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ErnährungForscher kritisieren US-Empfehlung für Fleisch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält die Entstehung der neuen US-Richtlinie für intransparent, es fehlten Belege.

Sollten US-Amerikaner mehr Fleisch essen? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält das für eine schlechte Idee Foto: Tony Gutierrez/ap

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kritisiert die neuen Ernährungsempfehlungen der US-Regierung für mehr Proteine etwa aus Fleisch. Die Ministerien für Gesundheit und Landwirtschaft der Trump-Administration würden nun bis zu dem Doppelten des DGE-Referenzwerts in Höhe von 0,8 Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag raten, schreibt Deutschlands wichtigste Vereinigung von Ernährungswissenschaftlern.

„Die bisherige Evidenz aus Interventions- und Beobachtungsstudien, die der DGE-Leitlinie zur Proteinzufuhr zugrunde liegen, liefert keine Hinweise auf einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen einer dauerhaft höheren Proteinzufuhr.“ Zudem sei es „deutlich weniger transparent“ als früher, wie die US-Behörden ihre Empfehlungen aufgestellt haben. Ähnlich hatte sich die größte ernährungswissenschaftliche Fachgesellschaft in den USA, die American Society for Nutrition, geäußert.

Die DGE sieht auch Widersprüche zwischen der US-Richtlinie und deren grafischen Darstellung als Pyramide: „Zwar wird empfohlen, eine große Vielfalt pflanzlicher und tierischer Proteinquellen zu wählen, darunter Eier, Geflügel, Fisch und rotes Fleisch ebenso wie Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Sojaprodukte. In der neuen Ernährungspyramide dominiert jedoch Fleisch die Gruppe ‚Protein, Milchprodukte und gesunde Fette‘“.

Die neuen Botschaften empfehlen, täglich 2 bis 4 Portionen Vollkornprodukte zu essen. „Die Platzierung dieser Lebensmittelgruppe in einem vergleichsweise kleinen Segment in der Pyramide suggeriert jedoch eine geringere Bedeutung“, so die DGE. Hintergrund könnte sein, dass die Farmer mit tierischen Lebensmitteln in der Regel mehr Geld verdienen als mit pflanzlichen. Landwirte sind eine wichtige Wählergruppe für Trump.

Die DGE betont denn auch, dass wissenschaftliche Erkenntnisse „frei von politischen oder wirtschaftlichen Interessen erarbeitet und bewertet werden“ müssten. Die deutschen Empfehlungen seien „unabhängig, wissenschaftlich fundiert, interessensneutral entwickelt, mit Unterstützung eines offenen Konsultationsprozesses.“

Umwelt spielt keine Rolle

Grundlage ist demnach ein von der DGE entwickeltes mathematisches Optimierungsmodell, das Gesundheit, Umwelt sowie die in Deutschland üblichen Verzehrgewohnheiten berücksichtigt. Es sei jedoch nicht erkennbar, „dass Aspekte der Nachhaltigkeit systematisch in die Ableitung der amerikanischen Ernährungsempfehlungen eingeflossen sind.“

Auf den Empfehlungen der überwiegend von Bund und Ländern finanzierten DGE basieren zum Beispiel offizielle Broschüren, die erklären, wie viel man von welchen Lebensmittelgruppen essen sollte. Tausende Köche etwa in Schulen oder Betriebskantinen orientieren sich daran.

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