Fußballcontent auf Instagram: Für Fans und Feinde
Der Instagram-Kanal „gedanken.zum.sport“ analysiert die kommerzialisierte Fußballkultur. Entspannter Fußballcontent ohne Transfernews und Spielberichten
Ich habe in den vergangenen zehn Jahren kein einziges Fußballspiel komplett geguckt, meide Fans, ihre Kneipen und Gespräche, und trotzdem habe ich jedes Video dieses Instagramkanals gesehen. Wenn Maxi auf gedanken.zum.sport – Achtung, Verbraucher*innentäuschung, es geht nur um Fußball – über Phänomene im Profifußball spricht, bleibe ich dran.
Der Kanal
„gedanken.zum.sport“, auf Instagram
Warum? Weil es um mehr geht als nur um Spielberichte und Transfers. Die Videos beginnen immer mit einer Frage, die sich Fußballfans der jüngeren und älteren Generation vielleicht schon oft und ich mir noch nie gestellt habe. Warum tragen Trainer keinen Anzug mehr bei der Champions League? Und alle Fußballer bei der WM pinke Schuhe? Warum hatte früher jeder Verein einen eigenen Ball? Und niemand mehr ein selbst bemaltes Bettlaken auf der Haupttribüne?
Was dann folgt, ist genau das Gegenteil von testosterongetränkten Stadionbesuchen: Leise Jazzmusik plätschert im Hintergrund dahin, gemütlich sitzt Maxi in seinem Sessel, Pflanzen sind dekorativ um ihn herum platziert, die Kamera fährt langsam auf ihn zu. Und ich lerne dabei, wie sich der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Es ist eine Reise in eine Zeit in der vieles besser schien. In der Fußball noch ehrlicher, kreativer und zwangloser war. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der Kanal.
Mehr Schein als Sein
Vielleicht spricht gedanken.zum.sport auch deshalb nicht nur Dauerkartenbesitzer*innen an, sondern auch Menschen, die sich für die Leidenschaft am Sport interessieren, weil es eher um gesellschaftliche Phänomene geht. Social Media und der eigene Wert im Netz werden immer wichtiger, nicht nur im Fußball. Fans haben früher, so lernte ich, noch Trainer auf Bannern beleidigt, jetzt fragen sie lieber nach Trikots, die vielleicht für gut Geld danach im Netz landen. Am Ende so scheint es, wollen wir alle, ob Fan oder nicht, gern ein wenig in der „guten alten Zeit“ schwelgen. Und das ist doch auch fair.
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