Geschichte des Frauenboxens: Die alle Schlachten geschlagen hat
Am Samstag hat Katie Taylor ihren letzten Kampf bestritten. Sie geht als beste Boxerin der Welt. Und auch als die, die am meisten erreicht hat.
Foto: David G. McIntyre/imago
B itte! Diese Kolumne beginnt mit einer ganz großen und herzlichen Bitte: Lassen Sie sich ein klein bisschen ein auf die Persönlichkeit und auf die Lebensleistung einer 40-jährigen Frau aus Irland.
Katie Taylor hat nämlich am Samstagabend ihre Karriere als Profiboxerin beendet, und jedes Detail, das ich in dieser kurzen Kolumne notieren werde, verweist auf die Bedeutung dieser Sportlerin.
80.000 Menschen kamen in den Dubliner Croke Park, rappelvoll war eine der größten Sportarenen Europas. So viele Menschen waren noch nie live zu einem Frauenboxkampf gekommen. Der Walk-in Taylors wurde live intoniert von Westlife mit „Flying Without Wings“, und Taylor marschierte alleine in einer Robe.
Trinity College zur Begründung der Ehrendoktorwürde für Katie Taylor
Sehr prägnant hatte der Kommentator des irischen Fernsehens die Bedeutung ausgedrückt. „Sie hat erstmals im Alter von zehn Jahren einen Ring betreten, angezogen als Junge. Nun, dreißig Jahre später ist sie gekleidet als Queen of Ireland.“
Tatsächlich lässt sich die jüngere Geschichte des Frauenboxens entlang von Taylors Vita erzählen: Als „K. Taylor“ meldete sie sich erstmals an, 1996, damit niemand bemerkte, dass sie ein Mädchen war. Ihre langen Haare versteckte sie unter dem Kopfschutz. Als 2001 in Dublin der erste legale, also offiziell lizenzierte Frauenkampf ausgetragen wurde, stand die 15-jährige Katie Taylor im Ring. 2005 wurde sie erstmals Europameisterin, 2006 erstmals Weltmeisterin, und 2012 wurde Taylor die erste Boxolympiasiegerin der Sportgeschichte.
Sie hat immer gegen die ganz Großen geboxt
Als Profi gewann sie den ersten Kampf zweier Boxerinnen, der als Hauptkampf im legendären New Yorker Madison Square Garden ausgetragen wurde. Dass sie dies gegen die Weltklasseboxerin Amanda Serrano tat, ist ein weiteres hervorhebenswertes Detail dieser Biografie. „Vor allem“, so hebt es der Boxexperte Bertram Job in der Neuen Zürcher Zeitung hervor, „zeigte Taylor keine Scheu vor den sogenannten ‚signature fights‘ gegen ähnliche hoch eingeschätzte Konkurrenz.“ Gerade ihre Kämpfe gegen Serrano, Delfine Persoon oder gegen die Britin Chantelle Cameron – Taylors einzige Niederlage ihrer Karriere, die sie aber im Rückkampf wett machte – seien es, „die dem Frauenboxen weltweit Aufmerksamkeit gebracht haben“.
Nun, am Ende ihrer Laufbahn ist sie „undisputed Champion“, also von niemand auch nur klitzeklein infrage gestellte Weltmeisterin aller wichtigen Verbände (den letzten Titel, den des WBC, holte sie am Samstag in ihrem letzten Kampf gegen die Französin Flora Pili). Zuletzt trat sie im Superleichtgewicht, in früheren Abschnitten ihrer Karriere war sie auch im Leichtgewicht unterwegs, auch dort, selbstverständlich, im Besitz der Titel aller großen Verbände, also „undisputed Champion“.
Buchpreis und Ehrendoktorat
30 Jahre Boxen, 20 Jahre Profiboxen, immer auf allerhöchstem Niveau. Diese unglaubliche Karriere ist am Samstag mit einer beispiellosen Show zu Ende gegangen. In Irland ist Taylor, die nach ihrem Heimatort den Kampfnamen „The Bray Bomber“ trägt, ein Superstar. Und zwar – das sagt auch viel über die Wahrnehmung großen Sports in anderen Kulturen aus – ein Star, der von der ganzen Nation anerkannt wird.
Nach ihrem historischen Olympiasieg – bis 2012 hatte das IOC schlicht Frauenboxen untersagt – legte sie ihre Autobiografie vor, „My Olympic Dream“. Sie wurde als „Sports Book of the Year“ ausgezeichnet. Und diesen Sommer verlieh ihr das Trinity College in Dublin die Ehrendoktorwürde, weil sie „als eine der bedeutendsten Sportlerinnen aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird“, wie es heißt.
Und was sagt Katie Taylor nun zu diesem letzten Kampf? „Diese Nacht war alles, was ich erwartet habe, und noch mehr.“ Ähnliches lässt sich wohl über ihre Karriere sagen.
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