+++ Nachrichten von der Hitzewelle +++: Heißeste Nacht in Frankreich, bald 41 Grad in Deutschland
Hitzewelle drückt über Westeuropa. Tropische Nächte in Deutschland. Frankreich drosselt AKW, weil Kühlwasser fehlt. Autobahn GmbH rät: Tempolimit beachten.
Atomkraftwerk in Frankreich wegen Hitzewelle gedrosselt
dpa | Die Hitzewelle in Frankreich mit Temperaturen bis zu 43 Grad bremst voraussichtlich einige der Atomkraftwerke des Landes aus. Angesichts der extremen Temperaturen fuhr der staatliche Stromkonzern EDF das Kernkraftwerk Golfech im Süden des Landes in der Nacht zu Dienstag herunter. Für drei weitere Kraftwerke kündigte EDF ebenfalls Einschränkungen des Betriebs an.
Grund dafür sei die gestiegene Wassertemperatur in den Flüssen, aus denen das Kühlwasser für die Kraftwerke entnommen wird. Verhindert werden solle, dass durch das Wiedereinleiten des aufgeheizten Kühlwassers die Temperatur in den Flüssen über festgelegte Grenzwerte ansteigt.
Spanien misst über 30 Grad – nachts
afp | Die spanische Wetterbehörde Aemet rief am Dienstag die höchste Alarmstufe Rot für Gebiete rund um das südspanische Córdoba sowie im Norden des Landes für Bilbao und Teile der Region Kantabrien aus. Für weite Teile von Zentral- und Nordspanien galt die zweithöchste Alarmstufe Orange, für fast den gesamten Rest des Landes die Hitze-Warnstufe gelb.
Am Montag registrierten 101 der 828 Aemet-Wetterstationen im Land Temperaturen von mindestens 40 Grad. Bei etwa 30 Messstationen sanken die Temperaturen in der Nacht zum Dienstag nicht unter 25 Grad. An der Küste von Almeira in der südlichen Region Andalusien lagen die Temperaturen die dritte Nacht in Folge auch nach Sonnenuntergang bei über 30 Grad.
40 Menschen bei Badeunfällen in Frankreich ertrunken
rtr | Bei der Rekord-Hitzewelle in Frankreich sind seit Donnerstag 40 Menschen bei Badeunfällen ertrunken. Bei den Opfern handele es sich zumeist um junge Leute, sagte Premierminister Sebastien Lecornu am Dienstag. Sportministerin Marina Ferrari warnte davor, bei der Suche nach Abkühlung in ungesicherten oder gefährlichen Gewässern wie Kanälen und Flüssen zu schwimmen.
Volltropische Nächte und Ende der Woche sogar 41 Grad in Deutschland?
dpa/taz | Der Deutschem Wetterdienst legt noch ein Grad drauf. Am Freitag könnten sogar 41 Grad erreicht werden, hieß es am Dienstag. In den kommenden Nächten wird es laut Deutschem Wetterdienst noch wärmer. Es sei durchaus denkbar, dass die Temperaturen in größeren Ballungsgebieten im Westen nachts nicht unter 24 oder 25 Grad sinken – „also volltropische und wohl auch rekordverdächtige Verhältnisse und ohne Klimaanlage eigentlich auch schon unerträglich“, sagt Felix Dietzsch von der Wettervorhersagezentrale.
„Donnerstag und Freitag steigert sich das Ganze weiter“, erklärt Dietzsch. Am Donnerstag werden es demnach bis zu 39 Grad, am Freitag steigt der Wert weiter: Einzelne Prognosen sagen laut Wetterdienst lokal 41 Grad voraus, „aber eine gewisse Unsicherheit besteht trotz allem noch“.
Am Freitag greife die Hitze dann auch auf das restliche Land über. Weniger als 35 Grad gebe es dann nur noch nördlich der Elbe und gebietsweise südlich der Donau, hieß es. Ansonsten werde es zwischen 36 und 38 Grad warm, in der Südwesthälfte teils zwischen 39 und 40 Grad.
Sie nutzen Google? Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz als „bevorzugte Quelle“ einzustellen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen. Fertig.
Sie wollen Google meiden? Kein Problem, es gibt zahlreiche Alternativen. Stellvertretend erwähnt seien Ecosia, DuckDuckGo oder Startpage.
Mehr Details zur Funktion „bevorzugte Quelle“ bei Google finden Sie hier.
Die Vorhersageseite wetteronline legt auch hier noch etwas drauf und prognostiziert aktuell 41 Grad für Sonntag in Berlin.
Frankreich erlebt heißeste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen
afp | Frankreich hat seine heißeste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen 1947 erlebt. Die niedrigste Durchschnittstemperatur lag bei 21,6 Grad, wie der nationale Wetterdienst am Dienstag mitteilte. Der bisherige Höchstwert von 21,4 Grad stammte von 2019, allerdings mehr als einen Monat später im Jahr.
Die Hitzewelle von bislang unbekanntem Ausmaß hat Frankreich weiter fest im Griff. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind nach Angaben des nationalen Wetterdienstes am Dienstag von extremen Temperaturen betroffen. Im Südwesten des Landes werden Temperaturen von bis zu 44 Grad erwartet.
Seit Beginn des Wochenendes kamen bei Badeunfällen im Zusammenhang mit der Hitzewelle zudem etwa 20 Menschen ums Leben.
Autobahn GmbH empfiehlt, Geschwindigkeitsbeschränkung einzuhalten
afp/taz | Nachdem durch die Hitzewelle mehrfach auch Fahrspuren auf Autobahnen in Deutschland beschädigt wurden, hat die Autobahn GmbH versichert, sie kontrolliere wegen der Gefahr von Blow-ups und Betonabplatzungen aktuell verstärkt ältere Autobahnabschnitte.
Beton dehnt sich bei Wärme aus. „Wenn sich der Beton nicht mehr in Längsrichtung ausdehnen kann, entlädt sich die Spannung nach oben.“ Aufwölbungen, sogenannte Blow-ups, treten laut Autobahn GmbH vor allem bei älteren, stark beanspruchten und bereits mehrfach reparierten Betonfahrbahnen auf. Hauptursachen seien eine für heutige Verkehrs- und Klimabelastungen nicht ausreichende Betondicke sowie fehlerhafte Fugen.
Auf ihrer Webseite hat die Autobahn GmbH noch einen wichtigen Hinweis an Autofahrer:innen: „Bei hohen Temperaturen bitte besonders aufmerksam fahren und die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung unbedingt einhalten.“ Das klingt so, als sei das an Tagen mit Normaltemperaturen nicht nötig.
Italiens Gesundheitsministerium ruft Alarmstufe Rot für 15 Städte aus
afp | Wegen extrem hoher Temperaturen hat das italienische Gesundheitsministerium für 15 Städte, darunter Rom und Mailand, die höchste Hitze-Alarmstufe ausgerufen. Ab Mittwoch gelte die Alarmstufe Rot zudem für eine 16. Stadt, erklärte das Ministerium am Dienstag. Zu den damit verbundenen Empfehlungen gehört es, sich in den heißesten Stunden des Tages drinnen aufzuhalten, viel zu trinken und nur leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
40 Grad am Freitag in Deutschland – neuer Höchstwert
dpa | Bei Temperaturen bis zu 40 Grad könnte am Freitag der bisherige Hitzerekord für den Monat Juni gebrochen werden. Vor allem im Westen und Südwesten könne es passieren, dass diese Marke geknackt wird, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
Der bisherige Temperaturrekord für den Monat Juni war am 30. Juni 2019 in Bernburg in Sachsen-Anhalt gemessen worden: 39,6 Grad zeigte das Thermometer damals an.
Waldbrandgefahr steigt noch
dpa | Der Waldbrand-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes wird in den kommenden Tagen voraussichtlich ein steigendes Feuerrisiko anzeigen. Für Donnerstag wird in weiten Teilen des Südens Stufe vier von fünf erwartet – diese steht für „hohe Gefahr“. Für Teile von Brandenburg wird sogar Stufe fünf erwartet („sehr hohe Gefahr“).
Rekordtemperaturen in Frankreich
afp | Europa stöhnt weiter unter der Hitzewelle – an mehreren Orten kletterte das Thermometer am Montag auf über 40 Grad. Frankreich verzeichnete die höchste jemals im Monat Juni gemessene landesweite Durchschnittstemperatur. Für mehr als die Hälfte des Landes galt die höchste Hitzewarnstufe Rot. Die französischen Behörden meldeten mehrere Hitzetote und mehr als ein Dutzend tödliche Badeunfälle. In Frankreich und Belgien wurden Züge gestrichen. Mit Abkühlung wird erst für Ende der Woche gerechnet.
Der landesweite Index – ein Mittelwert aus Tages- und Nachttemperaturen – lag in Frankreich am frühen Montagabend bei 29,2 Grad, wie der Wetterdienst Météo-France unter Verweis auf vorläufige Angaben mitteilte. Es handele sich um „einen Rekord für den Monat Juni“, der den bisher gemessenen durchschnittlichen Monats-Höchstwert vom 30. Juni 2025 ablöse.
In den französischen Städten Rennes, Bordeaux und Angers wurden am Montag mit 40,6 Grad, 41,9 Grad und 40,9 Grad die höchsten dort jemals gemessenen Temperaturen verzeichnet. Der heißeste im Laufe des Tages gemessene Wert landesweit betrug 43,3 Grad in Chateaumeillant im Département Cher – er stellt jedoch keinen Hitzerekord dar.
Zwei Kinder tot im Auto
dpa/kna/taz | Am Montag wurden in einem Auto in der südfranzösischen Stadt Carpentras zwei Kleinkinder tot in einem Auto gefunden, die Ermittler nannten die Hitze als Todesursache. Die leblosen Kinder im Alter von zwei und vier Jahren waren im Auto ihrer Eltern auf einem Parkplatz entdeckt worden.
In Deutschland hatte die Polizei schon vor Tagen gebeten, Hilfe zu leisten, wenn man bei der Hitze Kinder in einem geparkten Wagen sieht. In einer solchen Situation sollte man sich trauen, die Polizei oder Feuerwehr zu alarmieren, sagte ein Sprecher der Landespolizei Berlin. „Lieber fahren wir einmal mehr zum Ort, als dass wir zu spät sind.“ Auch könne die Polizei helfen, den Fahrzeughalter ausfindig zu machen.
Hitze stoppt Züge in Belgien
afp | Auch in Belgien fielen wegen der Hitze Züge aus. Laut der staatlichen Bahngesellschaft SNCB waren vor allem die Stoßzeiten von den Streichungen betroffen, mit denen technische Störungen und Pannen verhindert werden sollen. Das Königliche Meteorologische Institut erwartete für diese Woche einen Hitzerekord. In den Niederlanden rechneten die Behörden für Ende der Woche mit Temperaturen von bis zu 37 Grad.
Hitzewarnstufe Rot in Großbritannien
afp | In Großbritannien rief der Wetterdienst für Teile Mittel- und Südenglands für Mittwoch und Donnerstag die höchste Hitzewarnstufe Rot aus. In London, Birmingham, Bath und anderen Städten muss demnach mit „außergewöhnlich heißem und schwülem Wetter“ mit Spitzenwerten von bis zu 40 Grad gerechnet werden. Der Hitzerekord für Juni, der bisher bei 35,6 Grad liegt, wird damit wohl gebrochen.
Hitze stoppt Public Viewing in Spanien
afp | Auch der spanische Wetterdienst Aemet warnte „vor extrem hohen“ Tag- und Nachttemperaturen bis Mittwoch. Im spanischen Baskenland wurde am Montag die Alarmstufe rot ausgerufen, als das Thermometer die 40-Grad-Marke überstieg. Die Behörden forderten die Bevölkerung auf, die Fenster geschlossen zu halten und keine Haushaltsgeräte zu benutzen, die Wärme erzeugen.
Am Sonntag waren bereits in den spanischen Regionen Andalusien und Kastillien-La Mancha Temperaturen von 42 Grad gemessen worden. Die öffentliche Übertragung des WM-Fußballspiels Spanien gegen Saudi-Arabien im Zentrum von Madrid wurde abgesagt.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 30 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert