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Drohnenangriffe in baltischen StaatenFast täglich springen die Warn-Apps an

Drohneneinsätze sind Teil der elektronischen Kriegsführung Russlands. In den baltischen Staaten ist wohl auch in Zukunft damit zu rechnen.

Tanja Tricarico

Aus Tallinn

Tanja Tricarico

Die letzte Meldung ist erst wenige Tage alt: Im Südosten Estlands wurden Teile einer abgestürzten Drohne gefunden. Beladen war sie mit rund 5 Kilogramm Sprengstoff und gefunden hatte sie ein Landwirt beim Mähen.

Anfang Juni drang eine Drohne in den lettischen Luftraum ein und wurde dort schließlich von französischen Kampfjets vom Typ Rafaele abgeschossen.

Einen ähnlichen Fall gab es bereits Mitte Mai in Estland und auch hier mussten Nato-Jets aufsteigen und binnen Sekunden über einen Abschuss entscheiden.

In der litauischen Hauptstadt Vilnius wurden Ende Mai die Menschen aufgefordert, in Schutzräume zu gehen, nachdem eine Drohnensichtung gemeldet wurde. Auch der Flughafen in Vilnius musste schließen.

GPS-Störungen und Propaganda

Verletzt wurde in allen Fällen niemand, die Schäden in den baltischen Staaten sind überschaubar. Bisher. Aber nahezu täglich melden die verschiedenen Warn-Apps in den baltischen Ländern insbesondere in den Grenzregionen zu Russland und Belarus Drohnenüberflüge. Es handelt sich sowohl um ukrainische als auch russische Flugobjekte.

Die Drohnen sollen eigentlich nicht in den Luftraum der baltischen Staaten eindringen. „Dafür gibt es keinen Grund“, sagt Militärexperte Arbo Probal der taz. Probal ist eine Art Programmmanager bei den estnischen Streitkräften und zuständig für die Weiterentwicklung unbemannter Systeme und wie sie abgewehrt werden können. Probal ist sich sicher, dass die russischen Streitkräfte die GPS-Signale der Drohnen stören und auf einen anderen Kurs lenken – in diesem Fall etwa Richtung Estland, Lettland oder Litauen.

Dies sei auf öffentlichen Karten, die GPS-Störungen zeigten, sichtbar, so Probal. Etwa, wenn die Ukraine Drohnen Richtung St. Petersburg schickt oder zu russischen Ölraffinerien an den Küstengebieten. Russlands Präsident Putin dagegen hatte die Vorfälle genutzt, um den baltischen Ländern vorzuwerfen, der Ukraine die Nutzung des eigenen Luftraums zu gewähren und damit zur Kriegspartei zu werden. Deren drei Staatschefs sahen sich dann genötigt diese Anschuldigung zurückzuweisen. Unterstützung kam von den nordischen Ländern im Rahmen eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj.

Elektronische Kriegsführung ist zentral

Militär und Politik in der Region sprechen von der vierten Phase der russischen Vollinvasion in der Ukraine, in der elektronische Kriegsführung eine erhebliche Rolle, wenn nicht gar die Hauptrolle spielt. Probal geht daher davon aus, dass es auch weiterhin zu Drohnenvorfällen in den baltischen Staaten kommen wird, wenn sich Ziele in Grenznähe befinden.

Die Länder verfügen über keine eigenen Kampfjets und sind daher auf die Nato und deren Fähigkeit für die Luftabwehr angewiesen. Alle investieren aber verstärkt in den Drohnenbau und vor allem die Drohnenabwehr, in Kooperation mit der Ukraine und anderen Nato-Staaten. So ist etwa in Estland in den kommenden Monaten ein Rüstungspark mit einem türkischen Unternehmen geplant. Lettland hat ein umfangreiches Drohnenabkommen mit der Ukraine beschlossen und hat dazu ukrainische Ex­per­t:in­nen nach Lettland eingeladen.

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