Die Wahrheit: Mittagessen für Weicheier
Der gewesene britische Premier Keir Starmer ist nicht über ein Sandwich gestürzt. Aber als Fan dieser zweifelhaften Inseldelikatesse war er nahe dran.
K eir Starmer ist seit einer Woche Geschichte. Was bleibt von dem vorübergehenden britischen Premier? Seine Liebe zum englischen Sandwich, das er nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren als „eine großartige britische Institution“ gepriesen hat. Man ahnte damals schon, dass es mit ihm kein gutes Ende nehmen würde.Dieses Sandwich ist nach John Montagu benannt, dem 4. Earl of Sandwich, der im 18. Jahrhundert darum gebeten hatte, ihm Fleisch zwischen zwei Brotscheiben zu servieren, damit er nicht vor lauter Hunger sein Kartenspiel unterbrechen musste.
Starmer war von der Tory-Oppositionsführerin Kemi Badenoch zur Eloge auf das Sandwich provoziert worden. Die hatte behauptet, Lunch sei etwas für Weicheier, und Sandwiches seien kein richtiges Essen. Sie würde jedenfalls „kein Brot anrühren, wenn es feucht ist“.
Es ist nicht das erste Mal, dass die britische Regierung von einem Sandwich in Aufregung versetzt worden ist. Der damalige Wohnungsbauminister Dominic Raab sorgte während der letzten Tory-Regierung für Schlagzeilen, als er gestand, jeden Tag genau denselben Lunch zu verspeisen – ein Baguette mit Hähnchen und Speck. Starmer hingegen liebt Thunfischsandwiches.
Die Wahl des Mittagessens war nicht die einzige kulturelle Trennlinie zwischen Starmer und der Tory-Chefin. Sie verhöhnte Starmer außerdem dafür, dass er sich zu Weihnachten „Love Actually“ ansehe. Darin geht es unter anderem um David, den britischen Premierminister, der feststellt, dass trotz weltweiter Konflikte und Tragödien bisweilen Liebe im Alltag zu finden sei, zum Beispiel im Ankunftsbereich des Londoner Flughafens Heathrow. Zum Plane Spotting hat Starmer ja nun Zeit.
Nomen est omen
Badenoch bevorzugt in der Weihnachtszeit den Film „Stirb langsam“. Der passt auch besser zu den Tories. Um den Exodus zur Rechtsaußenpartei Reform UK zu unterbinden, hat die Parteichefin neulich angedroht, jedes Mitglied kaltzustellen, dass sich gegen den Austritt aus der Europäischen Menschenrechtskonvention stellt. Sie wird mit ihrer Säuberungspolitik baden gehen: Nomen est omen.Das gilt auch für Starmer. Er ist zwar Engländer, doch sein Vorname „Keir“ hat seine Wurzeln im schottischen und irischen Gälisch, wo es „dunkel“ oder „grüblerisch“ bedeutet. Er soll regelmäßig die Webseite „20 klassische britische Sandwiches für Opas, die alleine leben“, besuchen.
Das „British Rail“-Sandwich gehört nicht dazu. Das war eine Klappstulle, die während der Zeit der Verstaatlichung von 1948 bis 1997 in den Zügen von British Rail angeboten wurde. Die Ecken der Sandwiches wölbten sich wie die Seiten eines viel gelesenen Taschenbuchs nach oben. Die Stullen wurden zum Symbol für das unappetitliche Essen in britischen Zügen. Und Starmer, der genauso eiskalt wie die Sandwiches war, wurde zum Symbol für eine empathielose, drastische Sparpolitik.
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