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Fischereifreie Gebiete in der NordseeZu wenig Meer für die Natur

Niedersachsen will zehn Prozent der Nordseeküste als fischereifreies Gebiet ausweisen und folgt damit EU-Vorgaben. Reicht nicht, kritisiert der WWF.

Keine Fischerei mehr in den Gewässern vor Borkum, im Wattenmeer um die Blaue Jade vor Wangerooge sowie in Teilen des Jadebusens: Diese und andere Gebiete im Nationalpark Wattenmeer hat die Landesregierung Niedersachsen als zukünftige Schutzgebiete ausgewählt. Damit folgt sie Vorgaben der EU, die insgesamt 10 Prozent der Meeresgebiete in der EU unter Schutz stellen will.

Am Dienstag soll dazu ein Fischereidialog stattfinden. Zu diesem sind Ver­tre­te­r*in­nen der Krabben- und Miesmuschelfischerei sowie der Umweltschutzverbände eingeladen, um mit der Landesregierung über die Ausgestaltung der Schutzgebiete zu diskutieren.

Nach Angaben der Landesregierung ist ihr Vorschlag ein ausgewogener Kompromiss zwischen Naturschutzanforderungen und dem Ziel, die Existenz von Fischereibetrieben und Häfen in Niedersachsen abzusichern.

Doch laut Umweltschutzverband WWF reichen die geplanten Schutzgebiete nicht aus. „Der Boden der Nordsee ist in schlechtem Zustand und auch die Fischbestände sind rückläufig“, sagt Catherine Zucco, Meeresschutzexpertin beim WWF. Damit sich das Wattenmeer ausreichend erholen könne, brauche es größere Schutzgebiete. Gerade jene Gebiete, die ständig mit Wasser bedeckt seien, dienten Fischen und Meerestieren als Rückzugsraum bei Ebbe und seien deshalb besonders wichtig. Doch in diesen Gebieten seien kaum Schutzzonen eingeplant.

WWF will Hälfte des Nationalparks nutzungsfrei

Der WWF fordert deshalb, mindestens 50 Prozent des Wattenmeers von der Fischerei auszunehmen. Dazu hat er einen eigenen Vorschlag ausgearbeitet, in welchen Gebieten zukünftig nicht gefischt werden darf. Der Verband verweist auch auf das Bundesnaturschutzgesetz. Dort ist festgelegt, dass etwa die Hälfte eines Nationalparks nutzungsfrei sein sollte.

Kritik kommt auch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). „Der Nationalpark Wattenmeer besteht nur auf dem Papier“, sagt ihr Bundesgeschäftsführer, Sascha Müller-Kraenner. Er kritisiert, dass der Nationalpark bislang intensiv wirtschaftlich genutzt wird. Er sei aber eingerichtet worden, um der Natur genügend Zeit zu geben, sich zu erholen.

Besonders schädlich für die Artenvielfalt im Wattenmeer ist laut Umweltverbänden die Fischerei mit Grundschleppnetzen, die bei der Krabbenfischerei zum Einsatz kommt. Dabei werden Netze auf einem System aus Kufen und Rollen knapp über dem Meeresboden gezogen.

Schleppnetze schädigen Seegraswiesen

„Grundschleppnetze stören empfindliche Tiere und Lebensgemeinschaften“, sagt Zucco. Durch die Aufwirbelung des Meeresbodens würde verhindert, dass sich etwa Sandkorallen und andere Meerestiere ansiedeln würden.

Auch Sascha Müller-Kraenner von der DUH kritisiert die Fischerei mit Grundschleppnetzen im Nationalpark. Er verweist auf die Schäden an Seegraswiesen. „Sie sind einer der artenreichsten Lebensräume im Meer. Die werden einfach herausgerissen und die Regeneration dauert lange.“

Wenn es große Ruhezonen gibt, erholt sich die Natur gut, und davon profitiert auch die Fischerei

Catherine Zucco, WWF

Gerold Conradi vom Verband der kleinen Hochsee- und Küstenfischerei weist diesen Vorwurf zurück. „Wir pflügen nicht den Meeresboden um“, sagt der Berufsfischer der taz und verweist auf die Abstände der Netze vom Meeresboden. Sollten 50 Prozent des Wattenmeers von der Fischerei ausgenommen werden, wie der WWF es fordert, „könne man die Küstenfischerei ad acta legen“, so Conradi weiter.

Deutsche Umwelthilfe droht mit Klage

In bodenschonenden Fangmethoden mit Reusen, wie sie etwa die Umwelthilfe fordert, sieht Conradi keine Lösung. Diese seien nicht wirtschaftlich.

Die Umwelthilfe fordert die Landesregierung in ihrer Pressemitteilung zum Fischereidialog auf, den Artenschutz im Nationalpark ausreichend zu beachten. Sie droht mit einer Klage und verweist dabei auch auf den ergebnislosen Fischereidialog in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr.

Catherine Zucco vom WWF glaubt, auch weitreichende Schutzzonen im Wattenmeer ließen sich mit den Interessen der Fischerei verbinden: „Wenn es große Ruhezonen gibt, erholt sich die Natur gut und davon profitiert auch die Fischerei.“ Dennoch würden einzelne Fischer ihre Fanggebiete verlieren. Hierfür müssten Lösungen und Unterstützungsmöglichkeiten gefunden werden.

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