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G20 der WissenschaftWo die Tech-Elite das Sagen hat

Auf dem G20-Gipfel diese Woche treffen sich auch Wissenschafts- und Innovationsminister. Dabei dominiert vor allem ein Thema: künstliche Intelligenz.

Während die EU-Kommission die künstliche Intelligenz (KI) noch zu regulieren versucht, hat das Silicon Valley schon Fakten geschaffen. Wer wissen will, wer die globalen Spielregeln des 21. Jahrhunderts diktiert, durfte in dieser Woche nicht nach Brüssel blicken, sondern in das beschauliche Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina, wo sich die Wissenschafts- und Innovationsminister der G20-Staaten trafen.

Wie zu erwarten, war KI das alles beherrschende Thema im ehrwürdigen Carolina Inn. Die gastgebende US-Regierung präsentierte die sogenannten Carolina Principles – ein butterweiches Papier, das staatliche Eingriffe auf ein absolutes Minimum reduzieren, auf neue Gesetze verzichten und bestehende Marktregeln einfach auf KI stülpen will.

Dabei decken sich die Ziele der USA weitgehend mit der Sichtweise der weltweit größten KI-Unternehmen, von denen fast alle aus den USA stammen. Sie wollen weltweit weniger Regulierung für ihre schnell wachsenden Geschäfte oder die Regeln mitgestalten, während sie geschrieben werden.

Per Videoschalte wetterte Tech-Milliardär Elon Musk gegen die Europäische Union, deren KI-Regulierung jede Innovation ersticke. Mark Zuckerberg sekundierte brav aus der Ferne, während Nvidia-Chef Jensen Huang die KI pathetisch als den „großen Gleichmacher“ pries.

Dorothee Bär glänzt durch Abwesenheit

Die G20-Konferenzen der zwanzig führenden Industriestaaten wurden 1999 als informelles Forum zur Bewältigung der asiatischen Finanzkrise gegründet. Doch seitdem hat sich das Treffen längst von einer reinen Feuerwehr für globale Märkte zu einem informellen Hinterzimmerweltparlament gewandelt.

Und was tat Deutschland? Das befand sich im gewohnten Spagat zwischen digitaler Torschlusspanik und moralischem Zeigefinger. Die eigentliche Chefin des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Dorothee Bär (CSU), glänzte in North Carolina allerdings durch Abwesenheit.

Ausgerechnet die Ministerin, die ihre Amtszeit unter das Credo „KI, Innovation und vor allem Tempo“ gestellt hatte, ließ sich entschuldigen. Statt transatlantischer Digitalpolitik im Zeichen globaler Krisen stand für sie am Dienstag der traditionelle CSU-Familientag im Freizeitland Geiselwind auf dem Programm. Wenn die Achterbahn ruft und Popcorn verteilt wird, muss die Weltordnung eben warten.

Halt dich am AI Act fest

So blieb die undankbare Aufgabe, in Chapel Hill die deutsche Fahne hochzuhalten, Silke Launert (CSU) überlassen, der parlamentarischen Staatssekretärin im BMFTR. Zusammen mit den EU-Vertretern versuchte die deutsche Delegation verzweifelt, an den europäischen Werten von Datenschutz, Urheberrechten und ethischen Grenzen des AI Acts festzuhalten.

Doch in North Carolina spielte diese Musik nicht. Draußen vor der Tür protestierten derweil Studierende gegen den horrenden CO2- und Wasserverbrauch der neuen KI-Rechenzentren. Drinnen wurde beschlossen, dass die Zukunft den Maschinen gehört – und den Milliardären, die sie besitzen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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5 Kommentare

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  • SGouldo

    Ich seh es schon kommen: in zehn bis zwanzig jahren faxen wir immernoch. Weil wegen Datenschutz und so.



    Aber wenigstens sind wir moralisch auf der richtigen Seite, dann sollen uns die anderen eben auslachen. Dafür haben wir viel schönere Stempel, das sieht neben der eigenhändigen Unterschrift auch viel professioneller aus.

  • Lowandorder

    Wie‘s Joseph Vogl beschreibt



    „…Gegenwartsdiagnostisch bestimmt Vogl einen spezifischen entdemokratisierenden Machttypus, den er in Anlehnung an Deleuze und Foucault als seigniorale Macht bezeichnet und der das internationale Governance-Regime des Finanzmarktkapitalismus strukturiert. „Die Figuren seignioraler Macht […] sind vielmehr informell, diffus, instabil und nicht in eine konzise Systemgestalt übersetzbar. Man könnte hier von einer offenen und konstellativen Verdichtung, Fusion und Interaktion von Kräften unterschiedlicher Herkunft sprechen, deren Wirksamkeit gerade in der Schwäche institutioneller oder systemischer Prägung besteht.“[7] Vogls Buch zeigt die Entwicklung der kapitalistischen Finanzökonomie auf und offenbart deutlich, dass wir nicht in Demokratien leben, sondern in oligarchischen Systemen globalkapitalistischer Profitmaximierung, die von politischen und ökonomischen Eliten regiert werden. …“



    de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Vogl

  • Nyah

    Toller Artikel, sehr schön auf den Punkt gebracht.



    Der AI-Act als regulatorischer Anspruch Europas...am Ende wieder viel Regelwerk mit Makulaturpotenzial

  • Bolzkopf

    Gaaanz früher waren es Gottheiten, Druiden und Medizinmänner.



    Dann waren es Kirchen und Kleriker.



    Jetzt sind es die Tech-Milliardäre

    die die Geschicke der Menschen bestimmen ...

  • Flemming

    Evolution der Technik, ein logischer Schritt der gleichzeitig in ein Mehr von Abhängigkeit führt. Seit dem Beginn der Industrialisierung vor ca 300 Jahren, der Bereitstellung von Automatisierung durch immer leistungsfähigeren Maschinen stieg und steigt der Verbrauch fossiler Energie.



    Es fand eine Art umgekehrtes Terraformig statt ,Wälder wurden im großen Maßstab abgeholzt, riesige Löcher gegraben, Flusssysteme angepasst. Europa hätte heute ein komplett anderes Aussehen.



    Teile der Menschheit haben verstanden, möchten das Rad ein wenig zurück drehen. Renaturierung!



    Nun aber ,gestärkt durch neue Versprechen auf ein noch besseres Leben ist ein neues Kapitel aufgeschlagen.



    Zu erkennen das dieses Versprechen auch immer eine Illusion war und ist wird erfolgreich verdrängt.



    Also was wollen die grossen Macher wirklich?



    Dieses Spiel das sie so erfolgreich spielen, dieses alles auf eine Karte zu setzen wird durch Abhängigkeit von einer einzigen Energieform zu einem Hochrisikospiel. Eine Störung der Versorgung mit Strom hat zur Folge das komplexe Systeme zusammenbrechen werden, über den Ausfall des eigenen Kühlschranks bis hin zur Abschaltung von Infrastruktur wie Wasserwerke und Wärme