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Gaza-Freiheitsflottille bombardiertZiviles Hilfsschiff vor Malta angegriffen

Das Schiff einer NGO, die Lebensmittel nach Gaza bringen wollten, wurde gezielt mit Drohnen beschossen. Israel blockiert den Gazastreifen seit März.

Rauch steigt vom Schiff der Gaza Freedom Flotilla Conscience auf, Malta, am 2.5.2025 Foto: edt offshore/handout via reuters

Beirut taz | Ein Hilfsschiff mit Lebensmitteln für Gaza und humanitären Hel­fe­r*in­nen wurde in der Nacht zu Freitag im westlichen Mittelmeer angegriffen. Die Gaza Freiheitsflottille selber sprach von Angriffen mit zwei Drohnen. Ein Video, das die Organisation selber zur Verfügung stellte, zeigte einen Brand auf dem Schiff. Es habe einen erheblichen Riss im Rumpf gegeben und eine Unterbrechung der Stromversorgung gegeben. Der Drohnenangriff scheint gezielt auf den Schiffsgenerator gerichtet gewesen zu sein, so die Gruppe. Das Schiff mit dem Namen „Conscience“ befindet sich in internationalen Gewässern vor der Küste Maltas, wie Tracking-Daten zeigen.

An Bord seien 30 Menschen, so die Organisation. Anderen Angaben zufolge waren es 12 bzw. 16. In Malta hätten später die Klimaaktivistin Greta Thunberg und die pensionierte US-Oberste Mary Ann Wright zusteigen wollen, sagte die Gruppe dem Sender CNN. Auch freiwillige Ak­ti­vis­t*in­nen aus über 21 Ländern waren nach Malta gereist, um an Bord des Schiffes zu gehen und damit weiter nach Gaza zu fahren. Der Gazastreifen wird seit zwei Monaten komplett von Israel abgeriegelt, die Bevölkerung droht zu verhungern. Die Freiheitsflottille widersetzt sich nach eigenen Angaben der Blockade.

Bisher ist unklar, wer das Schiff angegriffen hat. Die Organisation selber sagt, es handle sich um israelische Drohnen.

Ähnlicher Angriff vor 15 Jahren

Vor rund 15 Jahren war ein Schiff der Organisation bei einem ähnlichen Einsatz vom israelischen Militär geentert worden. Neun NGO-Mitglieder starben. Eine UN-Untersuchungskommission erklärte den damaligen Angriff später als „klaren Verstoß gegen internationales Recht“.

Die Bombardierung eines zivilen Schiffs in internationalen Gewässern kann einen schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und ein Kriegsverbrechen darstellen. Laut Haager Abkommen von 1907 genießen zivile Schiffe besonderen Schutz. Ohne Vorwarnung und Rettung der Besatzung ist das Versenken eines zivilen Schiffs völkerrechtswidrig. Ein solcher Angriff kann nur in sehr engen Ausnahmefällen juristisch gerechtfertigt sein, zur Selbstverteidigung oder bei militärischer Nutzung des Schiffs.

Die Gruppe der Gaza-Flottille sagte, die Kommunikation mit dem Schiff sei bei dem Angriff beendet worden. Es sei ein SOS-Signal abgesetzt worden, woraufhin Zypern ein Rettungsschiff entsandt habe, das aber nicht die dringend benötigte elektrische Unterstützung leisten konnte.

Malta schickt Hilfsschlepper und löscht Feuer

Die maltesischen Streitkräfte sagten dem Sender CNN am Freitagmorgen, einen Schlepper zur Unterstützung gesendet und den Brand gelöscht zu haben. An Bord befänden sich 16 Personen, von denen niemand verletzt sei. Alle hätten sich geweigert, an Bord des Schleppers zu gehen.

Nach internationalem Seerecht und internationalen Konventionen ist Malta verpflichtet, die Sicherheit eines in Seenot geratenen zivilen Schiffes in seiner Nähe zu gewährleisten. Das Ausbleiben von Rettungsbemühungen verstößt gegen Völkergewohnheitsrecht.

Die Gruppe der Flottille sagte, das Schiff befinde sich auf einer gewaltfreien humanitären Mission.

Israel verhindert seit dem 2. März durch eine vollständige Blockade die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff und anderen lebensrettenden Hilfsgütern in den Gazastreifen. Wie das UN-Büro des Hohen Kommissars, Volker Türk, der Vereinten Nationen für Menschenrechte mitteilte, arbeiten Bäckereien nicht mehr, da Mehl und Treibstoff ausgegangen sind. Türk hatte bereits am Dienstag gesagt, die Welt müsse handeln. „Jeder Einsatz des Aushungerns der Zivilbevölkerung als Kriegsmethode stellt ein Kriegsverbrechen dar, ebenso wie alle Formen der kollektiven Bestrafung“, so der Hohe Kommissar.

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10 Kommentare

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  • wann endlich wird die mauer des schweigens durchbrochen und die regierung israels von der deutschen oeffentlich kritisiert und die menschenrechts- und voelkerrechtsverletzungen direkt angesprochen?

    • @the real günni:

      Wir wollen nicht vergessen wer diesen Krieg angefangen hat, wer feige Zivilisten verschleppt und gefoltert hat, oder?

      Solange die Hamas weiterhin Zivilisten als Geisel hält muss Israel das Recht haben alles zu unternehmen um die Geisel zu befreien. egal was es ist.



      Die Hamas kann ja jederzeit die Geisel freilassen und schon kann der Krieg enden.

      Netter Versuch der Opfer- Täter Umkehr!

      • @Thomas Zwarkat:

        Ich glaube nicht, dass der Krieg durch Befreiung der Geiseln beendet würde. Wenn dem so wäre, dann hätte Israel ein entsprechendes Angebot bereits verkünden können. Primärziel der isr. Regierung scheint zu sein, Hamas & Co als ernsthafte Bedrohung dauerhaft zu beseitigen, ihr die Macht im Gazastreifen zu entreißen und eine Wiederbewaffnung zu verhindern. Nach jetzigem Stand würde Isr. im Austausch gegen die Geiseln für eine Weile die Blockade und seine Angriffe pausieren, ich denke aber, dass es danach weiter gehen würde.

      • @Thomas Zwarkat:

        Sie klingen so, als wäre es Fakt, dass Israel seine Angriffe stoppt, sobald alle Geiseln frei sind. Ich kann daran leider nicht glauben. Haben Sie nicht mitbekommen, dass die Hamas kürzlich die Freilassung aller Geiseln angeboten hat, wenn es im Gegenzug eine Waffenruhe gibt. Das wurde offenbar von israelischer Seite nicht angenommen.

      • @Thomas Zwarkat:

        Nein eben nicht: auch bei der Geiselbefreiung ist Israel an internationales Recht gebunden und darf nicht zwei Millionen Menschen aushungern oder Schiffe mit Hilfsgütern bombardieren. Palästinenser und ihre Helfer sind keine Menschen zweiter Klasse, deren Leben taktischen Erwägungen untergeordnet werden dürfen. Ich dachte eigentlich, wir hätten das Denken in ethnischen Hierarchien hinter uns gelassen.

      • @Thomas Zwarkat:

        . Solange die Hamas weiterhin Zivilisten als Geisel hält muss Israel das Recht haben alles zu unternehmen um die Geisel zu befreien. egal was es ist.'

        Nein, der Zweck heiligt eben NICHT alle Mittel, auch wenn die Pro-Nethanjahu-Propaganda uns das seit 13/10 - zumeist in widersprochen - einreden will.

      • @Thomas Zwarkat:

        "Israel das Recht haben alles zu unternehmen um die Geisel zu befreien. egal was es ist. "

        Was hat denn der völkerrechtswidrige Angriff auf ein Hilfsschiff mit der Befreiung der Geiseln zu tun?

        Es geht Israels Regierung sicher nicht um die Geiseln. Sondern um die Vertreibung der Palestinenser aus Gaza und Westjordanland.

  • Die Organisation "Gaza Freiheitsflotille" spricht von 30 Menschen an Bord und von einem Dro(h)nenangriff. Die maltesischen Behörden sprechen (Stand jetzt) nur von einem Feuer und von 16 Menschen an Bord. Was stimmt jetzt?



    Wenn es Dro(h)nen waren, müsste es von denen bzw. ihren Geschossen auch Spuren an Bord geben. Gibt es davon Bilder oder Videos? Und vor allem: was sagen die Augenzeugen an Bord selbst? Hoffen wir, dass es eine richtige, unabhängige Untersuchung gibt, der Angriff auf ein ziviles Schiff ist ein Kapitalverbrechen. In internationalen Gewässern müsste dafür der Internationale Seegerichtshof in Hamburg zuständig sein.

    • @Offebacher:

      Hm… soweit ich auf die schnelle Recherchiert habe, sind es Vertragsstaaten welche vor dem Seegerichtshof Klage einreichen können; für dieses Schiff ist aber mittlerweile kein Staat zuständig, denn Palau hat ihm das Recht seine Flagge zu tragen entzogen.



      www.timesofisrael....-ship-if-it-docks/



      Ein Kapitalverbrechen? Da wäre ich mit nicht so sicher… anscheinend verlieren zivile Schiffe ihren Schutz vor angriffen, wenn es trifftigen Grund zur Annahme gibt, dass sie Konterbande befördern oder Blockadebrecherei betreiben (San Remo Manual on International Law Applicable to Armed Conflicts on Sea, Art 67 a) – und offenbar wurde letzteres beabsichtigt.

    • @Offebacher:

      Zur weiteren Vorgeschichte dieser Unternehmung und einer Eskalation aus 2010:



      Der UN-Menschenrechtsrat in Genf und eine unabhängige Kommission sind offensichtlich jetzt ebenfalls zur Aufklärung gefragt.

      Damals in dieser Zeitung:



      taz.de/UN-Bericht-...Flotille/!5135231/

      Ehemals war ebenfalls "Prominenz" beteiligt:



      "Nach Stürmung von Gaza-Flottille



      Henning Mankell in israelischem Gewahrsam



      Lebenszeichen von Henning Mankell: Der Bestsellerautor ist nach seiner Teilnahme an der Schiffsflotte für Gaza von israelischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen worden. Laut Agenturberichten muss sich der Schwede jetzt entscheiden, ob er ausgewiesen oder vor Gericht gestellt werden will."



      spiegel.de al Quelle