Erstaunliche Solidarität: Mehr als tausend Ukrainer an der Seite der iranischen Volksmudschaheddin
Bei einer Iran-Kundgebung in Paris sorgen zahlreiche aus Deutschland angereiste Ukrainer für Aufsehen. Die Behörden hatten die Demonstration verboten.
Foto: Rudolf Balmer/taz
Seit Wochen war in Paris eine Kundgebung mit dem attraktiven Slogan „Weder Schah noch Mullahs“ angekündigt. Die Organisatoren des Nationalen Widerstandsrates, der den oppositionellen „Volksmudschaheddin“ nahesteht, verteilten in den Straßen Flugblätter. Wie schon bei deren Kundgebungen in den Jahren zuvor wurden auch dieses Mal Teilnehmende aus anderen europäischen Ländern erwartet.
Die Überraschung waren dieses Mal nicht besonders viele Exiliraner aus den Nachbarstaaten, sondern ganze ukrainische Familien, die aus Deutschland angereist waren. Und es waren nicht ein paar Dutzend oder Hunderte, sondern schätzungsweise mehr als tausend.
Sie waren am Samstagmittag unweit des Place Vauban neben dem Invalidendom zahlreicher als die Iraner. Wie sie bereitwillig erklärten, wurde ihnen nicht nur die Fahrt hin und zurück aus Deutschland bezahlt, sondern auch der Aufenthalt mit Unterkunft und Essen. Großzügig abgegeben wurden gelbe Hüte und Schirme mit der Aufschrift „Free Iran“ als Sonnenschutz, Fähnchen und Wasserflaschen im Dutzendpack.
Über ihre Motivation wollten nur wenige der von uns Befragten auf Deutsch antworten. Dass man als Ukrainer gegen Totalitarismus und für Demokratie sein kann, leuchtet schließlich ein. Aber warum gerade diese massive Solidarität mit einer iranischen Organisation, die noch vor Jahren als terroristisch eingestuft wurde?
Die Pariser Polizei hatte diese Kundgebung trotz Gesuchen wochenlang nicht genehmigt und sogar kurzfristig, aber ohne Angabe von präzisen Gründen, verboten. Ein großes Aufgebot der französischen Ordnungspolizei stand darum einem Kern von einigen hundert iranischen Demonstranten gegenüber, die Porträts und Spruchbänder trugen, auf denen sie ihre Unterstützung für Maryam Rajavi, der Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates, sowie für ihren verschwundenen Ehemann Massoud, den ideologischen Führer der Volksmudschaheddin, kundtaten. Die für die Demonstration aufgebotenen Ukrainer harrten derweil der Dinge und hielten sich angesichts einer drohenden Konfrontation auf Distanz.
Dass diese Demonstration anders als in den Jahren zuvor untersagt wurde, erstaunte auch in Paris. Laut dem Fernsehsender France-Info wollte sich die Polizeipräfektur dazu nicht äußern. Es wurde nur gesagt, man müsse mit Zusammenstößen rechnen. Der Sender hatte aber auch in Erfahrung gebracht, dass am Tag zuvor der französische Außenminister Jean-Noël Barrot mit seinem iranischen Amtskollegen ein Telefongespräch geführt habe.
Dabei aber sei die Kundgebung kein Thema gewesen, präzisierte das Außenministerium, und im Übrigen sei das Ministerium nicht für Bewilligungen oder Verbote von politischen Kundgebungen zuständig. Die Organisatoren protestierten gegen diesen Entscheid, sie hätten 100.000 Teilnehmende erwartet. Die trotz der behördlich Anordnung Demonstrierenden riefen den Polizisten zu: „Shame on you!“
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