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Faesers Versprechen an ErdbebenopferLuftbrücke statt Visa

Kommentar von

Kristin Helberg

Den Erdbeben-Opfern vor allem in Syrien nutzen die versprochenen Visa-Erleichterungen nichts. Sie müssen unbürokratisch ausgeflogen werden.

E s klingt nach einem großzügigen Angebot: Deutsche mit türkischen oder syrischen Wurzeln sollen ihre vom Erdbeben betroffenen Angehörigen vorübergehend bei sich aufnehmen können. Außen- und Innenministerium arbeiten zusammen, eine Taskforce ist eingerichtet. Doch die bürokratischen Hürden sind trotz „Vereinfachungen“ hoch – und für Syrerinnen und Syrer unüberwindbar.

Es gilt: Wer kommen will, muss sich ausweisen. Glück für jene, die ihren Pass im Schlafanzug mit sich herumtragen oder deren Haus noch steht (aber wollen wir nicht den Ob­dachlosen helfen?). Türkische Menschen brauchen Eltern, Geschwister oder Kinder in Deutschland, die genug Geld verdienen, um sie drei Monate auszuhalten; für die abzugebende Verpflichtungserklärung müssen diese ihr Einkommen oder Vermögen offenlegen. Vor Ort müssen die türkischen Betroffenen ihren Wohnsitz im Erdbebengebiet, eine Krankenversicherung und die Verwandtschaft nachweisen und dann zu einem Antragsaufnahmezentrum gehen – biometrisches Foto nicht vergessen! Syrische Erd­bebenopfer haben Pech, denn sie müssen zu einer deutschen Auslandsvertretung, und aus Nordsyrien führt leider kein Weg nach Beirut, Amman oder Istanbul.

Für mehrfach vertriebene, vom Krieg ausgezehrte und jetzt in einem leeren Zelt sitzende Menschen in Idlib und Afrin braucht es deshalb eine Luftbrücke nach Europa, die zwei Türen öffnet: eine für Angehörige, eine für besonders Schutzbedürftige. Wer in der EU Familie hat, kommt auf eine Liste und wird über die Türkei zu ihr ausgeflogen. Schwerverletzte sowie Frauen und Kinder, die auf sich alleine gestellt und ohne Bleibe sind, könnten vom UNHCR über ein humanitäres Kontingent in aufnahmewillige Staaten weltweit vermittelt werden.

Gegenüber den Geflüchteten aus der Ukraine ging es schnell und unbürokratisch. Jetzt müssen die Eu­ropäer ­beweisen, dass ihre Solidarität mit Menschen in akuter Not nicht von­ ­deren Hautfarbe und Religion abhängt, sondern bis nach Nordsyrien reicht.

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4 Kommentare

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  • Wenn man sich die Informationen auf der Webseite des "Auswärtiges Amt" ansieht, sind die vorzulegenden Dokumente noch viel umfangreicher ... mir erscheinen die Anforderungen sehr komplex.

    Außerdem, die genaue Stelle habe ich soeben aber nicht mehr gefunden, müssen die Visa-Antragsteller "nachweisen", dass sie nach spätestens 90 Tagen wieder ausreisen. Womit soll das nachgewiesen werden?

    Was ich aber noch nirgendwo gelesen habe, ist die Überlegung, dass wir damit die hier lebenden Mitbürger unter Druck setzen bzw. sie familiär unter Druck gesetzt werden, ihre Verwandten aufzunehmen, auch wenn sie das aus nachvollziehbaren Gründen (beispielsweise Homosexuelle, Transmenschen oder alleinerziehende Frauen mit extrem religiösen Verwandten im Herkunftsland) nicht können, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.

    • @*Sabine*:

      Vor allen Dingen, wo sollen sie nach den 3 Monaten hin?



      Werden sie dann abgeschoben?

  • Das ist ein sehr wahrer Kommentar! Jeder, der schon einmal im Terminbuchungssystem der Botschaften von Beirut oder Istanbul für wenigstens ein Dreivierteljahr verschluckt wurde, weiß, dass Rechte oftmals nur auf dem Papier bestehen und gar kein ernsthaftes Interesse an einer Bearbeitung der Fälle existiert. Dies gilt allerdings für fast alle westlichen Staaten, Kanada und die Schweiz eingeschlossen. So kann man sich in der Presse öffentlich der eigenen humanitären Wohltaten rühmen, riskiert aber nicht, dass tatsächlich mehr als eine symbolische Zahl von Menschen ins eigene Land kommt. Diese Heuchelei muss enden. Das geht nur über die Presse.

    • @hedele:

      Sehr geehrte HEDELE,



      so wird bei uns in sehr vielen Politikfeldern - besonders in der Sozialpolitik - verfahren.....