piwik no script img

WeihnachtsgeschenkeForscher warnen vor hormonaktiven Stoffen in Spielzeug

Kinderspielzeug könne schädliche Substanzen enthalten, warnen Fachleute. Besonders billige No-Name- und ältere Kunststoffprodukte seien belastet.

Welches Spielzeug schenke ich dem Kind? Foto: Thomas Köhler/photothek/imago

afp | Vor dem Weihnachtsfest warnen Forscherinnen und Forscher vor hormonaktiven Substanzen in Kinderspielzeug. Kleinkinder seien durch häufigen Hautkontakt oder in den Mund nehmen „besonders gefährdet“, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am Montag. Betroffen sein könnten neben neuen Waren auch „ältere Kunststoffe aus zweiter Hand“, „die teils noch mit Stoffen belastet sind, die in der EU heute schon lange verboten sind“.

Sogenannte endokrine Disruptoren stören den Hormonhaushalt von Mensch und Tier. Viele dieser Substanzen finden sich laut DGE in Kunststoffen, Lacken, Beschichtungen oder Textilien und wurden demnach wiederholt auch in Kinderspielzeug und anderen Alltagsprodukten nachgewiesen.

„Diese Stoffgruppen können selbst in sehr kleinen Mengen die körpereigenen Hormonsignale stören“, erklärte Josef Köhrle vom Institut für Experimentelle Endokrinologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Das betrifft insbesondere Kinder, deren Haut- und Schleimhautbarrieren noch nicht ausgereift sind.“ Dass Kinder Spielzeug ständig in die Hand und in den Mund nähmen, erhöhe ihre Belastung „erheblich“.

Köhrle warnte vor allem vor günstigen Importwaren von großen Online-Marktplätzen. „Wir sehen, dass besonders preiswerte Produkte aus dem Internet wiederholt durch hohe Schadstoffgehalte aufgefallen sind“, erklärte er.

Teurer gleich besser?

Die DGE riet dazu, beim Geschenkekauf auf „hochwertige und geprüfte Produkte“ zu setzen, alte Kunststoffartikel möglichst nicht weiterzugeben und Waren mit stechendem oder chemischem Geruch zu meiden. Zudem empfahl sie, neues Spielzeug wenn möglich vor dem ersten Gebrauch auszulüften und Waschbares zu reinigen. Zudem legte die Gesellschaft einen „kritischen Blick auf No-Name-Produkte aus Online-Shops“ nahe und riet dazu, „im Zweifel“ in die europäischen und nationalen Rückrufdatenbanken zu schauen.

Zwar helfe „jede bewusste Kaufentscheidung und jeder kritische Blick auf vermeintliche Schnäppchen“, die Belastung für Kinder zu reduzieren, fuhr Köhrle fort. Doch könnten „Eltern allein“ das Problem nicht lösen. Dazu brauche es langfristig „klare Vorgaben und strenge Kontrollen, damit nur solche Produkte überhaupt in den Handel kommen, die keine vermeidbaren gesundheitlichen Risiken mit sich bringen“.

Nur noch 430 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 430 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare