Extremhitze im Südwesten: Wenn Eiswürfelchen nicht reichen
Im Südwesten herrscht seit Tagen Extremhitze. Vorbereitet sind die Kommunen darauf nicht. Eine Pflegeeinrichtung hilft sich jetzt selbst.
Foto: Rene Traut/picture alliance
Dieses Jahr hat es nicht mehr gereicht: morgens lüften, die Rollos runter, dann Tee kaltstellen. Den gibt es dann mittags mit Zitronenscheiben oder Eiswürfelchen für die Bewohner:innen. So sah bisher der aktuelle Hitzeschutz in der Pflegegruppe für Senior:innen im rheinland-pfälzischen Neuburg am Rhein aus. Jetzt mussten größere Maßnahmen folgen. Die Leiterin Arnika Eck erzählt, dass sie eine mobile Klimaanlage angeschafft habe, „denn dieses Jahr sind die Temperaturen sehr extrem“.
In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland herrscht aktuell Extremhitze. Von dieser spricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) bei einer gefühlten Temperatur von über 38 Grad. Am Freitag drohen Temperaturen von über 40 Grad. Im deutschlandweiten Vergleich ist der Südwesten aktuell besonders stark betroffen. In den Flusstälern von Rhein, Mosel und Nahe und dem Oberrheingraben sind die Temperaturen besonders spürbar. Städte wie Mainz, Worms, Kaiserslautern und Ludwigshafen sind zudem durch einen extrem hohen Versiegelungsgrad zusätzlich gefährdet. Ludwigshafen gilt als eine der am stärksten versiegelten Städte Deutschlands.
Zwar sei „der Hitzeschutz in Deutschland besser als vor zwei bis drei Jahren“, sagt Martin Herrmann, Arzt und Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug), der taz. „Für Extremhitze sind wir jedoch nicht vorbereitet. Das muss sich kurzfristig insbesondere in Landkreisen und Städten ändern.“
Kommunen unterschätzen die Folgen von Hitze
„Zwar gibt es erste Schutzmaßnahmen, doch sie sind nicht flächendeckend und verbindlich genug. Das kostet vielen Menschen das Leben“, so Herrmann in einer Stellungnahme der Klug. In einem extremen Hitzeszenario, in dem etwa im Rheintal über 14 Tage Temperaturen von bis zu 44 Grad herrschen, wären laut Klug Rettungsdienste überlastet, Notaufnahmen überfüllt, man müsste Pflegeheime evakuieren. Zehntausende Todesfälle innerhalb weniger Tage wären möglich. Wer Deutschland krisenresilient machen wolle, müsse Hitze und andere Extremwetterlagen systematisch mitdenken. Die Folgen der Wetterextreme würden unterschätzt, so die Klug.
Rheinland-Pfalz hat 2024 einen Hitzeaktionsplan veröffentlicht, um den Hitzeschutz in den Kommunen besser zu koordinieren und vulnerable Gruppe zu schützen. Auf Anfrage der taz konnte jedoch die Kreisverwaltung Germersheim, in dem das Pflegeheim von Arnika Eck liegt, nichts zu geplanten Maßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans sagen.
Insbesondere ältere Menschen sind gefährdet. Sie haben weniger Durst und trinken zu wenig. Für ihre selbst beschaffte Klimaanlage rechnet Arnika Eck mit bis zu 2.000 Euro. Zuschüsse vom Land hat sie bisher keine dafür bekommen, es musste schnell gehen, also haben sie es erst mal aus der Kasse der Wohngruppe bezahlt. Für mehr Hitzeresilienz müssen Bund und Länder umfangreich Investitionsmittel bereitstellen, fordert Herrmann. Zudem sei „Einsamkeit der wichtigste Risikofaktor bei Hitze. Deswegen müssen wir in Hitzeperioden aktiv auf einsame Menschen zugehen“.
In der Wohngruppe überlegt Arnika Eck, einen zusätzlichen Baum im Garten zu pflanzen, der würde dann zusätzlichen Schatten spenden. Bis der jedoch groß genug ist, wird es aber dauern. Allerdings wird es wohl auch in den zukünftigen Sommern extreme Hitze geben. Der DWD geht davon aus, dass je nach Szenario bis zum Jahr 2100 eine Zunahme um bis zu 31 Hitzetagen in Rheinland-Pfalz möglich ist.
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