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Erde steuert auf 2,8 Erwärmung zu Systemfehler Unvernunft

Nick Reimer

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Nick Reimer

2024 war es erstmals 1,55 Grad wärmer als im globalen Durchschnitt. Statt vernünftig zu handeln, duckt sich Deutschland vor der Verantwortung.

D ieses System geht davon aus, dass es sich bei der Spezies Mensch um vernunftbegabte Wesen handelt. Der Klimawandel ist ein globales Problem, das nur gemeinsam gelöst werden kann. Deshalb „dürfen“ die einzelnen Staaten im Paris-Prozess der UNO melden, wie viele ihrer Emissionen sie zu reduzieren gedenken.

Die UNO rechnet dann all die Selbstverpflichtungen zusammen, um festzustellen, dass die einzelnen Beiträge nicht ausreichen, um die globale Erwärmung wenigstens auf 2 Grad zu begrenzen. Deshalb „bittet“ die UNO Jahr für Jahr die Staaten, neue, ambitionierte Ziele einzureichen. Denn wenn 2 Grad überschritten werden, gerät der Klimawandel außer Kontrolle.

In diesem Jahr kommt das Umweltprogramm der UNO auf 2,3 bis 2,5 Grad mehr bis Ende des Jahrhunderts. Voraussetzung dafür wäre aber, dass alle Staaten tatsächlich ihre Selbstverpflichtungen einhalten. Für die Bundesrepublik bedeutet das, ihre Emissionen bis 2030 um 65 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Anfang dieses Jahres waren aber erst 48 Prozent geschafft, ohne mehr Engagement wird Deutschland sein Ziel reißen.

Statt aber endlich ein Tempolimit einzuführen, neue Gasheizungen zu verbieten, Bauen mit Holz günstiger zu machen, eine Fleischsteuer einzuführen, diskutiert diese Regierung lieber eine Verschiebung des Verbrenner-Aus.

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Natürlich ist es ein Malus, dass die USA, die größte Wirtschaftsnation der Welt, aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind. Auch dass Russland den Multilateralismus mit Füßen tritt und lieber Krieg führt, lässt sich beklagen. Allerdings müssen wir bei uns anfangen: Warum sollten andere Staaten ihre Klimapläne einhalten, wenn wir Deutschen es nicht schaffen?

Nach Erhebung der Weltmeteorologie-Organisation war es 2024 erstmals 1,55 Grad wärmer als im globalen Durchschnitt, die Treibhausgas-Konzentration stieg so stark wie nie zuvor. Trotzdem kommt die Menschheit immer noch nicht ins Handeln: Offensichtlich ist der Mensch doch kein vernunftbegabtes Wesen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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