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Enteignungs-Volksentscheid im September Mit der richtigen Wucht gewinnen

Erik Peter

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Erik Peter

Parallel zu den Wahlen am 26. September wird auch über die Vergesellschaftung der Wohnungskonzerne entschieden. Das ist allemal der richtige Termin.

S ie sind ja nicht falsch, die Gedanken, die aus Kreisen der Volksbegehrens Deutsche Wohnen & Co enteignen immer wieder zu hören waren: Ein Wahltermin für den Volksentscheid parallel zu den Wahlen im September – wie er in dieser Woche vom Senat endgültig festgelegt wurde – mindert die Erfolgsaussichten für die Vergesellschaftungsinitiative. Statt vorzugsweise die eigene Klientel in die Wahllokale zu mobilisieren, wird nun jeder noch so reaktionäre Wähler den Abstimmungsbogen automatisch in die Hand gedrückt bekommen.

All jene, die empfänglich sind für die Argumente der Immobilienlobby und ihrer politischen Vertreterinnen von FDP bis SPD, für Linken-Bashing und Sozialismus-Alarmismus, all jene, die nicht über ihren Gartenzaun hinaus blicken können oder wollen, werden nun mit abstimmen und den Volksentscheid damit womöglich scheitern lassen. Auch Unentschlossene und Uninformierte könnten der zu erwartenden Kampagne gegen die Initiative, der Material- und Lügenschlacht, auf den Leim gehen, selbst wenn das Zurückdrängen privater, den Staat um Steuern prellender Immobilienkonzerne auch in ihrem Interesse wäre.

Und dennoch ist die Zusammenlegung mit dem Termin von Bezirks-, Abgeordnetenhaus- und Bundestagswahl die einzig richtige Entscheidung, und das nicht nur, weil damit Aufwand und Kosten einer zweiten Wahl vermieden werden.

Auch für die Legitimität der Initiative ist das notwendigerweise richtig. Ihr Anliegen kommt einem Systemwandel gleich, einem Bruch mit einer kapitalistischen Logik, die sich in alle Lebensbereiche gefressen hat. Die Tiefe des Einschnitts erinnert an eine Verfassungsänderung im Parlament, für die eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist.

Im Erfolgsfall bedeutet das am Wahltag eine ganz andere Wucht

Eine eigenständige Abstimmung hätte die Initiative auch mit einer Mehrheit und den Ja-Stimmen von nur einem Viertel der Wahlberechtigten gewonnen. So allerdings braucht sie die Mehrheit von womöglich zwei Millionen Wähler*innen.

Im Erfolgsfall bedeutet das eine ganz andere Wucht: Kein Minderheitenprojekt, sondern eines der Stadtgesellschaft. Eines, das auch die nächste Regierung, die die Vergesellschaftung erst in ein Gesetz gießen soll, nicht torpedieren kann. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Wäh­le­r*in­nen­ver­ach­tung wie oben fehl am Platz. Die Initiative muss um jede FDP-Wählerin kämpfen. Dann hat sie auch die Chance, nicht nur zu gewinnen, sondern mehrheitlich anerkannt zu werden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Erik Peter

Erik Peter Politik | Berlin

Leiter der Berlin-Redaktion und Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".
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4 Kommentare

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  • tomás zerolo

    @KLAUS GISSING

    Die Argumente von Haus & Grund werden nicht wahrer dadurch, dass man sie immer wieder wiederholt.

    Speziell hier: die heiligen Marktgesetze von Angebot und Nachfrage brechen zusammen, wenn ein knappes Gut (Grund) zur Spekulationsware wird.

    Bauen, keine Frage. Aber eben auch regulieren. Letzteres hat die deutsche Politik die letzen 50 Jahre (mit Absicht) verpennt.

  • GaGaZar

    Aha, wer nicht versteht, was daran gut sein soll, Milliarden auszugeben um exakt NULL Quadratmeter mehr Wohnraum zu schaffen, ist also ein Naivling der den Lügen der Immo Lobby auf dem Leim gegangen ist. Bei allem Verständnis für das Enteignenanliegen, werde ich mit Nein stimmen. Für mich ist das eine politische Bankrotterklärung. Es gibt sehr viele bessere Möglichkeiten um Mietern zu helfen.

    • Götz-Michael Freimann

      @GaGaZar:

      Es gäbe sicher 36 Mrd Möglichkeiten Mietern zu helfen. Leider werden diese Möglichkeiten nicht genutzt. Mir gefällt der Gedanke der Enteignung auch nicht. Es ist aber die Idee der jenigen die sich Gedanken gemacht gaben. Ich selbst habe gar keine Idee sehe aber, dass etwas unternommen werden muss.



      Welche Idee haben Sie denn ganz konkret um Mietern zu helfen?

      • 8G
        86548 (Profil gelöscht)

        @Götz-Michael Freimann:

        Jeder Mieterin 10.000 Euro schenken.