Eine Verlobung, die die Welt bewegt : Goldstaub über dem Kulturkampf
Taylor Swift wird heiraten! Egal? Nein, nicht egal. Wir erläutern kurz, warum.
Foto: Charlie Riedel/AP/dpa
W enn sowohl der Spiegel als auch die New York Times und etliche andere Medien nahezu zeitgleich eine Meldung herausgeben, muss das Gemeldete von internationaler Tragweite sein. Kriege, Naturkatastrophen, Attentate – Ereignisse, die mindestens mittelbaren Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen haben, verfügen über diesen Rang.
So auch dieses: Taylor Swift und ihr Partner Travis Kelce haben sich verlobt. Ein gemeinsames Foto von dem US-Popstar und dem Profi-Footballer und der Zeile „Eure Englischlehrerin und euer Sportlehrer werden heiraten“ hat seit Dienstagnachmittag über 27 Millionen Likes auf Instagram gesammelt und ist auf Kurs, zum erfolgreichsten Inhalt der Plattform überhaupt zu werden.
Sofort begaben sich internationale Top-Medien auf investigative Spurensuche: Der genaue Ort des Antrags, die gezeigten Textilmarken, die Herkunft des Diamantrings – alles wurde flott und akribisch enthüllt. Das ließe sich als lächerlich, nebensächlich, voyeuristisch abtun. Aber die geradezu monarchische Aura, die Taylor Swift auf westliche Gesellschaften ausstrahlt, saugt die Bedeutung aus diesen Begriffen. Ihre enorme Reichweite macht alles, was sie tut, zu einem potenziellen Anlass.
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„Viel Glück“ wünschte der US-Präsident schnippisch dem NFL-Star Kelce mit seiner Verlobten, die sich in der Vergangenheit gelegentlich sachte als Trump-Gegnerin hervortat. Andere US-Republikaner sahen einen Punktsieg in ihrem Kulturkampf: Dass die Ehe Swift „konservativer machen“ und „deradikalisieren“ möge, hoffte etwa der Aktivist und Trump-Vertraute Charlie Kirk. Swift-Fans wiederum sind entzückt bis schockiert: Als stolze „kinderlose Katzenfrau“ hatten sie die Musikerin zur liberalfeministischen Ikone emporstilisiert. Nun sind Projektionen in Gefahr.
Für einen Moment hat der Westen aber wieder dringend benötigten Glamour. Der faschistische Staatsumbau, die Beihilfe zu Kriegsverbrechen, das ökologische Desaster – so was ist unsexy und lässt sich schlecht vermarkten. Das Ralph-Lauren-Kleid hingegen, das Swift auf ihrem Verlobungsfoto trägt, war erfreulicherweise in 20 Minuten ausverkauft.
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