Festivalkoordinatorin über Jazz: „Ich wollte Musikerinnen präsentieren“
Studienfach ist Jazz in Osnabrück schon lange. Jetzt feiert ihn erstmals ein Jazzfestival: Kuratiert hat es die Klarinettistin Shabnam Parvaresh.
taz: Frau Parvaresh, Sie gehören zu dem Team, das sich traut, an diesem Wochenende das erste Jazzfestival Osnabrück zu veranstalten. Welcher Teufel hat Sie denn da geritten?
Shabnam Parvaresh: Ich habe in Osnabrück Jazz studiert, aber obwohl wir hier an der Hochschule eine der größten Jazzabteilungen Deutschlands haben, gibt es keine Jazzszene in der Stadt. Die Studentinnen und Studenten, die hier Jazz studieren, gehen darum nach ihrem Studium alle weg. Und um den Jazz in der Stadt ein wenig präsenter zu machen, habe ich hier Jazz-Enthusiasten gefunden und mit ihnen zusammen den Verein Jazz49 gegründet. Das Festival ist nun unsere erste Initiative.
taz: Was bedeutet der Name?
Parvaresh: Die 49 ist einfach die Postleitzahl von Osnabrück.
taz: Es könnte aber ja auch das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder sein. Denn das Problem bei Jazz ist doch, dass er vor allem von alten, weißen Männern gehört wird.
Parvaresh: Das stimmt. Ich bin ja selber Musikerin und spiele meistens vor diesem Publikum.
Shabnam Parvaresh
ist Klarinettistin, bildende Künstlerin und Kuratorin. Sie studierte bildende Kunst in Teheran und begann parallel ihre musikalische Laufbahn als Klarinettistin beim Teheraner Sinfonieorchester. 2014 zog sie aufgrund der repressiven politischen Situation nach Deutschland, um an der Hochschule für Musik in Osnabrück Jazzklarinette zu studieren.
taz: Wenn Jazz gerade in erfolgreichen Filmen wie „La La Land“, „Whiplash“ oder dem Pixar-Animationsfilm „Soul“ eine wichtige Rolle spielt, ist er für eine kurze Zeit wieder hip. Doch das scheint nicht nachhaltig zu sein.
Parvaresh: Aber ich sehe auch das Potenzial, dass man das mit gutem Marketing ändern kann. Man muss das Programm vielleicht ein wenig attraktiver machen, sodass der Jazz für junge Menschen wieder cool und nicht so altmodisch wirkt.
Jazz49, Jazzfestival Osnabrück, 13.–15.3., Blue Note, Erich-Maria-Remarque-Ring 16, Osnabrück
taz: Ist Ihre Aufgabe also, Jazz möglichst gut zu verkaufen?
Parvaresh: Ich würde nicht sagen, dass wir Jazz „verkaufen“ wollen. Unser Ziel ist eher, mehr Menschen für Jazz zu interessieren und ihnen zu zeigen, wie lebendig, vielfältig und spannend diese Musik sein kann. Wir möchten neugierig machen – besonders auch Menschen erreichen, die vielleicht noch nie ein Jazzkonzert besucht haben.
taz: Die Verpackung ist also wichtig?
Parvaresh: Ja, wenn das Design gut ist, werden auch junge Menschen aufmerksam. Denn ein Design kann sofort eine positive Wirkung haben und sogar unsere Stimmung verbessern.
taz: Spielt es nicht auch eine wichtige Rolle, wer bei dem Festival auftritt?
Parvaresh: Das stimmt! Als Kuratorin habe ich versucht, an diesen drei Tagen möglichst vielen Facetten zu präsentieren. Es geht dabei um eine Balance zwischen den Auftritten von international berühmten Jazzgrößen wie Aaron Parks sowie Jakob Bro und jungem, deutschem Jazz. Und ich wollte Musikerinnen präsentieren. Und so habe ich die mongolische Sängerin Enji und die vier Frauen der Gruppe Hilde eingeladen, die gerade für den deutschen Jazzpreis nominiert wurde.
taz: Was ist für Sie das Besondere an Jazzkonzerten?
Parvaresh: Das Besondere an Jazzkonzerten ist für mich das gemeinsame Spielen und die Improvisation. Die Musiker hören einander zu, reagieren spontan aufeinander und diese lebendige Kommunikation auf der Bühne macht Jazz so spannend. In vielen anderen Musikrichtungen, zum Beispiel im Pop, passiert so etwas viel seltener, weil die Stücke meist stärker festgelegt sind und weniger Raum für spontane musikalische Dialoge lassen.
taz: Wenn beim Jazz dagegen jemand heute genauso klingt wie gestern, hat er etwas falsch gemacht.
Parvaresh: Genau! Die Musik kommt aus dem Moment. Das klingt nicht immer schön, sondern kann manchmal auch weh tun. Aber jeder Moment ist anders und lässt sich nicht wiederholen.
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