134. Geburtstag von J. R. R. Tolkien: Er liebte Leute mit behaarten Füßen
Am 3. Januar wäre J. R. R. Tolkien, der Erfinder des „Herrn der Ringe“, 134 Jahre alt geworden. Heute entlarvt sein Werk die intellektuelle Armut der Tech-Bros.
„Ich bin eigentlich ein Hobbit“, schrieb der Schriftsteller J. R. R. Tolkien 1958 über sich selbst. Er mochte Gärten, rauchte Pfeife, verabscheute die französische Küche und stand spät auf. Was für ein sympathischer Mann.
Ob Tolkien genauso behaarte Füße hatte wie das Hobbit-Völkchen, das in der Fantasywelt Mittelerde im saftig-grünen Auenland wohnt, wissen wir nicht. Was wir aber wissen: Am 3. Januar wäre der Vater der modernen Fantasy-Literatur 134 Jahre alt geworden. Er hatte ein bewegtes Leben.
1892 wurde er in Südafrika geboren und zog mit seiner Familie später nach England. 1917 kämpfte er als Fernmeldeoffizier im Ersten Weltkrieg in der Schlacht an der Somme in Frankreich, viele seiner Freunde starben dort. Diese Erfahrungen sollten ihn und sein literarisches Werk für den Rest seines Lebens prägen.
Später machte Tolkien in Oxford Karriere als Sprachwissenschaftler. Er liebte alte Sprachen und verbrachte viele Stunden damit. Das reichte ihm später nicht mehr und er erfand seine eigenen, darunter das Elbische aus „Der Herr der Ringe“. Klingonisch hätte Tolkien bestimmt gemocht. Allerdings wurden erste Laute der Sprache erst sechs Jahre nach Tolkiens Tod 1973 erfunden.
„Der Herr der Ringe“ ist zu hoch für die Tech-Bros
Neben seiner Arbeit als Professor schrieb Tolkien über Jahrzehnte hinweg an den Werken, die ihn zu einem der einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts machten: „Der Hobbit“ (1937) und „Der Herr der Ringe“ (1954–55). Bis heute faszinieren diese Fantasyschinken Menschen auf der ganzen Welt – und das längst aus Kinderzimmern hinaus bis ins Silicon Valley und das Oval Office.
Peter Thiel etwa, rechter Libertärer, der J. D. Vance in sein Amt als Vizepräsident verhalf, hat sein Weltbild mit Tolkien-Elementen angereichert. Die umstrittene Überwachungssoftware seiner US-Firma Palantir bezieht sich auf die gleichnamigen sehenden Steine aus Tolkiens Welt. Auch Elon Musk bezeichnet sich als Fan von Der „Herr der Ringe“. Offenbar lieben die Tech-Bros die Geschichte von Macht und großen Kriegen.
Neben der Bundeswehr, die ihre Helikopter im Afghanistaneinsatz nach den Nazgûl-Ringgeistern benannte und auf Instagram Videos mit Musik aus der Filmumsetzung veröffentlichte, vereinnahmen vor allem Rechte das Fantasywerk. So ist etwa Italiens neofaschistische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni „Herr der Ringe“-Fan. In einem Interview sagte sie, sie nehme sich die Hobbits zum Vorbild, um Italien zu befreien.
Rechte zwängen Tolkiens Werk in ihre Ideologie und ziehen absurde Schlüsse. So sei der Oberbösewicht Sauron gar nicht böse, sondern stehe für Ordnung und Stärke. Frodo und seine Gefährten hingegen seien der dekadente, schwache Westen, der den Fortschritt aufhalte. Und auch die Tech-Bros finden ihre ganz eigene Logik, auf die man selbst im Kreativschreibkurs nicht kommen würde.
Mit der Botschaft von „Der Herr der Ringe“ scheint Tolkien sie an ihre intellektuellen Grenzen zu bringen. Darin können die freien Völker Mittelerdes den einen Ring nur vernichten, indem sie auf seine Macht verzichten. Der Schriftsteller stand der Macht in den Händen weniger kritisch gegenüber. Machtkonzentration und Ausbeutung: Die Tech-Bros wären beim Dunklen Herrscher in Mordor gut aufgehoben.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert