Flüchtlinge auf dem Westbalkan: Von Behörden misshandelt
In Mazedonien, Serbien und Ungarn werden Flüchtlinge Opfer behördlicher Willkür, sagt Amnesty International. Merkel müsse das auf ihrer Balkanreise thematisieren.
dpa/afp | Asylsuchende, die auf dem Weg in die EU auf dem Westbalkan festsitzen, würden dort häufig von Behörden und kriminellen Banden misshandelt und erpresst. Das geht aus einem am Dienstag in London veröffentlichten Bericht von Amnesty International hervor. Ihnen drohten willkürliche Festnahmen und Haft. Die Not von Flüchtlingen in Mazedonien, Serbien und Ungarn muss aus Sicht der Menschenrechtsorganisation Thema der Balkanreise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein.
„Sie haben keine Chance auf ein faires Asylverfahren, das ihnen nach internationalem Recht zusteht“, erklärte Selmin Çaliskan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Diesen Missstand müsse die Kanzlerin auf ihrer Balkan-Reise ansprechen, die sie auch nach Serbien führt. Zudem dürfe die Europäische Union sich nicht weiter abschotten und Verantwortung auf ihre Nachbarstaaten abschieben, sondern müsse sichere Zugangswege für Flüchtlinge schaffen.
Amnesty zufolge wollen die meisten Flüchtlinge derzeit von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn in die EU reisen, um den Weg von Libyen über das Mittelmeer nach Italien zu vermeiden. „Wenn die Flüchtlinge es schaffen, nach Ungarn zu kommen, droht ihnen weitere Gewalt und Abschiebung“, hieß es in der Mitteilung.
Die EU dürfe sich nicht abschotten und die Verantwortung für den Schutz von Flüchtlingen auf die Nachbarstaaten abschieben, sagte Çaliskan. Vielmehr solle die EU „Zugangswege für Flüchtlinge schaffen und ihnen einen effektiven Zugang zum EU-Asylsystem ermöglichen“. Merkel besucht am Mittwoch und Donnerstag Albanien, Serbien und Bosnien-Herzegowina.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert