Diskussion über Abgabe auf Fleisch: Ja zur Tierwohl-Steuer

Deutschland braucht eine Tierwohl-Steuer auf Fleisch, damit Bauern ihr Vieh besser halten. Ein Ausstieg aus der Tierhaltung ist erstmal unrealistisch.

Eine Kuh leckt an der Hand einer Frau

Mit der Tierwohlsteuer ließen sich tatsächlich bessere Produk­tions­bedingungen finanzieren Foto: Westend61/imago

Sollen die Verbraucher über eine neue Tierwohlsteuer auf Fleisch, Milch und Eier Milliarden Euro an Bauern zahlen, damit die ihr Vieh besser halten? Manche Umweltaktivisten antworten: Nein. Denn die Tierwirtschaft bekomme schon jährlich 13 Milliarden Euro vom Staat, wie eine nun veröffentlichte Studie zeige. Noch mehr Geld für die Viehhaltung würde das System nur zementieren.

Dieser Schluss ist weder im Sinne der Tiere noch der Menschen, die unter den aktuellen Zuständen in der Branche leiden. Denn mit der Tierwohlsteuer ließen sich tatsächlich bessere Produk­tions­bedingungen finanzieren. Die Fortschritte, die derzeit vor allem diskutiert werden, mögen gering sein, zum Beispiel lediglich etwas mehr Platz pro Tier, aber noch kein Auslauf. Doch die Bedingungen sind ja noch gar nicht festgelegt. Durch Druck etwa von Tierschützern ließe sich mehr erreichen.

Je mehr Tierschutz mit der Steuer finanziert wird, desto höher sind die Kosten für die Landwirte und desto höher müssten sie sein. Und je stärker dadurch die Preise für Fleisch, Milch und Eier steigen, desto weniger wird von diesen Produkten verkauft werden. Das würde auch dem Klima nützen, denn die Produktion tierischer Lebensmittel verursacht mehr Treib­hausgase als diejenige pflanzlicher Nahrungsmittel. Und die Gesundheit der Bevölkerung würde profitieren, weil sie insgesamt mehr Fleisch isst als aus medizinischer Sicht ratsam.

Selbst Tierrechtler müssten eigentlich für eine Tierwohlsteuer sein. Sie lehnen zwar jegliche Tierhaltung ab. Aber realistischerweise können sie dieses Ziel – wenn überhaupt – nur sehr langfristig erreichen. Auf diesem weiten Weg müssen Fleischkonsum und Tierbestände erst einmal allmählich und später auf null gesenkt werden.

Der Staat solle die bestehenden Subventionen für den Umbau der Tierbranche nutzen, statt die Bürger mit einer neuen Steuer dafür zu belasten, lautet ein Einwand. Das wäre in der Tat gerecht. Aber solange politische Mehrheiten dafür unerreichbar sind, sollte man mehrheitsfähigere Lösungen wie eine Tierwohlsteuer nicht boykottieren.

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Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik, Pestizide, Verbraucherschutz und die Lebensmittelindustrie. 2018, 2017 und 2014 Journalistenpreis "Grüne Reportage". 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2013 nominiert für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.

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