piwik no script img

Ein paar Hundert Meter Sicherheit

„Immer wieder zu hören, dass etwas nicht geht, ist frustierend“: Mario Koenen, Schulleiter der Lindengrundschule in Frechen Foto: David Klammer

Aus Köln und Frechen Nanja Boenisch (Text) und David Klammer (Fotos)

Kurz noch dreht sich Annabel um, winkt. Dann schließt sich die Tür hinter ihr, selbstbewusst tritt sie auf die Straße. Es ist ein kalter Morgen Ende November, 7.40 Uhr, der Himmel über Köln-Brück wird nur zaghaft heller. Draußen auf der verkehrsberuhigten Spielstraße ist kaum was los, einige wenige winterfeste Vögel zwitschern. Drinnen, im Flur einer Doppelhaushälfte, hat sich Annabel eben noch rosafarbene Stiefel und einen Wintermantel angezogen, den Schulranzen aufgesetzt. Ihr Vater, Dominik Becker, hat ihr einen flauschigen Schlauchschal und ein Stirnband über die langen Haare gestreift.

Meistens fährt Annabel, acht Jahre alt, Zweitklässlerin der Gemeinschaftsgrundschule Diesterwegstraße im Kölner Osten, mit dem Roller zur Schule. An diesem Tag macht sie eine Ausnahme für die taz und lässt sich zu Fuß begleiten. Die meisten ihrer Mit­schü­le­r:in­nen kämen auch mit dem Roller, erzählt Annabel, manche zu Fuß. Seit die Straße ihrer Schule eine sogenannte Schulstraße ist würden nur noch wenige mit dem Auto gebracht.

Ein paar Hundert Meter und einge Abbiegungen später zeigt Annabel nach vorne, wo eine schmale Straße nach rechts abgeht. Da, an der Ecke, da beginne die Schulstraße. Morgens zur Zeit des Schulbeginns und mittags, wenn die Schule endet, dürfen hier keine Autos reinfahren. Ein fest montiertes Verkehrszeichen an der Ecke weist darauf hin. Am metallenen Zaun dahinter hängt außerdem ein buntes Hinweisbanner: „Vorsicht Schulstraße!“

Mehrere Kinder kommen gleichzeitig mit Annabel an, biegen Hand in Hand zu Fuß in die Straße ein, kommen mit dem Roller auf dem Gehweg angefahren. Sobald sie das Verkehrsschild passiert haben, wechseln sie auf die Straße. Ab und an hält ein Auto unrechtmäßig an der Kreuzung, warm eingepackte Kinder klettern in Richtung Gehweg raus. Nur eine ältere Frau lenkt ihren Wagen langsam direkt durch die Schulstraße. Vermutlich eine Anwohnerin, sagt Annabels Vater.

Dominik Becker, kurze Haare, Dreitagebart, dunkle Jeans und graue Daunenjacke, ist im Förderverein der Grundschule und hat sich um das Banner gekümmert. Das Verkehrsschild allein war klein – „nicht optimal“, sagt Becker.

Die Schulstraße gibt es hier seit gut zwei Jahren. Ak­ti­vis­t:in­nen des weltweiten Aktionsbündnisses Kidical Mass für mehr Sicherheit im Straßenverkehr hatten sich dafür stark gemacht. 2023 startete die Stadt Köln dann ein Pilotprojekt: Vor vier verschiedenen Grundschulen führte sie Zonen ein, die zu den Stoßzeiten der Schulen für Motorfahrzeuge gesperrt sind. Alle vier Projekte – in Brück, in Höhenhaus, in Ehrenfeld und Ossendorf – überstanden die Pilotphase: Der Hol- und Bringverkehr hatte sich deutlich reduziert, die Stadt bewertete den Schulweg als sicherer.

Während der Pilotphase hatten sich zwar einige An­woh­ne­r:in­nen über das temporäre Autoverbot beschwert, doch mit der dauerhaften Einrichtung der Schulstraßen im Herbst 2024 erhielten sie von der Stadt eine Ausnahmegenehmigung. Drei weitere Schulstraßen in Neustadt-Süd, Nippes und Mülheim bereitet die Stadt Köln gerade vor.

Der Begriff Schulstraße ist in Deutschland noch nicht gesetzlich verankert. Trotzdem sind in den letzten Jahren mehr als 70 bundesweit entstanden, zum Beispiel in Dresden und Ulm. Meist ist Autofahren nur zeitweise verboten, teils wird die Einfahrt mit mobilen Absperrgittern oder versenkbaren Pollern abgeriegelt.

In permanenten Schulstraßen, wie es sie etwa in Paris, Berlin-Mitte und Berlin-Friedrichshain gibt, sind Kraftfahrzeuge komplett verboten. Verbaute Poller versperren die Durchfahrt. Schulkinder können den Platz in den Pausen nutzen, Nach­ba­r:in­nen ebenfalls von der Verkehrsberuhigung profitieren.

„Straßen werden normalerweise aus der Perspektive Erwachsener und vom Autoverkehr aus geplant“, erklärt Juliane Haus, Mobilitätsforscherin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Dabei leben Kinder im Straßenverkehr besonders gefährlich. Sie entwickeln erst mit etwa acht Jahren ein vorausschauendes Bewusstsein für Verkehrsgefahren. Sie sind vergleichsweise klein, werden deshalb gerade von Fah­re­r:in­nen großer Autos schnell übersehen und eher an lebenswichtigen Organen verletzt, wenn ein Fahrzeug sie erfasst.

Kinder atmen wegen ihrer Körpergröße mehr gesundheitsschädliche Abgase ein: CO2 und Rußpartikel entstehen in Bodennähe, etwa durch Verbrennermotoren und Reifenabrieb. Hinzu kommt: Autos machen Lärm – der verursacht Stress. Und wer mit dem Auto gebracht wird, begegnet auf dem Schulweg nur selten Mitschüler:innen. Den Kindern entgeht eine Gelegenheit für soziale Kontakte zu Mitschüler:innen. Und ihnen entgeht eine Gelegenheit für Bewegung, sagt Verkehrsforscherin Haus.

Es ist schon deutlich besser durch die Schulstraße, aber sie müsste Teil eines Gesamtkonzepts sein

Hannah Neumann, Mutter einer Drittklässlerin

Eine Schulstraße könne bei allem helfen, sagt Haus, zumindest in dem Bereich direkt vor der Schule. Und das ohne besonderen baulichen Aufwand.

Vor vielen gewöhnlichen Schulen herrscht zu Schulbeginn Verkehrschaos. Einige Schü­le­r:in­nen kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Roller zur Schule. Jedes vierte Kind in Deutschland aber fährt Elterntaxi, wird also mit dem Auto zur Schule gebracht, wie eine Umfrage des ADAC aus dem Jahr 2024 ergeben hat. Es ist ein Teufelskreis: Eltern haben den Eindruck, dass der Schulweg für ihre Kinder allein zu gefährlich ist. Deshalb chauffieren sie den Nachwuchs zur Schule – und sorgen damit für noch mehr Verkehr und Unfallgefahr, wenn sie kurz mal in der zweiten Reihe parken, Wendemanöver hinlegen oder Bushaltestellen blockieren.

Insgesamt hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im ersten Halbjahr 2025 42.303 Unfälle auf Schulwegen registriert – fast 2.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Warum die Zahlen gestiegen sind, ist nicht ganz klar – laut der Versicherung unterliegen sie gewissen Schwankungen. Aber: „Jeder Unfall auf dem Schulweg ist einer zu viel“, sagt eine Sprecherin, es brauche weiter Präventionsarbeit.

Daten aus mehreren europäischen Städten zeigen: Da, wo es Schulstraßen gibt, ist weniger Autoverkehr. In der Straße zweier Schulen im Essener Stadtteil Holsterhausen fuhren früher 156 Autos am Tag. Nachdem die Schulen die Durchfahrt morgens und mittags mit Pylonen absperrten, waren es laut dem Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung der Ruhruni Duisburg-Essen täglich nur noch zehn Pkw. Zwar entstanden in der angrenzenden Straße teilweise „komplizierte Verkehrssituationen durch wendende oder rechtswidrig im Kreuzungsbereich haltende Pkw“, diese Situationen bewerteten die For­sche­r:in­nen aber als weniger gefährlich als noch vor der Einrichtung der Schulstraße. In einer Schulstraße im 14. Arrondissement in Paris ging die Luftverschmutzung zwischen 2021 und 2023 um 25 Prozent zurück.

In Köln-Brück ist es inzwischen Tag geworden, dennoch spendet die Sonne hinter grauen Wolken nicht viel Licht. Brück ist ein ruhiger Stadtteil, viele junge Familien oder ältere, alteingesessene Brü­ck­e­r:in­nen leben hier. Im Viertel stehen vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser, auch der Straßenverkehr ist hier entspannter als in Innenstadtnähe.

Übersetzt bedeutet dieses Schild: Schulstraße. In die Straßenverkehrsordnung ist sie noch nicht offiziell aufgenommen

Trotzdem: „Es gab genug brenzlige Situationen“, sagt Dominik Becker, die Hände tief in den Taschen seiner Daunenjacke. Als die Diesterwegstraße vor der Schule noch keine Schulstraße war, hätten Autos entlang der gesamten Fahrbahn geparkt. Wenn dann noch Elterntaxis dazu kamen, „hat es sich ganz schön geknubbelt“, erzählt Hannah Neumann. Neumann steht neben Becker auf dem Gehweg vor dem Schulgebäude. Eines ihrer drei Kinder geht dort in die dritte Klasse. Nachdem Kidical Mass das Pilotprojekt auf der linken Rheinseite ins Rollen gebracht hatte, setzte sich Neumann hier gemeinsam mit einer anderen Mutter für die Einrichtung der Schulstraße ein.

Mit der Einrichtung wurde das Parken in der Straße verboten, ein Fußweg mit weißer Linie und blau-weißem Fußgängersymbol auf dem Asphalt erschaffen. „Es ist schon deutlich besser durch die Schulstraße, aber sie müsste Teil eines Gesamtkonzepts sein“, sagt Neumann in Jeans, blauer Winterjacke und Paisleyschal. Zwei Straßen weiter zeigen Becker und sie einen recht neuen Zebrastreifen, wichtig für viele Schü­le­r:in­nen auf ihrem Schulweg. Den habe ein anderer Vater erkämpft – mit einer Petition und Berichterstattung in der Lokalpresse.

Wenn es nach Hannah Neumann ginge, würde die Schulstraße ausgeweitet, fast bis zum Zebrastreifen. Dann wäre auch die Straße rund um den Schulhof und die angrenzende Realschule für Elterntaxis tabu. Bei den Eltern der Re­al­schü­le­r:in­nen müsse sie sich aber erst noch „eine Lobby erarbeiten“.

„Ein paar Hundert Meter Schulstraße lösen natürlich nicht das gesamte Problem“, sagt Forscherin Juliane Haus. Abseits der Schulstraße seien Kinder immer noch großen Gefahren ausgesetzt. „Oft schärfen Schulstraßen dafür aber das Bewusstsein.“ Haus nennt Schulstraßen deshalb einen „Opener“: einen Öffner für andere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, von denen nicht nur Kinder profitieren.

In Belgien, wo die verkehrsberuhigten Zonen durch Initiativen der Stadt Gent in den 2010er Jahren Aufwind bekamen, steht die Schulstraße als Straßentyp in der Straßenverkehrsordnung – inklusive eines eigenen Verkehrszeichens. In den Niederlanden werden Schulstraßen seit 2020 als Standard vor Grundschulen empfohlen. In Österreich hielten sie 2022 Einzug in die dortige StVO.

Straßen werden normalerweise aus der Perspektive Erwachsener und vom Autoverkehr aus geplant

Juliane Haus, Mobilitätsforscherin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

So weit ist Deutschland noch nicht. Zwar ist die Einführung einer Schulstraße auf Basis des Straßenrechts schon länger möglich: Kommunen können in den meisten Bundesländern die Umwidmung eines Kfz-Verkehrswegs, eine sogenannte Teileinziehung, anordnen – motorisierte Fahrzeuge dürfen die Straße dann eben zeitweise oder dauerhaft nicht mehr nutzen. Seit der Reform des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) im letzten Jahr können Städte und Gemeinden vor besonderen Orten – zum Beispiel Spielplätzen oder Schulen – auch leichter Tempo 30 einführen. Trotzdem schrecken noch immer viele Verwaltungen davor zurück, den Autofahrenden Privilegien abzuknöpfen.

Das Land NRW gab Anfang 2024 als erstes Bundesland einen Erlass für Schulstraßen raus. Der ändert nichts am geltenden Straßenrecht, liefert Kommunen aber eine rechtssichere Erklärung für Schulstraßen und soll ihre Einrichtung erleichtern. Landesweit entstanden laut dem nordrhein-westfälischen Verkehrsministerium seitdem 58 neue Schulstraßen. Inzwischen gibt es ähnliche Erlasse etwa in Niedersachsen und Baden-Württemberg. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg zum Beispiel hapert es dafür noch bei der Einrichtung von Schulstraßen.

Der Kölner Verkehrsdezernent Ascan Egerer erzählt: In Köln haben selbst zunächst kritische Akteure, auch aus der Politik, das Konzept mitgetragen. Egerer hat noch mehr Maßnahmen für mehr Schulwegsicherheit auf dem Zettel: Zusammen mit Schulen und Eltern werden Schulwegpläne aufgestellt, um die Hauptwege, die Kinder zur Schule nutzen, zu identifizieren und sicherer zu machen.

„Über das Sicherheitsrisiko von Kindern hinweg zu schauen, ist gesellschaftlich einfach nicht so legitim wie über das Risiko von anderen“, erklärt auch Juliane Haus vom WZB. Deshalb kämen Schulstraßen verglichen mit anderen Verkehrswendemaßnahmen gut an.

Gut zu Fuß ohne Elterntaxi: Schüler:innen vor dem Eingang der Gemeinschaftsgrundschule in Köln-Brück Foto: David Klammer

Trotzdem hat es nur ein paar Dutzend Kilometer weiter, in Frechen an der westlichen Grenze zu Köln, nicht geklappt. An einem kalten Morgen im Januar sitzt Mario Koenen, Schulleiter der Frechener Lindenschule, zurückgelehnt auf einem Stuhl in seinem Büro. Sein linker Fuß ruht auf seinem rechten Knie, die Hände nutzt Koenen ab und an, um seinen rheinischen Singsang zu untermalen.

Vor ein paar Jahren, „da haben die Elterntaxis hier regelmäßig zu einem Verkehrschaos geführt“, sagt Koenen. Der Schulleiter trommelte die Schulpflegschaft zusammen, schrieb Briefe an die Eltern, um sie zu bitten, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. „Dann kam parallel zu den Projekten in Köln und anderen Städten die Idee einer Schulstraße“, erinnert sich Koenen. Er lehnt sich noch weiter nach hinten gegen die türkisfarbene Lehne seines gepolsterten Stuhls, vor ihm steht eine Kaffeetasse im Design eines Campers: Statt eines Automarkenlogos ziert ein Peace-Zeichen den aufgemalten Kühlergrill.

Der Vorschlag einer Schulstraße fand zunächst Anklang. Zu Beginn des neuen Schuljahres 2024 sollten in der Gisbertstraße und der Jägerstraße, zwischen denen die Lindenschule liegt, morgens und mittags keine Autos fahren dürfen. Die Stadtverwaltung wollte mobile Absperrbaken beschaffen. Ein erstes Problem tat sich auf: Es gab nicht genügend Eltern, die sich morgens und mittags ums Aufstellen der Baken kümmern konnten.

Ein zweites Problem: die Stellungnahme der örtlichen Polizei. Die fürchtete einen Rückstau auf der anliegenden Hauptstraße, die ohnehin viel befahren ist. Die zwei kleinen Straßen auf beiden Seiten der Lindenschule gehen von der Hauptstraße ab. Beide sind Sackgassen, weil am anderen Ende eine Bahntrasse lang läuft. Koenen setzt sich auf den größeren Schreibtischstuhl vor seinem PC, ebenfalls türkis bepolstert, und zeigt den Verlauf der Straßen auf Google Maps. „Deswegen hat die Stadt Frechen die ganze Maßnahme ein, zwei Tage vor Schuljahresbeginn abgeblasen.“

Eltern für mehr Schulwegsicherheit: Dominik Becker und Hannah Neumann haben sich für die Schulstraße in Köln-Brück eingesetzt

Er sei darüber „schon überrascht“ gewesen, sagt Koenen. Immerhin, sagt er: „Es war im Bewusstsein der Eltern, dass sie jetzt zu bestimmten Zeiten nicht mehr in die Straße einfahren dürfen. Alle müssten einen Plan B gehabt haben, wie die Kinder zur Schule kommen.“

Koenens Favorit lautet: Gehgemeinschaften. „Da haben die Kinder morgens schon mal Bewegung, die Wahrnehmung ihrer Umwelt geschult, und sie haben den neuesten Tratsch und Klatsch vor dem Schulstart auch schon ausgetauscht.“ Die meisten Schü­le­r:in­nen wohnten westlich der Schule, weniger als einen Kilometer entfernt.

Bald aber wurde der Bring- und Holverkehr mit Autos wieder mehr, bis es zu gefährlichen Situationen in den engen Sackgassen kam. Verletzt wurde niemand, weil Eltern „einen Brüller gemacht“ oder „die Kinder am Schlafittchen gepackt“ hätten, sagt Koenen. „Dann sind wir auf die Idee gekommen, morgens Zettelchen zu verteilen.“ Einen rot umrahmten Denkzettel für Eltern, die mit dem Auto in die Gisbertstraße eingefahren sind. Und einen grün umrahmten Dankezettel mit positiven Sprüchen für Kinder und Eltern, die ohne Auto zur Schule kommen. Die Aktion wurde nicht angekündigt. Schü­le­r:in­nen halfen bei der Verteilung der Zettel.

Schulstraßen-Dämmerung in Köln-Brück: Annabels Schulweg ist sicherer geworden

Koenen lächelt, als er aufsteht, um jeweils einen der Zettel zu präsentieren. Im Sommer 2025 lief die Aktion zum zweiten Mal, zu Beginn des zweiten Halbjahres soll sie wiederholt werden. „Es gibt durchaus eine sehr kleine Gruppe von Eltern, die immer noch konsequent mit dem Auto hier reinfahren“, sagt der Schulleiter. Die meisten aber seien nun sensibilisiert für die Sicherheit der Kinder.

Nur die Hauptstraße bleibt gefährlich. „Das ist noch ein Punkt auf meiner To-Do-Liste“, sagt Koenen, und rutscht sich auf seinem Stuhl zurecht. Er wolle noch mal bei der Stadt Frechen nachfragen, ob sie dort Tempo 30 einführen kann. Ob Koenen es nicht anstrengend findet, sich als Schulleiter ständig mit dem Verkehr auseinanderzusetzen? „Immer wieder zu hören, dass etwas nicht geht, ist frustierend“, gibt Koenen zu. Aber er sei ja nicht allein, auch sein Konrektor habe sich engagiert. „Es macht mich schon froh, dass wir die Situation vor der Schule verbessert haben.“ Er sei leidenschaftlicher Fahrradfahrer, da erlebe er die Gefahren des Straßenverkehrs selbst unmittelbar. Die Fenster in Koenens Büro gehen zur Gisbertstraße raus. Da kommen an diesem Morgen recht viele Autos an, vermutlich wegen der Kälte.

In der Schulstraße in Köln-Brück sagt Hannah Neumann rund zwei Monate vorher, es sei natürlich schwierig, sich umzugewöhnen. Morgens ist es in vielen Familien stressig, Autofahren scheint bequem. Auf dem Weg zur Schule legt die achtjährige Annabel verlegen den Kopf schief, schweigt kurz und gesteht dann, dass auch sie am liebsten mit dem Auto mitgenommen werde. Zumindest ein kleines Stück, den Großteil der Strecke legt sie trotzdem mit dem Roller zurück.

Umgewöhnung ist zwar vielleicht unbequem, aber möglich, sagt Neumann: Nicht mit dem Auto bis vor das Schultor zu fahren, „es funktioniert“.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen