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Aale-Dieter, bürgerlich Dieter Bruhn, in seinem Verkaufswagen auf dem Fischmarkt in Hamburg Foto: Breuel-Bild/imago

Ein Fisch stirbt ausHeute gibts Aal. Noch.

Der Aal ist vom Aussterben bedroht. Wieso landet er in vielen Ländern immer noch auf dem Teller? Von Fischern, Farmern und Fangverbotsfans.

Celine Weimar-Dittmar

Aus Hamburg und Cordemais und Nienburg

Celine Weimar-Dittmar

K innas, er ist da, euer Junge! Der Junge mit der goldenen Zunge, der Hamburger Jung. Ob Lachs, ob Aal – beim Dieter nur das oberste Regal. Spitzkopf-Blankaal. Spitzenklasse“, ruft ein älterer Herr mit weißen Haaren unter der blauen Fischermütze über den Kai. Auf seinem blau-weiß gestreiften Hemd ist sein Name aufgestickt: Aale-Dieter. Oder, wie er mit bürgerlichem Namen heißt: Dieter Bruhn.

Seit 66 Jahren steht er jeden Sonntag hier auf dem Hamburger Fischmarkt und verkauft Räucheraal und Räucherlachs. Er greift hinter die Theke, reicht Kostproben in die Menge und motzt scherzhaft eine Touristin an: „Willst dich hier durchfressen, oder was? Sieh mal zu, dass du dir was kaufst.“

Von Aal bis Zett

Der Lauf eines Aallebens

Der Europäische Aal wird in der Sargassosee etwa 6.000 Kilometer von der europäischen Küste entfernt geboren und treibt als Larve ein bis drei Jahre mit der Meeresströmung Richtung Europa. In Küstennähe wird er zum durchsichtigen Glasaal und wandert ins Süßwasser, wo er zum Gelbaal wird. Dort lebt er 15 bis 30 Jahre an einem Ort. Irgendwann macht er sich auf den langen Rückweg, um sich fortzupflanzen und dort zu sterben.

Auf dieser Reise wird er zum Blankaal: Er frisst nicht mehr, sein Verdauungstrakt bildet sich zurück und erst unterwegs entstehen seine Geschlechtsorgane. Bis heute weiß man nicht genau, wie sich der Aal fortpflanzt. Deshalb kann er nicht künstlich gezüchtet werden, was den drastischen Rückgang der Bestände besonders gravierend macht. Seit den 1970er-Jahren sind sie um über 98 Prozent eingebrochen.

Die größten Gefahren

Eine der größten Bedrohungen sind Wasserkraftwerke und Staudämme: Jeder fünfte Aal überlebt die Passage durch die Turbinen nicht. Gleichzeitig verschwinden seine natürlichen Lebensräume – weniger als zehn Prozent der Flüsse in Europa gelten noch als intakt. Dazu kommen Schadstoffe und Parasiten, die der Art zu schaffen machen. Schließlich erschwert die Klimakrise zusätzlich die lange Wanderung der Larven nach Europa, weil steigende Wassertemperaturen und sich verändernde Meeresströmungen dem Aal die Orientierung erschweren.

Der Aal als Delikatesse

Trotzdem wird der Aal in Europa weiterhin gefischt und verkauft, weil er wirtschaftlich relevant für die Binnen- und Küstenfischerei ist. Allein in Norddeutschland macht er bis zu 50 Prozent der Erlöse in der Binnen- und Küstenfischerei aus. Hinzu kommt der illegale Handel mit Glasaalen nach Asien: Jährlich werden bis zu 100 Tonnen geschmuggelt, der Schwarzmarkt bringt Milliardenumsätze.

Um die 20 Euro kostet ein Aal bei Bruhn. „Der Aal ist ja heute so teuer geworden. Das kann sich nicht jeder leisten. Und früher waren die Aale natürlich noch zahlreicher. Da waren sie natürlich auch billiger“, erzählt der 87-Jährige Bruhn. Früher gab es so viele Aale in Europa, dass sie sogar zum Düngen genutzt wurden. Bauern schöpften sie einfach mit der Schaufel aus dem Wasser und verfütterten sie an ihre Hühner oder warfen sie als billige Stickstoffquelle auf die Felder.

Heute sieht das anders aus. Seit den 1970er Jahren sind die Bestände des europäischen Aals um über 98 Prozent eingebrochen. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft ihn seit 2008 auf ihrer Roten Liste als „kritisch gefährdet“ ein. Danach kommt nur noch die Kategorie „ausgestorben in der Wildnis“. Trotzdem landen in Europa jährlich noch rund 7.000 Tonnen Aal auf dem Teller. Wie kann das sein? Die Suche nach Antworten führt zunächst 1.300 Kilometer weit nach Süden, an die französische Atlantikküste.

Die Verwandlung des Aals

Cordemais, rund 35 Kilometer von Nantes, kurz bevor die Loire in den Atlantik mündet. Der Mond ist fast voll, die Nacht ist klar. Alles ist still, bis auf den Motor eines kleinen blauen Boots, das brummend durch die Nacht tuckert. Emmanuel Faucheux – rundes Gesicht, Ende 40, rote Fleecejacke, Stirnlampe auf den Kopf geschnallt – steht am Steuer in der Kapitänskabine. Von der Decke hängt ein altes Kabeltelefon. Alle paar Minuten schaltet sich ein Walkie-Talkie ein, das die Strömung, Gezeiten und Wasserstände der Region durchgibt.

Moderater Fischfang: Emmanuel Faucheux hält sich an die Fangquoten. Das tun nicht alle Foto: Céline Weimar-Dittmar

0.44 Uhr. Die Strömung kommt jetzt vom Meer Richtung Loire. Zeit, die Netze reinzuziehen. Faucheux hält das Boot an und steigt auf den Bug, um das erste Netz nach oben zu ziehen. „Die Bedingungen sind heute gut. Kaum Wind, kein Regen, nicht zu kalt“, erklärt der Fischer und drückt mit seinem ganzen Körpergewicht gegen eine lange Metallstange, bis sich das Netz am anderen Ende aus dem Fluss hebt, das kalte Wasser tropft auf seine gelbe Fischerhose.

Es ist die dritte Nacht in Folge, in der der Fischer auf der Loire unterwegs ist. Die letzten zwei Nächte ging er leer aus. Das Scheinwerferlicht seiner Stirnlampe leuchtet ins Netz: Um die Hundert glitschige, kleine Tiere winden sich darin. Sie sehen aus wie durchsichtige Regenwürmer. Beim genauen Hinschauen sind zwei kleine schwarze Punkte zu erkennen – ihre Augen. Ansonsten ist der Körper komplett durchsichtig bis milchig. So sind sie zu ihrem Namen gekommen: Glasaale.

Jedes Jahr kommen an der französischen Küste Millionen von ihnen an, um von hier in die Flüsse und Seen Europas zu wandern und dort die nächsten 15 bis 30 Jahre zu verweilen. Sie verwandeln sich vom Glasaal in den sogenannten Gelbaal – vom Salzwasserfisch zum Süßwasserfisch.

Die Suche nach den Hoden

Doch noch bevor die Glasaale in Europa landen, müssen sie eine weite Reise machen. Ein bis drei Jahre lang treibt der Fisch als millimetergroße Larve rund 6.000 Kilometer mit der Meeresströmung von der Sargassosee bis an die europäische Küste, wo er dann als Glasaal erscheint. Jeder Aal, ob er später auf dem Teller landet oder nicht, hat diesen Weg hinter sich.

Doch schon auf der Reise geraten die Tiere zunehmend unter Stress. Forschende vermuten, dass veränderte Meeresströmungen und steigende Wassertemperaturen ihre Wanderung erschweren.

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Züchten lassen die Tiere sich nicht, bis heute ist es ein Geheimnis, wie der Aal sich fortpflanzt. Niemand hat ihn je bei der Paarung beobachtet. Wis­sen­schaft­le­r:in­nen haben es zwar geschafft, Aallarven schlüpfen zu lassen – allerdings überlebten die gerade mal 23 Tage.

Dabei beschäftigen der Aal und seine Fortpflanzung die Menschheit seit mehr als 2.000 Jahren. Schon Aristoteles hat versucht, das Rätsel zu lösen – vergeblich. Der spätere Mastermind der Psychoanalyse, Sigmund Freud, beschäftigte sich mit 19 Jahren zunächst als Sexualforscher auf dem Gebiet der Aale. Er verbrachte Wochen damit, männliche Aale aufzuschneiden und ihre Hoden zu suchen – ohne Erfolg.

Durchsichtiges Manöver: Glasaale aalen sich durch Europas Flüsse und werden zu Süßwasserfischen Foto: blickwinkel/imago

Extrem eingeschränkt

Genau das sei es, was ihn an dem Fisch so reizt, sagt Faucheux, während er das Netz über einem Sieb ausschüttelt und die Glasaale durch die Löcher in einen Salzwasserbehälter verschwinden. „Wir suchen den Fisch so gerne, weil er so geheimnisvoll ist.“ Bis vor zwei Jahren war Faucheux Mechatroniker, dann übernahm er die Fischerei seines Vaters. Keinen Tag vermisse er seinen alten Beruf. Hier alleine draußen auf dem Wasser mit den Glasaalen, egal bei welchem Wetter, das sei alles, was er brauche.

Deshalb ist der Franzose auch ein Befürworter der Fangquoten und Beschränkungen der Lizenzen, die 2007 von der EU eingeführt wurden. Faucheux ist einer von 22 Fischern, die hier auf der Loire im Winter Glasaale fangen dürfen. Etwas mehr als 500 Fischer sind für die Glasaalfischerei in Frankreich insgesamt lizenziert – die meisten von ihnen in der Loire-Region und der Bretagne. Aber genauso wie die Anzahl der Fischer, ist auch die Menge, die sie fischen dürfen, beschränkt. Dieses Jahr sind es für die Loire-Fischer rund 120 Kilo pro Person.

100 Kilo hat Emmanuel Faucheux schon gefischt. Normalerweise geht die Saison von Dezember bis Ende Februar oder Anfang März. Doch dieses Jahr hat sich die Saison um einen Monat nach hinten verschoben: Der Dezember war so stürmisch, dass die Ufer der Loire überliefen, ganze Wälder standen unter Wasser. Für die Fischer war es wochenlang zu gefährlich, rauszufahren. Extreme, die in der Klimakrise immer häufiger vorkommen und Fischern wie Faucheux, sowie dem Aal auf seiner Wanderung das Leben erschweren.

Wir suchen den Fisch so gerne, weil er so geheimnisvoll ist

Emmanuel Faucheux, Aalfan und Fischer

„180 Euro kriege ich für ein Kilo“, berichtet Faucheux und steuert sein Boot weiter die Loire herunter. Für ihn als Traditionsfischer sei das in Ordnung, aber nicht annähernd so viel, wie wenn er seinen Fang nach Asien verkaufen würde. Japan und China decken ihren Aalkonsum längst nicht mehr nur aus eigenen Beständen. Zwar ist der Export seit 2010 verboten. Doch das hält illegale Händler nicht ab. In Asien wird das Kilo Glasaale für rund 5.000 Euro gehandelt.

Lukrativer Wildtierschmuggel

Jährlich werden laut Europol bis zu 100 Tonnen Glasaale aus Europa herausgeschmuggelt – lebend, in Plastiktüten mit Wasser und versteckt in Koffern oder in Kisten, die als „Meeresfrüchte“ deklariert sind. In Spitzenjahren generierte dieser Schwarzmarkt bis zu drei Milliarden Euro. Der Handel mit ihnen gilt als eines der lukrativsten Wildtierverbrechen Europas.

Faucheux holt das nächste Netz rein. Zwischendurch wärmt er sich die kalten Hände an einem kleinen Heizstrahler in der Kapitänskabine. Er fährt ein Stück weiter und stellt einen Timer auf seinem Handy. Alle zehn Minuten hält er wieder an, holt die Netze rein, leert sie aus, lässt sie wieder ins Wasser gleiten.

Um kurz vor vier Uhr morgens schaut er ein letztes Mal auf die Strömung, die im Mondschein durch die kleinen Wasserkringel im Fluss zu erkennen ist. Sie hat sich wieder verändert. „Da kommt uns heute nichts mehr in die Netze“, erklärt Faucheux und steuert das Boot zurück Richtung Ufer, wo er die Ausbeute der Nacht vorsichtig mit einem Handbesen in einen Transportbehälter fegt.

Fünf Kilo zeigt die Waage später an. Rund 15.000 Glasaale, die Faucheux jetzt für den Transport vorbereitet. Einige von ihnen kommen bald als Delikatesse in Spanien oder Frankreich auf den Teller, während andere einige Wochen später auf einem Hof in Niedersachsen ankommen werden.

Letzte Reise zum Sortierband

Auf den ersten Blick sieht der Hof von Jan Götting und seiner Familie aus wie ein ganz normaler Bauernhof: Rote Backsteingebäude, es riecht nach Gülle. Seit dem 17. Jahrhundert betreibt die Familie hier Landwirtschaft. Nur die Art der Tiere, mit denen sie wirtschaftet, hat sich Mitte der 1980er Jahre verändert.

Jan Götting in seiner Aalfarm in Niedersachsen Foto: Céline Weimar-Dittmar

Jan Götting öffnet die Tür zu einem stallähnlichen Gebäude. Drinnen riecht es nach Fischfutter, Pumpen surren und Wasser plätschert laut. Götting führt durch die große Halle. Wo früher Vieh war, stehen jetzt um die 40 weiße Plastikbecken. Der 41-Jährige zeigt auf eins der kleineren Becken: „Die sind gerade vor zwei Wochen frisch aus Frankreich angekommen“. Tausende Glasaale schwimmen darin.

Sie sind schon einige Zentimeter größer als die in der Loire und leicht pigmentiert. Mit zunehmender Größe kommen die Tiere hier auf der Aalfarm in immer größere Becken und verwandeln sich vom Glasaal in den Gelbaal. In der Natur reisen sie dafür durch verschiedene Ökosysteme, Hunderte Kilometer flussaufwärts, bis sie sich nach 15 bis 20 Jahren auf ihre letzte Reise zurück in die Sargassosee machen.

Auf dem Hof von Jan Götting in Niedersachsen endet ihre Reise auf dem Sortierband: Alle paar Sekunden schießt ein Wasserstrahl einen Aal durch durchsichtige Plastikrohre – quer durch die Halle, über die Decke – bis aufs Sortierband, wo zwei Mitarbeiter die zappelnden Fische nach Größe sortieren. Ein Airlift für Aale, erklärt Götting. Von hier aus werden sie teils lebend, teils geschlachtet weitertransportiert, in Restaurants, in die Räucherkammer oder auf den Hamburger Fischmarkt.

Ein paar von ihnen aber setzt Götting nach nur einigen Wochen in heimischen Gewässern wieder aus. Mindestens 60 Prozent der Glasaale, die in Europa gefischt werden, müssen an anderer Stelle wieder ausgesetzt werden, sonst würde es kaum noch einen Aal in deutschen Gewässern geben, denn auf natürlichem Weg schaffen sie es kaum noch hierher. Zu viele Barrieren verbauen den Wanderfischen den Weg.

Carsten Brauer kennt das Problem aus nächster Nähe. In seinem Schuppen in Nienburg fischt der Weserfischer ein paar lange, dunkle, zappelnde Aale aus einem Becken, nimmt einen in die Hand. An den Seiten hat das Tier mehrere blutige Schnittwunden. Er schmeißt ihn in ein separates Becken. Daneben eine Kiste mit reglosen Tieren, die es nicht mehr geschafft haben.

Taxi zur Nordsee: Weserfischer Carsten Brauer befördert die Aale sicher ins Meer Foto: Céline Weimar-Dittmar

Von 200 Kilogramm Fang sind 30 verletzt oder tot. Brauer ist Fischer in dritter Generation und seit rund 10 Jahren Teil des „Aal-Taxis“. Dafür fischt er im Winter Aale aus der Weser, um sie kurz vor der Nordsee wieder auszusetzen. Das Taxi transportiert sie vorbei an Barrieren, die sie sonst vielleicht nicht überleben würden. Den Grund dafür zeigt er wenige Kilometer weiter.

Ein komplettes Verbot von Fischerei und Angelei halte ich für total kontraproduktiv. Dann bricht das ganze System zusammen

Carsten Brauer, Weserfischer

Am Wehr liegen Brauers Boote still im Wasser, der Wasserstand ist heute zu hoch zum Rausfahren. Er rückt seine Fischermütze zurecht, zündet sich eine Zigarette an und zeigt auf die andere Seite. Wasser donnert durch riesige Schaufelräder: ein Wasserkraftwerk – für die Aale lebensgefährlich.

Neue Aufzüge müssten her

Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei zeigen: Jeder fünfte Fisch stirbt bei der Passage oder wird schwer verletzt. Für den Aal ist die Gefahr besonders groß: Da er so lang ist, wird er deutlich häufiger von den rotierenden Turbinenschaufeln getroffen als kleinere Fische. Acht Wasserkraftwerke gibt es allein in der Weser. Kein Fluss in Europa ist frei davon.

In den Kraftwerken gibt es zwar Fischtreppen: Das sind künstliche Becken, durch die die Fische an den Turbinen vorbeischwimmen sollen. Aber viele Systeme sind veraltet und funktionieren nicht. Liegt der Eingang zu weit von der Turbine entfernt, finden die Fische ihn schlicht nicht und schwimmen trotzdem ins Schaufelrad.

Die Kraftwerke müssten nachgerüstet werden. Etwa, indem langsamer drehende, sogenannte Wasserkraftschnecken installiert werden, die für die Fische wie ein schonender Aufzug funktionieren und sie in wassergefüllten Kammern sicher am Wehr vorbeischleusen. Oder durch ein intelligentes Warnsystem, das Aale auf ihrem Weg erkennt und die Turbinenschaufeln so weit öffnet, dass – laut Modellierungen – bis zu 97 Prozent der Tiere unbeschadet hindurchkommen.

Ein Europäischer Aal Foto: Rolf von Riedmatten/imagebroker/imago

Doch bisher ist das die Ausnahme, auch wenn es dafür Fördergelder gibt. „Das sind große Bauwerke“, sagt Brauer. „Da reden wir über Jahrzehnte, bis die alle umgerüstet sind.“ Solange braucht es seiner Meinung nach Fischer wie ihn – Leute, die den Bestand aktiv managen. „Ein komplettes Verbot der Fischerei und auch der Angelei halte ich für total kontraproduktiv.“ Ohne Fischer wie ihn, meint Brauer, würde sich kaum jemand um den Aal kümmern. Die Besatzmaßnahmen werden zudem von den Fischern mitfinanziert. „Wenn man die Fischerei verbietet, bricht das ganze System zusammen.“

Komplettes Fangverbot?

Umweltverbände und Forschungsinstitute sehen das anders. Wis­sen­schaft­le­r*in­nen des Internationalen Rats für Meeresforschung empfehlen neben der Wiederherstellung natürlicher Lebensräume und Wanderwege seit Jahren einen kompletten Fangstopp – vom Glasaalfang bis zur Aquakultur. Auf der Weltartenschutzkonferenz Ende 2025 brachte die EU einen Vorschlag ein, alle Aal-Arten weltweit unter strengere Handelskontrollen zu stellen.

Der Vorschlag scheiterte allerdings am Widerstand von Nationen wie Japan und China. Und so landet der Aal bis auf Weiteres nicht auf der Liste der streng geschützten Arten, sondern noch immer auf dem Teller.

In Hamburg steht die Sonne jetzt hoch am Himmel, der Markt leert sich. Aale-Dieter ruft ein letztes Mal über den Kai: „So, der letzte Aal, letzte Aal.“ Er wedelt mit einem eingeschweißten Räucheraal durch die Luft und verkündet: „Der Aal wird nie aussterben. Der hat schon immer gelebt und wird uns alle überleben.“

Eine Frau bleibt stehen und kauft den letzten Aal. Dieter packt den Fisch in eine Papiertüte und klatscht in die Hände: „So Kinnas, Ende im Gelände.“

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2 Kommentare

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  • Lokoregionär weiß man sich schon länger zu behelfen:



    "Staudämme und Schleusen versperrten den wandernden Aalen den Weg und erschwerten deren Fortpflanzung, teilte der Anglerverband mit. Seit den 1980er Jahren sei das Glasaal-Aufkommen an den europäischen Küsten um mehr als 95 Prozent gesunken. Laut Steinhuder Meer Tourismus GmbH setzt man daher seit Jahrzehnten auf den sogenannten Glasaal-Besatz, um den Bestand an Aalen zu erhalten."



    hannover.t-online....tzt-der-grund.html



    Daher im letzten Jahr:



    "150.000 Baby-Aale im Steinhuder Meer ausgesetzt"

  • Vielen Dank für einen interessanten Artikel. Ich habe viel über Aale gelernt.