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Die WahrheitStille Örtchen unter Beschuss

Der Handelskrieg mit dem smarten Kanada beschert den USA Scheiße bis zum Abwinken.

„Wir wurden angegriffen“, bereitete der kanadische Premierminister Mark Carney seine allenfalls passiv-aggressiven Mitbürger kürzlich auf einen schmutzigen Handelskrieg mit dem mächtigen Nachbarn USA vor. Dabei schwenkte er eine Rolle dreilagiges, supersoftes Toilettenpapier, die künftig das Ahornblatt als Emblem in der kanadischen Flagge ersetzen soll. „Unter diesem Zeichen werden wir siegen“, gab sich der sonst etwas verstopft wirkende Ökonom kämpferisch.

Seit US-Präsident Donald Trump den Zollstreit mit Kanada aus Langeweile wieder angefacht und nun auch noch den grenzübergreifenden Lake Ontario in Lake America umbenannt hat, liegen bei den sonst beinahe krankhaft freundlichen Kanadiern die Nerven blank. Landesweit wurde laut vernehmlich gemurrt – ein Novum in der Geschichte des chronisch konfliktscheuen Landes, dessen Bewohner sich aus Höflichkeit nicht einmal von der britischen Kolonialmacht loszusagen vermochten.

Schmähung der USA

Sogar ein dreckiges Schimpfwort soll aus einer kanadischen Stellung bei Québec in den Süden abgefeuert worden sein. Allerdings ist der US-amerikanische Geheimdienst noch immer mit der Übersetzung der französischen Schmähung beschäftigt. Nun rächt sich, dass die CIA frankophone Experten entlassen hat, weil die Sprache im MAGA-Lager als verweichlicht und woke gilt.

Präsident Trump kündigte sofort an, den kanadischen Teil der Niagara-Fälle als Vergeltung zu bombardieren

Seit vorgestern werden zudem aus dem US-Bundesstaat New York einreisende Touristen von kanadischen Grenzbeamten nicht etwa mit „Have a wonderful day!“ empfangen, sondern ab sofort mit einem rüden „Have a nice day!“ brutal abgekanzelt. „Wir sind froh, dass wir mit dem Leben davongekommen sind“, erzählt ein Paar aus Buffalo, das die Provinz Ontario nun wegen seelischer Grausamkeit und Verbrechen wider den Honeymoon auf eine Milliardensumme verklagen will.

Präsident Trump kündigte daraufhin sofort vor laufender Kamera an, den kanadischen Teil der Niagara-Fälle als Vergeltung zu bombardieren, hatte die Angelegenheit aber schon bei der Rückfrage einer Journalistin wieder vergessen. Und die sonst nachgiebigen Kanadier scheinen diesmal bereit, den Konflikt mit den USA bis zum letzten Blatt auszufechten. Dabei kämpfen die empfindsamen Nordländer mit ultrasoften Bandagen, treffen den übermächtigen Gegner aber genau damit an empfindlichster Stelle.

„Hintenrum!“, stellt Rose Applecroft aus Oshawa unmissverständlich fest, die sich mit Gleichgesinnten zu einem „shit-in“ auf dem Lake Ontario zusammengefunden hat. Mit einer Protestflottille dringen die Aktivisten in US-Gewässer vor, um dort blankzuziehen und ins Wasser des Lake America zu defäkieren. Außerdem wollen die Protestler in Sichtweite des feindlichen Ufers eine Palette Toilettenpapier aus kanadischen Papiermühlen versenken.

Hygieneprodukt gegen USA

Neben Hockeyschlägern und Ahornsirup war das Hygieneprodukt bisher Kanadas Hauptexportgut in die USA. Tatsächlich wird aus den uralten Bäumen der Borealwälder von Ontario bis British Columbia ein herrlich flauschiger Zellstoff hergestellt. Nun hat die Regierung in Ottawa jedoch angekündigt, die Ausfuhren mit 25 bis 50 Prozent Strafzöllen zu belegen. Man behält sich gar vor, die Arschlöcher jenseits der Grenze gar nicht mehr zu beliefern.

Schon werden in den USA die Toilettenpapierbestände knapp und die Hintern wund. Zwar versuchen amerikanische Hersteller die Versorgung irgendwie aufrechtzuerhalten, doch zeichnet die heimischen Rohstoffe jene ruppige Widerborstigkeit aus, die auch den amerikanischen Nationalcharakter prägt. Das harzige Toilettenpapier aus der Sitka-Fichte Alaskas etwa splittert schon beim ersten Falten, Zellstoff aus den Sycamore-Platanen der Südstaaten ist zwar blütenweiß, verrichtet aber partout keine niederen Putzarbeiten.

Fieberhaft sucht die Trump-Administration nach Alternativen zum papierenen Wischen, das neuerdings ebenfalls als verweichlicht und woke verteufelt wird. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy empfiehlt den Amerikanern eine Diät aus Schlangenöl und Steinkohle, um jeden Stuhlgang zu verhindern. Kriegsminister Pete Hegseth hat patriotische Onlinevideos veröffentlicht, in denen er sich zu martialischer Musik das Gesäß mit einem Scheit Hickory-Holz, Geröll aus den Rocky Mountains oder einem amerikanischen Sturmgewehr säubert. Doch trotz aller lauten MAGA-Propaganda scheint das stille Kanada in dem bizarren Streit um das kaum stillere Örtchen die Oberhand zu behalten.

Nach dem „shit-in“ am Lake Ontario wird die Palette von Bürgern auf US-Seite aus dem Wasser gefischt. Vorsichtig werden die Rollen ausgerollt und zum Trocknen Blatt für Blatt auf Wäscheleinen gehängt. Und so hisst die westliche Weltmacht schon die weißen Fahnen, bevor der Handelskrieg mit dem ungleich schwächeren Kanada so richtig Fahrt aufgenommen hat.

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6 Kommentare

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  • Moon

    So erfüllt sich auf überraschend andere Weise die alte indianische Prophezeiung:

    Erst wenn die letzte Sittka-Fichte gefallen, die letze Sycamore-Platane gefällt und das letzte Büschel Präriegras gerupft sein wird, werdet ihr bemerken, dass euch mächtig was stinkt in „The land of the free“. Und dass man nicht „brave“ sein kann, wenn es einem 24/7 im Hintern juckt.

    Howgh – Canada forever

  • Mondschaf26

    Vielleicht sollte der Kake-Lake in Pipikakasee umbenannt werden. 💩



    --



    Apropos Sycamore Tree.. - Dream a little dream of me.



    www.youtube.com/watch?v=fJwjLYRPxJY

  • Il_Leopardo

    Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Amerikaner 141 Rollen Toilettenpapier pro Jahr verbraucht, dann könnte es in nächster Zeit Probleme bei der Begegnung mit US-Amis geben: Am besten, man hält etwas Abstand, denn die müffeln ein wenig.



    Die an der Grenze Lebenden haben es gut, die können ja zum Scheißen über die Grenze fahren. Das nun etwas weniger wohlwollende "Have a nice day" wird dann zum "Have a nice shit"!

  • Hansilein Hofmann

    Vielen herzlichen Dank Herr Bartel - made my day. Das ist so witzig und clever geschrieben - gewisse Szenen liefen vor meinem inneren Auge ab und haben mich sehr amüsiert.

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Noch was für die "Spezialfrisurträgeruntertützer*":



    Alte Volksweisheit, abgekupfert von ©️lowandorder:



    "Wat wiss maken,



    Schitt ins Bett, schitt ins Laken. "



    ---



    * Nein, kein Fußballspieler ist gemeint

    • Willi Müller alias Jupp Schmitz

      @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Natürlich



      "SpezialfrisurträgerunterStützer*"



      Sorry, zu flink.