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EU-Erweiterung Wartesaal mit Wegzehrung

Kommentar von

Mathias Brüggmann

Friedrich Merz macht Druck, den Westbalkan an die EU heranzuführen. Es wird nur nicht die Haupthalle, sondern ein Nebenraum.

A ls Angela Merkel als Bundeskanzlerin den „Berliner Prozess“ zur Aufnahme der Balkanstaaten in die EU initiiert hatte, sollte es schnell gehen. Zwei Kanzlerschaften weiter warten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien noch immer darauf, in die EU aufgenommen zu werden. Inzwischen haben sich auch die Ukraine und Moldau als heiße Anwärter dazugesellt.

Jetzt aber!, mag man ausrufen. Zumindest hat sich Kanzler Friedrich Merz auf dem EU-Balkangipfel am Donnerstag eindringlich für eine zügige Heranführung der Westbalkanstaaten an die EU starkgemacht: Ihr Beitritt sei sehr zu wünschen. Und Merz hängte sich weit aus dem Fenster: Auf Deutschland und auf Merz’ persönliche Unterstützung könnten sich die Länder verlassen. Das dürfte allerdings anders kommen. Allenfalls bekommen sie erneut eine EU-Warteposition zugewiesen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass sich die für einen Beitritt notwendigen Referenden in den Ländern tatsächlich gewinnen lassen?

Daher hatten Deutschland und Frankreich schon im Juni einen anderen Weg vorgeschlagen: einen privilegierten Zugang zum EU-Binnenmarkt, und statt einer Vollmitgliedschaft die Entsendung von Beobachtern in EU-Institutionen. Oder zugespitzt formuliert: Anstelle einer Luxusvilla mit eigenem EU-Kommissar gibt es für die Kandidatenländer einen Wartesaal mit Wegzehrung.

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Die EU muss sich ehrlich machen. Dass eine weitere EU-Erweiterung geopolitisch wichtig und wirtschaftlich richtig ist, wissen Brüssel und die Hauptstädte. Und ebenso, dass die zum Teil politisch unentschiedenen Länder Einfallstore für Moskau, Washington, Peking, Abu Dhabi bieten. Und doch fehlen vor den Wahlen in Frankreich, Italien, Polen, Finnland, Griechenland, Estland und der Slowakei im nächsten Jahr Wille und Kraft zu echten EU-Reformen.

Bevor Merz vorpreschte, hatte schon Kanzler Olaf Scholz und Kanzlerin Merkel den Balkanstaaten Versprechungen gemacht – genutzt hat das nichts.

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4 Kommentare

  • Janix

    Zeit für das maliziöse Buch Hrn. Menasses.

    Halten wir nach den Erfahrungen mit Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polen und der Slowakei die Chance für gegeben, dass die Clubgründer West auf noch mehr Partyveranstalter mit Mitspracherecht lüsten?

  • Il_Leopardo

    Ich bin durchaus für eine Aufnahme als Vollmitglieder. Schon allein, weil die AfD-ler dann Gift und Galle spucken werden.



    Nein im Ernst, es wäre gut, wenn man den Prozess beschleunigen würde, denn m.E. hilft es den Ländern dabei, demokratischer und stabiler zu werden. Auch wenn's am Ende ganz schön teuer werden wird - seufz ....

    • Zangler

      @Il_Leopardo:

      Warum sollten sie Gift und Galle spucken? Mehr Mitgliedsstaaten mit grassierender Korruption, potentiellen Verbindungen nach Russland und/oder China, sowie heftigster Diskriminierung von Roma, Frauen, ... – Das sind Verbündete und Anlässe gegen die EU zu stänkern.



      Und wenn die neuen Vollmitglieder dann auch noch Parlamentssitze, Kommissare und Vetorecht bekommen, wird die Union ein noch zahnloserer Tiger, zumindest was progressive Anliegen betrifft.



      Im Ernst, die EU ist als politisches Projekt klinisch tot und wird nur wegen Kapitalinteressen noch künstlich am Leben gehalten. Wir Normal:as zahlen die Steuern (und den Rest der Zeche), die C*U-Amigos streichen die Profite ein!

      • Il_Leopardo

        @Zangler:

        Aus den Trümmern und der Asche der Weltkriege erschaffen, hat die Union für Frieden gesorgt. Frieden ist die größte Errungenschaft. Frieden ist der Daseinsgrund der Union. Nicht mehr und nicht weniger.



        Wenn wir in Europa nicht wollen, dass die USA, China (und Russland) bestimmen, was mit der Welt passiert, dann müssen wir uns hier wohl oder übel zusammenraufen.