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Die WahrheitDie Sportwelt steht Kopf

Handstand ist der neue heiße Scheiß. Jedenfalls in den Pumpbuden, wo upside down die Trendübung des Jahres ist.

W arum stehen plötzlich alle auf ihre Hände? Das fragt man sich das ganze Jahr schon beim Blick in die Fitnessstudios. Da ebendiese Pumpbuden der Leibesertüchtigung das Epizentrum der Epidemie sind, muss die anatomisch korrekte Frage lauten: Warum stehen plötzlich alle auf ihren Händen? Und dann ist die Antwort: Weil der Handstand die Trendübung des Jahres ist. Und das für Hände aller Geschlechter.

Viele Sportübungen von Aerobic bis Dreibeinlauf sind schon auf dem Mattenwagen der Geschichte gelandet. Für die neueste sind Fans inzwischen bereit, ihre gesamte Weltsicht zu ändern. Denn die Handständler erhoffen sich von ihrem „primären Hobby ‚Handbalancing‘“ (KI) dabei die Ansprache einiger wichtiger, aber unterforderter Muskelgruppen. Wahrscheinlich trainieren sie aber vor allem die Dehnbarkeit der Portemonnaies künftiger Chiropraktikergenerationen, denn auf die Handgelenke geht’s beim Handstand nun mal buchstäblich.

Doch warum der Spott? Entlasten die Leute nicht immerhin den Gerätebereich im Fitnessstudio? Wer so eine Frage stellt, joggt wohl noch um den Parksee. Genau das ist ja das Problem! Denn Maschinen gibt’s wie Sand am Meer, aber im eh schon überfüllten Freiturnbereich sind plötzlich nicht nur die Matten, sondern zusätzlich ein in alle Richtungen messender Fallradius von etwa einer Körperlänge besetzt. Und sagen kann man nichts dagegen, denn dann haben Kritiker schnell einen Aufstand der Handständigen am Hacken, an den die hier bekrittelten Sportler auch noch besonders schnell drankommen.

Handstand vulgaris

Aber wo kommt der Trend eigentlich her? Fangen wir unten an: Über den Ursprung des Handstandes vulgaris herrscht in der wissenschaftlichen Community längst kein Zweifel mehr. Er entstand kurz nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht in einer großen Pause, in der ein sportliches Mädchen ihren vertikal weniger talentierten Klassenkameradinnen zeigen wollte, was eine Harke ist, sich dabei allerdings furchtbar vertat. Wie es der Handstand allerdings nach vielen Jahrzenten der Eindämmung auf Schulhöfen in die Gyms schaffte, ist unklar. Fest steht: Jetzt ist er da, und überall gehen sie nun die Wände hoch.

Sogar Subtrends entwickelt der Handstand, derzeit den zu mehr Natürlichkeit: Er bricht aus den Sportstätten aus und verbreitet sich nach draußen. Back to the roots, könnte man sagen, und die geerdeten Hände werden die neuen Füße, die eh die alten Hände sind. Jugendliche tauschen ja auch ihre Smartphones gegen Klapphandys aus. Wenn sie schon ihr Handy-Nutzerverhalten vom Kopf auf die Füße stellen, warum sollte es beim Sport nicht auch mal andersrum gehen?

Zu wünschen wäre jedenfalls, dass es so kommt, denn dann liefe es im Fitnessstudio wieder richtig. Und jeder könnte endlich mal wieder dort in Ruhe Rad schlagen üben.

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Ernst Jordan

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