stephan Bothe behauptete nun in der Pressekonferenz nach der GD-Gründungsversammlung, zwischen JA und GD gebe es keine personellen Überschneidungen. Stimmt nicht: Der Beisitzer im GD-Landesvorstand, Adrian Maxhuni, hatte den JA-Landesverband bis zu seiner Auflösung sogar geleitet. Der 29-Jährige ist auch GB-Bundesvize.

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Andreas Speit
Autor
Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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7 Kommentare

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  • Diese Jugend der AfD geht davon aus, dass die Menschen, die einen rein deutschen Stammbaum haben, besser sind als Menschen, die weniger deutsch sind.



    Und das wäre, sollten sie mal an die Macht kommen, so ein Staat, ähnlich wie in Südafrika bei der Apartheid, also ein rassistischer Staat, der dunkle Menschen herabwürdigt, degradiert, es wäre eine rassistische Diktatur.



    Dass sie für AKWs und Steuersenkungen sind, klar, es ist ja die AfD und so ein wenig machen sie dann einen auf neoliberal, aber wenn es nur darum ginge, könnten sie ja Friedrich Merz unterstützen.



    ->Für mich hört sich das nach einer Mischung aus Neonazis, Identitären, Neoliberalen und Rassisten an.



    Das Ganze wird dann wohl auch so sein, dass diese Organisation beobachtet wird, weil das mit der jetzigen Verfassung nicht umsetzbar ist, eventuelle wird dieser Jugendverband irgendwann auch verboten.

  • ​Die Neugründung der AfD-Jugendorganisation im Februar 2026 ist kein politischer Neuanfang, sondern eine strategische Tarnung für ungefilterten Rechtsextremismus. Wer glaubt, mit einem neuen Namen ließe sich die völkische Ideologie der verbotenen Vorgängerorganisation reinwaschen, unterschätzt die Gefahr. Hier wird eine Generation herangezüchtet, die Demokratie nicht als Auftrag, sondern als Feindbild versteht.



    ​Es ist brandgefährlich: Unter dem Deckmantel der „Heimatliebe“ wird purer Ethno-Nationalismus in die sozialen Netzwerke gepumpt. Diese Organisation ist die Kaderschmiede für einen autoritären Umbau unserer Gesellschaft. Wer junge Menschen mit Hass indoktriniert und sie gegen Minderheiten aufhetzt, legt die Lunte an den sozialen Frieden. Dass der Staat diesem Etikettenschwindel zuschaut, ist unerträglich. Wer die Freiheit schützen will, darf den Brandstiftern von morgen keinen Millimeter Raum lassen. Diese Neugründung ist ein Angriff auf unsere Zukunft!

    • @amigo:

      Der Staat wird da sehr genau hinschauen, ob er dann auch handelt, das wäre die wichtige Frage.



      Ansonsten stimmte ich Ihnen zu, dass sind gefährliche Rechtsextemisten, die eher in der Neonazisszene ideologisch sind, als im rechtskonservativen Bereich. Irgendeine Mäßigung oder Verbundenheit in der parlamentarischen Demokratie haben die nicht.

  • Die Schuld am zweiten Weltkrieg leugnen,



    Trump als Vorbild, den puren Hass auf alles was nicht deutsch ist.



    All das ist möglich, in einer Demokratie, welche die AfD abschaffen will.



    Wann kommt die Prüfung des AfD Verbots?



    So wie es aussieht, wahrscheinlich nie.

    • @Andreas Flaig:

      Ich denke, dass Verbot wird in allen Innenministerien und im Bundesinnenministerium schon geprüft. Ich vermute, dass das Verbotsverfahren nur dann kommt, wenn es wirklich stichhaltig ist. Die NPD-Blamage sitzt den Behörden in den Knochen ...

      • @Andreas_2020:

        Der wesentliche Grund, die NPD nicht zu verbieten, war deren fehlende Relevanz. Davon kann bei der AfD leider kaum die Rede sein. Inhaltliche Unterschiede zwischen beiden sind kaum vorhanden, vom ursprünglichen Schafspelz der AfD sind doch nur noch Reste vorhanden.

    • @Andreas Flaig:

      Nein, es wird nicht kommen. Etliche in der Union benötigen die AfD, um ihre eigenen rechten Positionen durchzudrücken oder zur Umsetzung derselben im Zweifel mit ihr zu koalieren. Daher wird die Union ein Verbotsverfahren zu verhindern wissen. Illiberale, libertäre und autoritäre Positionen waren und sind in der Union schon immer vorhanden. Politiker wie Günther oder Wüst scheinen mir dort mittlerweile fremd.