Die Wahrheit: Farbenspiele mit Freundinnen
Selbst farblose Menschen und Dinge bekommen einen eigenen Anstrich, wenn der Sex mit der Cola in den Strudel der Anekdoten gerät.
J emand hätte ihr eine Orangencreme geschenkt, erzählte die Freundin in der Runde. Au fein, habe sie sich gedacht, solch eine Creme sei bestimmt gut gegen Orangenhaut. Also habe sie die orangefarbene Creme genommen und ihre Beine damit bestrichen, sich aber über die Konsistenz der Paste und die knubbligen Stücke darin gewundert. Daraufhin habe sie sich das Glas noch einmal genauer angesehen und festgestellt, dass die Orangencreme ein Brotaufstrich war.
Einmal hatte mich eine Freundin gefragt, ob ich ihr helfen könnte, etwas Schweres zu tragen, griff ich das Thema auf. Sie wollte ihre Küche neu streichen und hatte extra in einem Farbengeschäft eine hauchzarte rosafarbene Mischung herstellen lassen. Die Wandfarbe war in einem schweren Eimer mit dünnem Drahtgriff abgefüllt, weshalb ich ihn auf der Schulter trug, bis er hinfiel und aufplatzte und die schöne Farbe sich auf die Straße ergoss, auf der ich kniete und versuchte, mit beiden Händen die zähe Flüssigkeit zurück in den Eimer zu schaufeln. Ich hatte zwei rosa Hände, die Freundin hingegen nur noch Farbe für drei der vier Wände ihrer Küche.
Gemäß der neuesten Mode habe sie sich kürzlich Sneaker in Beige gekauft und auch ihre Kleidung auf die turnschuhartigen Treter abgestimmt, berichtete eine andere Freundin. Als sie aber ihre Mutter besuchte hätte, die in ihrer sandfarben eingerichteten Wohnung mit einem Pullover aus ungefärbter Schafwolle auf ihrem hellen Sofa weiße Raffaello-Kugeln naschte, während im Fernsehen farblose Darsteller in cremigen Kulissen graue Dialoge von sich gaben, da sei sie sich schon sehr unsichtbar vorgekommen.
Prickelnde Flüssigkeit
Nach dem Sex, schilderte eine weitere Freundin, wollte sie einmal eine Szene aus einem amerikanischen Erotikbuch nachspielen. Sie sei zum Kühlschrank gegangen, habe einen Schluck Cola in den Mund genommen, um die prickelnde Flüssigkeit ihm hocherotisch in den Mund sprudeln zu lassen. Sie sei aber über den Bettpfosten gestolpert und habe den schwarzen Saft über sein ganzes Gesicht gespuckt.
Krass!, freute sich die befreundete Regisseurin und klatschte begeistert in ihre Hände. Wenn wir noch zwei, drei solcher Geschichten sammelten, könnten wir einen dieser momentan schwermodernen Filme machen, in denen Paare beim Dinner zusammensitzen und peinliche Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählen, so wie wir gerade. Arbeitstitel: „Colors of people“. Erst im Laufe der Handlung würden die zunächst unzusammenhängenden Anekdoten zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt, wie sie gestenreich erklärte. Vor Begeisterung stieß sie dabei ihr Rotweinglas um, und ein paar Tropfen ergossen sich in den Schritt ihrer weißen Hose. Als ob sie noch ihre Tage hätte, wunderte sie sich. Jemand reichte ihr ein Halstuch, das sie sich um die Hüften band. Es hatte die klinisch blaue Farbe der Ersatzflüssigkeit aus der Hygieneartikelwerbung.
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