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Die WahrheitEnglish for you

Im DDR-Fernsehen gab es einst eine Sprachschulsendung mit zwei jungen Hauptdarstellern namens Dave und Jenny, die weniger Briten als Ostgoten waren.

E s gibt Leute, die Filme selbstverständlich immer im englischen Original anschauen. Toll! Meine Freundin und ich beherrschen ein perfektes East-German-English, das reicht, um problemlos im Original „English for you“ zu sehen. Dave und Jenny, die beiden Hauptdarsteller dieser DDR-Schulsendung, sprachen über die britische Arbeiterklasse und den Kampf der Gewerkschaften; was junge Menschen in Großbritannien eben so umtreibt. Dazu sangen sie Arbeiterkampflieder und wurden trotzdem gar nicht von den Arbeitern vermöbelt.

Für wen „English for you“ auch immer sein sollte, es hatte mit uns so viel zu tun wie die Eroberung Roms durch die Ostgoten. Die Wahrscheinlichkeit, die Sprache irgendwann im Alltag anwenden zu können, war dann auch so hoch wie bei Latein. Es stand ja der sozialistische Limes noch. Kein Lehrer kam je bis England. Trotzdem lernten wir mit Begeisterung das, was sie uns als „Englisch“ unterjubelten, weil es die Sprache des verteufelten Amerikas war, von Colt Seavers und Rambo, die, anders als Lenin oder Ernst Thälmann, tatsächlich Vorbilder waren.

Dann kamen die Westgoten, und ich hatte am Gymnasium Englisch-Leistungskurs. Es gibt Menschen, die müssen in ihrem Leben schlimme Dinge durchmachen, sie verlieren früh ihre Eltern oder schlagen sich als obdachlose Drogenjunkies durch, ich kann von meinem Englisch-Leistungskurs berichten. Die neue Englischlehrerin war nämlich der Auffassung, dass man im Englischunterricht ab jetzt nur noch Englisch sprechen sollte. Was ja nun, wenn man diese Forderung ernst nimmt, nichts anderes bedeutet, als dass man die ganze Zeit Englisch spricht!

Perfekter Satz

Den Satz „Sorry, I don’t understand the question“ sprach ich so oft aus, dass ich ihn immer perfekt über die Lippen brachte. Damit es nicht zu eintönig wurde, sagte ich auch mal den Satz: „Can you repeat the question please?“ Ich rechne meinen Mitschülern heute noch hoch an, dass sie mir „Don’t understand“ nicht als Spitzname verpasst haben.

Im Studium nahm ich kühn an einem Anfängerkurs Französisch teil, um „Flör dü Mall“ richtig auszusprechen oder „Buscholee“. Mir schien das für einen angehenden Intellektuellen geradezu notwendig zu sein. Meiner vollendeten Intellektualität stand eigentlich nur im Wege, dass ich dafür ein klein wenig zu doof war. Ich kann jedenfalls nicht sagen, Fremdsprachen wären mir zugeflogen. Sie kamen höchstens angekrochen. Die einzigen fremdsprachigen Filme, die ich im Original sehen kann, sind österreichische Filme. Und selbst da könnten Untertitel nicht schaden.

Wir machen jetzt oft kleine Englischübungen. Zum Beispiel bitte ich meine Freundin, diesen amerikanischen Bundesstaat, der furchtbar kompliziert auszusprechen ist, einfach mal auszusprechen. Dann kommt so was raus wie „Messezuschitz“. Ich finde ja, dass es wichtig ist, in einer Beziehung auch herzhaft miteinander lachen zu können.

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Christian Kreis
Autor
Christian Kreis, geboren 1977, lebt in Halle. Schriftsteller, Kolumnist, Poetry Slammer. Er schreibt für Die Wahrheit, ist Mitglied der Lesebühne Kreis mit Berg. Veröffentlichte zuletzt in der parasitenpresse die Bücher "Halle Alphabet" und "Der grundsympathische Blick des Norman Bates".
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1 Kommentar

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  • Herr Kreis, Sie haben Mike Webster vergessen! The boxer? Yes, he is a boxer!