Durchfahrt der Straße von Hormus: Seeleute in Lebensgefahr
Das Durchfahren der Straße von Hormus ist lebensgefährlich. Ein griechischer Reeder schickt dennoch Schiffe durch die Meerenge. Seeleutegewerkschaften protestieren.
Griechische Seeleute haben am Freitag in der Früh in Piräus sowohl für ihre im Persischen Golf und im Golf von Oman festsitzenden Kollegen als auch gegen die fortgesetzte Durchfahrt griechischer Öl- und Gastanker in der Straße von Hormus demonstriert. Dazu hatten die beiden führenden griechischen Seeleutegewerkschaften Pemen sowie Stefenson aufgerufen.
Die Gewerkschaften der Seeleute weisen darauf hin, dass seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen Iran vor drei Wochen nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) etwa 3.200 Schiffe und 20.000 Seeleute festsitzen. Darunter sind auch von griechischen Reedereien kontrollierte Schiffe. Ferner würden griechische Reeder indes zu den Kriegsgewinnlern zählen, dabei die Seeleute aber in große Gefahr bringen.
„Die griechische Regierung weigert sich weiterhin, die Seegebiete, in denen kriegerische Auseinandersetzungen toben, als Kriegsgebiet einzustufen. Gleichzeitig durchqueren von griechischen Reedereien kontrollierte Schiffe die äußerst gefährliche Region der Straße von Hormus“, stellen sie fest. Die beiden Gewerkschaften weisen darauf hin, dass „die Seeleute mitten im Feuer stehen, während die Haltung der Regierung in Athen den Reedern Rückenwind gibt, die davon profitieren, dass die Frachtraten in die Höhe schnellen und sich neue Wege für höhere Gewinne eröffnen“.
Griechische Schiffe sind enorm wichtig für den Welthandel
Hintergrund: Griechenland ist eine globale Supermacht der Handelsschifffahrt. Die griechischen Reeder besitzen knapp 5.700 Handelsschiffe und verfügen damit über nahezu zwanzig Prozent der weltweiten Tonnage-Tragfähigkeit. Auf europäischer Ebene verfügen die griechischen Schiffseigner über sechzig Prozent der gesamten maritimen Kapazität der Europäischen Union. Beim Transport fossiler Kraftstoffe wie Öl und Gas sind die Griechen Weltspitze: dreißig Prozent des Rohöls und ein Viertel des Flüssiggases (LNG) werden auf Schiffen von griechischen Reedern auf dem Seeweg transportiert.
Griechische Reeder scheinen nicht davor zurückzuschrecken, in Kriegszeiten große Risiken einzugehen – aus Profitgründen. So etwa der griechische Großreeder Georgios Prokopiou: Seit Kriegsbeginn am 28. Februar haben mehrere seiner Öltanker die Straße von Hormus durchquert. Trotz der herrschenden Gefahr von Angriffen von Seiten des Irans. Seine Strategie, erhebliche Risiken einzugehen, lohnt sich für den 79-jährigen Reeder: Die Frachtraten sind in die Höhe geschnellt.
Prokopiou gründete 1991 das Unternehmen Dynacom Tankers, 2013 brachte der Grieche ein eigenständiges Flüssigerdgasunternehmen namens Dynagas an die New Yorker Börse. Das US-Magazin Forbes schätzt das Vermögen der Familie Prokopiou auf etwa 4,7 Milliarden US-Dollar. „Wenn man nicht bereit ist, Risiken einzugehen, kann man in der Schifffahrt nicht tätig sein“, erklärte Prokopiou 2014 gegenüber dem Schifffahrtsmagazin Tradewinds. Das sehen die griechischen Seeleute jedenfalls anders.
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