piwik no script img

Die WahrheitSchrilles Spiel mit dem Feuer

Die Feuerwehr und ihr nervendes Theater: Als ob es weniger brennen würde, wenn die breitbeinigen Krachschläger nur genug Lärm machen.

Bild: Dorthe Landschulz

Da, wo ich wohne, ist es eins der größten Ärgernisse: Unten, auf der ohnehin schon relativ lauten Straße, nervt die Feuerwehr mit ihrem ständigen Tatütata. Kaum habe ich mich mit meinem Buch und einer eisgekühlten Bluna-Korn vor Wonne ächzend im Balkonstuhl zurückgelehnt, hebe ich vom Tröten der Sirene mit dem Hintern gleich wieder geschätzt einen halben Meter ab. Die Diastole ist auf hundertachtzig, die Vögel fallen tot vom Himmel. Wie soll man sich da erholen?

So ein Affentheater, als ob es dadurch vielleicht weniger brennen würde. Dazu dieses nassforsche Hoppla-jetzt-komm-ich-Getute: Holla, beiseite ihr Unwürdigen, wir müssen da jetzt unbedingt und um jeden Preis superschnell hin, sonst brennt auf der Stelle die ganze Stadt ab, und nur wir megageilen Checker können das verhindern!

Solche toxischen Ellenbogentypen waren mir schon immer zuwider. Ich bin mit Geschwistern aufgewachsen; da lernt man, so schwierig das auch manchmal sein mag, auf andere zu achten, sich zu arrangieren, und verinnerlicht automatisch, dass man bloß ein Rädchen innerhalb einer größeren Gemeinschaft ist. Aber die Feuerheinis scheißen sichtlich und hörbar komplett auf andere Menschen. Dazu vermitteln ihre Angebertrucks in Kopfschmerzfarben mit ihrem peinlichen Beleuchtungsbrimborium und ohrenbetäubenden Mehrklanghupen den Eindruck, hier wäre eine Hochzeitsgesellschaft auf der Straße unterwegs, die die Vermählung des Irrsinns mit der Rücksichtslosigkeit feiert.

Ganz offenkundig sind in ihrer Hirnrinde die Synapsen, die für Scham, Lautstärke, oder allgemein Sozialverhalten zuständig sind, fehlerhaft verschaltet oder gar nicht erst vorhanden. Doch Schuld an ihrem Größenwahn trägt auch ein wie so häufig grausam fehlgeleitetes „Volksempfinden“, das die Marodeure obendrein zu „Helden“ stempelt. Kein Wunder, dass die dann ausflippen. Es ist, als definierten sie ihren eigenen Wert ausnahmslos über die ignorante Abwertung anderer. Als wären sie das Allerwichtigste und ganz allein auf der Welt: Feuerwehr first!

Die Diastole ist auf hundertachtzig, die Vögel fallen tot vom Himmel, wenn die tollsten, mutigsten und besten Menschen der Welt die ohrenbetäubenden Sirenen ihrer Angebertrucks aufheulen lassen

Dabei ist doch allgemein bekannt, dass manche von ihnen gern selbst Feuer legen, nur um sich danach umso mehr aufzuspielen. Denn warum sollte es sonst brennen? Dafür gibt ja überhaupt keinen vernünftigen Grund. Zum einen sind heutzutage überall Rauchmelder. Und zum anderen würde sich kein normaler Mensch derart unvorsichtig verhalten, dass er einen Brand verursacht. Schließlich weiß jedes Kind, wie saugefährlich so ein Feuer ist, und hinterher ist auch noch alles kaputt. Fürchterlich. Ganz schlimm. Da hat nun wirklich niemand etwas davon, außer, na, wem …?

Exactamente! Den Damen und Herren Berufszündlerinnen. Die meisten wären arbeitslos, der Rest würde, völlig unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit, gerade mal mit dem Handfeuerlöscher ein Kätzchen vom Baum holen. So aber schaffen sie es, mit ihrem Tatütata das ganze Land zu terrorisieren. Schon von klein auf werden wir mit Bilderbüchern gebrainwasht, die die fatale Lügenbotschaft transportieren, Feuerwehrleute seien die tollsten, mutigsten und besten Menschen der Welt, Engel, die unsere Sicherheit, unser Eigentum und unser Leben bewachen; und quasi als Kompensation dafür dürfen, nein, müssen sie eben auch ordentlich Krach machen. Das sei der Deal.

Deal am Arsch. Wenn die Kinder wüssten. Aber du kannst ihnen ja nicht erzählen, dass nicht wenige dieser von ihnen so bewunderten „Heilsbringer“ vom Anblick eines selbst entfachten Großbrandes in verstörendem Ausmaß erregt werden – es gibt einfach Dinge, die man um jeden Preis von ihnen fernhalten will.

Insgeheim hege ich ja den Verdacht, dass in gar nicht mal so unabsehbarer Zeit ein kleiner, aber feiner Tipp an die Polizei ergeht. Dezernat für Brandursachenermittlung, bitte, danke, gern geschehen. Keine Ahnung, von wem der Tipp gekommen sein wird, echt nicht die allergeringste Vorstellung, ich schwöre, aber trotzdem könnte ich mir das durchaus vorstellen. Sehr, sehr gut sogar – ich schätze, da muss dann wohl mal jemand schlicht die Schnauze voll gehabt haben, anders kann ich mir das schwerlich zusammenreimen.

Ach, und der Geheimdienst, das Militär, das Ordnungsamt, der Zoll und der sozialpsychiatrische Dienst haben – huch, nanu, von wem denn wohl? – ebenfalls Tipps bekommen. Denn auch die dürften sich brennend dafür interessieren. Brandstiftung in Tateinheit mit Ruhestörung, Körperverletzung, Landfriedensbruch und grobem Unfug. Nicht zu vergessen: Raubmord in über tausend Fällen. Sie töten und rauben uns den letzten Nerv.

Bitte ohne Blaulicht

Nur hoffe ich, dass die Polizei leise kommt und ohne Blaulicht. So erwischen sie die Halunken auch besser. Weil sie sie überraschen. Nichtsahnend stehen die vor dem brennenden Haus, das sie selbst angezündet haben und tun so, als ob sie es löschten. Lärmen dabei aber nur weiter wichtig herum, plempern wertvolles Wasser durch die Gegend, blockieren die Straße und belästigen die Anwohner. Alles qualmt, alles ist nass, alles ist zerstört, nicht zuletzt durchs Löschwasser, vor allem durch das Löschwasser.

Mit Spitzhacken kloppen sie die wenigen Möbel entzwei, die noch nicht komplett verbrannt sind. Wer nicht wirklich vollkommen vernagelt ist, sieht spätestens jetzt, was hier für ein kapitaler Bock zum Gärtner gemacht wurde; alles ist hin, es sieht furchtbar aus, die Leute weinen. Die Feuerteufel lachen sich hingegen in ihre verrußten Fäustchen.

Doch dann klicken plötzlich die Handschellen. Und auf einmal brennt den Strolchen selbst gewaltig der Hut. Man kann hier nämlich doch nicht einfach machen, was man will, schau an, wer hätte das gedacht: Eine Demokratie ist eben kein rechtsfreier Raum, ein Rechtsstaat ist kein Tobezimmer für Pyromanen. Darüber nachzudenken, haben die nun viele Jahre Zeit, und ich finde endlich meine Ruhe.

Mit reinem Gewissen wissen

Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • BLUNA, gibt's die noch?



    Wandertage in der Grundschule (Ende 50ziger), Bluna, Libella. Und darauf "eisgekühltes CocaCola, CocaCola eisgekühlt, dazu zwei belegte Brötchen, eins mit Ei, Eis eis .....

  • Ironie bitte kennzeichnen!

    • @Jemandzuhause:

      Was darf Satire? Ist sie ein zweischneidiges Schwert, das mit Bedacht gehandhabt werden will? „Hochverehrtes Publikum (…) bist du wirklich so ein Grießbreifresser?“ (K. Tucholsky).