Die Wahrheit: Alarm, die Smombies kommen
Sind Handys noch für was gut? Oder killen sie die Unterhaltung in illustrer Gesellschaft? Ein Bericht aus dem Café Gum.
A ls Luis’ Handy unvermittelt die Ghostbusters-Titelmelodie spielte, griff er automatisch in seine Hosentasche. „Untersteh dich!“, sagte Theo. – „Aber es könnte wichtig sein.“ – „Ist das hier etwa nicht wichtig?“ Theo breitete die Arme aus, deutete auf die Theke und auf Petris, den Wirt; auf Raimund und mich und auf sich selbst. „Schließlich sind wir deine Freunde und versuchen, die Probleme der Welt zu lösen.“ – „Aber das machen wir jeden Abend“, entgegnete Luis. „So what?“, sagte Theo, während die Melodie genauso plötzlich abstarb. „Kein Grund, unhöflich zu sein.“
Luis seufzte. „Das hätte auch keiner gedacht, dass du dich mal für Höflichkeit starkmachst“, sagte er: „Früher, in deiner Punkperiode, als du die bürgerliche Gesellschaft durch schlechtes Benehmen von innen zerstören wolltest, konnten die Leute froh sein, wenn du nicht so getan hast, als ob du laut schmatzend Popel verzehrst!“
Das Handy klingelte erneut. Man sah Luis an, dass er es kaum aushielt, nicht dranzugehen. Theo zuckte die Schultern. „Wenn du Lust hast, in der Öffentlichkeit Popel zu essen, halte ich dich nicht auf“, sagte er. „Bei Handys ist das was anderes. Das sind Kraken, die uns im Handumdrehen in ihre Gewalt bringen: Einmal nicht aufgepasst, schon sitzen wir hier alle mit gesenktem Kopf, starren in die Displays und sprechen den ganzen Abend kein Wort mehr miteinander.“ – „Smombies halt“, kicherte Raimund. – „Smombies?“ Luis verstand nicht. „Smartphone-Zombies“, sagte Raimund, da hörte das Klingeln wieder auf.
Der Moment fürs Handy
Als Petris uns frisches Bier kredenzte, nutzte Luis den Moment, um sein Handy rauszuziehen. „Das war Beate“, sagte er. „Wahrscheinlich will sie, dass du zu Ümit rüberrennst und ein Fladenbrot holst“, schnaubte Theo. „Fladenbrot? Wieso Fladenbrot?“ – „Fürs Frühstück.“ – „Wir frühstücken seit Ewigkeiten Müsli!“ – „Das wird ja auch mal langweilig, oder?“ – „Blödsinn, außerdem …“
Ein Piepen unterbrach ihn. Eine neue Nachricht! Luis las vor: „‚Dein Bruder war hier. Er sucht dich. Take care. Beate‘“, dann kreischte er: „Andy, oh, Gott! Andy ist in der Stadt – rette sich, wer kann!“
Wir sprangen hektisch auf, doch Dicke-Hose-Andy kam uns bereits entgegen. „Mensch, Jungs, das ist ja super, dass ich euch hier treffe!“, dröhnte er und schob uns wieder zur Theke. „Andy …“, stotterte Theo, „das muss ja ewig her sein. Bist du nicht mehr in Dallas?“ – „Klar doch“, donnerte er. „Und jetzt, unter Trump, noch mal lieber! Reines Paradies, sag ich euch: Nimmste zehntausend und investierst se – zack, sinds am nächsten Tag zwanzig. Genau darüber muss ich mit euch reden“, polterte er, breitete seine Arme um uns aus und sorgte dafür, dass wir einige Tage später noch einmal sehr differenziert über die Bedeutung von Sitte und Anstand nachdachten.
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