piwik no script img

EU-Parlament schwächt Lieferkettengesetz Jetzt muss die SPD standhaft bleiben

Kommentar von

Leila van Rinsum

Brüssel hat der Entkernung der Lieferkettenrichtlinie zugestimmt. Nun ist es an der SPD, eine Schwächung des deutschen Gesetzes zu verhindern.

E s fällt schwer, die positive Nachricht anzuerkennen, aber es gibt sie: Mit der Abstimmung im Europäischen Parlament ist endlich klar, es wird ein europäisches Lieferkettengesetz geben. Sehr, sehr, sehr große Unternehmen sind in Zukunft verpflichtet, auf Menschenrechtsverstöße in ihren Lieferketten zu reagieren.

Sie dürfen nicht mehr wegsehen, wenn ihre Profite durch Zwangsarbeit oder Umweltverschmutzung steigen. Und Gewerkschafterinnen und Menschenrechtler haben eine Grundlage, auf der sie sich bei diesen wenigen Unternehmen und Behörden beschweren können, auf der sie auf Verbesserungen drängen können.

Das ist nicht selbstverständlich. Denn zahlreiche Wirtschaftslobbyverbände haben von Anfang an sehr viel Geld investiert, um dieses Vorhaben zu kippen. Und sie haben viel erreicht. Zu Beginn der Verhandlungen sollten die Regelungen noch für alle Unternehmen gelten, bis ins letzte Lieferkettenglied, wo die schwersten Menschenrechtsverstöße stattfinden. Jetzt sollen sie nun nur noch für Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro gelten. In Deutschland wären das etwa 150 Unternehmen.

Sie sollen nur noch ihren ersten Zulieferer überprüfen. Auch die Vereinfachung des Zivilrechts, um Geschädigten die Möglichkeit zu geben, auf Wiedergutmachung zu klagen, wurde gestrichen. Stattdessen soll es bei einem undurchsichtigen juristischen Dschungel für Betroffene – aber auch Unternehmen – bleiben.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Bündnis von Rechts und Rechtsaußen

Ein starkes europäisches Lieferkettengesetz, das für viele Unternehmen gilt, hatte großes Potenzial – auch deswegen war es so hart umkämpft. Für diese Abschwächung war der Verhandlungsführer und Fraktionschef der Konservativen, Manfred Weber (CSU), auch bereit, mit den ultrarechten Fraktionen zu kooperieren.

Immerhin steht jetzt aber ein Gerüst, auf das weitsichtigere Po­li­ti­ke­r*in­nen aufbauen können. Für Deutschland kommt es jetzt darauf an, dass die SPD sich gegen den Koalitionspartner durchsetzt und das deutsche, strengere Lieferkettengesetz nun nicht weiter abschwächt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Leila van Rinsum Redakteurin

ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft & Umwelt. Dort schreibt sie über Internationalen Handel und Entwicklungspolitik. Sie war zuvor freie Journalistin in Nairobi und Berlin und schrieb über Nord-Süd Beziehungen, Kapitalismus und Queeres.
Mehr zum Thema

0 Kommentare