Erstmals Pottwalgeburt gefilmt: Die Hebammen tragen das Walbaby auf dem Rücken
Forscher*innen ist es per Zufall gelungen, Aufnahmen einer Pottwalgeburt zu machen. Dabei unterstützten fremde Weibchen die Mutter als Hebammen.
Foto: Stephane Granzotto/imago
Wie beim Menschen sind auch beim Pottwal die ersten Minuten im Leben kritisch. Pottwale sind Säugetiere, Neugeborene müssen schnell an die Wasseroberfläche schwimmen, um Luft holen zu können. Dauert das zu lange, ertrinken die Pottwalbabys.
Einem israelisch-US-amerikanischen Forscherteam ist es nun erstmals gelungen, in der Karibik die Geburt eines Pottwals zu filmen. Und siehe da: Wie beim Menschen assistieren auch bei den Walen Hebammen bei der Geburt.
Das Forscherteam beschreibt seine Beobachtung in der Fachzeitschrift Science so: Nachdem eine Wolke aus Blut im Wasser aufstieg, kümmerten sich die Hebammenwale darum, dass das Neugeborene schnell an die Wasseroberfläche transportiert wurde, sie beförderten es auf ihren Rücken. Bei ihrer Geburt wiegen Jungtiere bis zu einer Tonne und sind zwischen 4 und 6 Meter lang. Allerdings besitzen sie noch relativ wenig Körperfett, weshalb sie nicht von selbst nach oben treiben. Hilfe ist also überlebenswichtig.
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Pottwalfamilien leben matrilinear, sie bestehen also nur aus Weibchen und den Jungtieren, die Männchen werden im jugendlichen Alter verstoßen. Während die Familienverbände Gegenden scheuen, in denen das Oberflächenwasser kälter als 15 Grad ist, ziehen die männlichen Tiere bis in die Polarmeere. Es gibt keine andere Tierart, in der die geschlechtsreifen Männchen und Weibchen in derart großer räumlichen Trennung leben.
Um sich fortzupflanzen, ziehen die männlichen Tiere wieder den weiblichen hinterher. Die Tragzeit der Kühe ist nicht genau bekannt, wird aber auf 10 bis 17 Monate geschätzt. Jungtiere werden ein bis zwei Jahre gesäugt.
Hilfe wurde per Klicksprache gerufen
Im beschriebenen Fall unterstützten sieben ausgewachsene Wale Mutter und Kind, und zwar solche, die nicht verwandt mit ihnen waren. Pottwale verfügen über eine Sprache. Die Tiere stoßen Klicks aus, wenn sie unter Wasser mit Echoortung jagen. Auch bei der Geburt kommunizierten die Familie und die Hebammenwale intensiv mit Klickgeräuschen. Die Forschenden wissen noch nicht, woher die fremden Pottwale wussten, dass ihr Dienst gerade hier und jetzt benötigt wurde.
Allerdings ist bekannt, dass das Walklicken bis zu 230 Dezibel laut sein kann, also lauter als ein Jumbojet beim Start. „Es ist wahrscheinlich, dass die Wale weitere Artgenossen gerufen haben, um bei der Geburt zu helfen“, sagt Maxime Lukas, einer der Autoren. „Diese Form von Zusammenarbeit von Nichtfamilienmitgliedern konnten wir wahrscheinlich zum ersten Mal bei einem nichtmenschlichen Tier beobachten.“
Das Forschungsteam kam durch Zufall zu der Aufnahme. Im „Project CETI“ versucht es die Kommunikation der Wale zu entschlüsseln, eigentlich wollten die Wissenschaftler lediglich die neuen Unterwassermikrofone ausprobieren. Mit Kameradrohnen, die über der Wasseroberfläche flogen, filmten sie den Moment, in dem die Hebammen das Neugeborene an die Wasseroberfläche brachten. Ein paar Stunden nach der Geburt verließen die anderen Wale Mutter und Kind dann wieder.
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