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Die Kunst der WocheBrust raus!

Feministische Kunst: Die Levy Galerie gibt einen Überblick auf das Werk Renate Bertlmanns. Tanya Leighton präsentiert surreale Bildwelten von Luisa Rabbia.

S charf und spitz ist die Klinge, die aus der rechten Brustwarze des Brüstepaars ragt, das in der Levy Galerie an der Wand hängt. Auch durch die Schaufenster der Moabiter Galerie zieht das herzförmige Wandobjekt Blicke auf sich. Ob man von da aus auch das Skalpell erkennen kann?

Genau hinzuschauen empfiehlt sich ohnehin immer bei den Arbeiten von Renate Bertlmann. „Ex Voto“ stammt aus dem Jahr 1985 und vereint in sich einige der Themen und Widersprüche, an denen sich die österreichische Künstlerin abarbeitet: die Objektifizierung weiblicher Körper, Rollenklischees, der schmale Grat zwischen Erotik und Verletzlichkeit, sexualisierte Gewalt und deren Tabuisierung. Und auch die christliche Kirche.

Bertlmann gehört zu den etwas weniger bekannten unter den Künstlerinnen, für die Gabriele Schor, Kuratorin und Gründungsdirektorin der Wiener Sammlung Verbund, den Begriff der „Feministischen Avantgarde“ geprägt hat. Seit den frühen 1970er Jahren arbeitet sie multimedial. Sie zeichnet, malt, fotografiert – oft sich selbst –, baut Objekte und bildet Assemblagen, seit 1978 unter ihrer selbst definierten künstlerischen Maxime „amo ergo sum“. 2019 war sie die erste Einzelkünstlerin, die den österreichischen Pavillon der Venedig-Biennale gestaltete.

Die Ausstellungen

Renate Bertlmann: „Zärtlichkeit als Widerstand“. Levy Galerie, bis 17. Oktober, Alt-Moabit 110, Mi.–Sa. 11–18 Uhr

Luisa Rabbia: „Containing the Container“. Tanya Leighton, bis 10. Oktober, Kurfürstenstr. 156, Di.–Fr. 11–18, Sa. 13–18 Uhr

Die Ausstellung „Zärtlichkeit als Widerstand“ versammelt 25 Arbeiten, die fast ausschließlich aus den prägenden Jahren der 1970er und 80er Jahre stammen. Immer wieder begegnet man Brüsten, Phalli, Präservativen, Schnullern und Skalpellen, auch allerhand Kitschigem wie Plastikblumen, Glitzer oder Herzen. Nicht nur Provokation, auch Ironie gehört bei Bertlmann immer mit dazu.

Für „Memory“ legte die 1943 in Wien geborene Künstlerin einen Stein, dessen Form an ein Herz erinnert, auf ein samtenes Prachtkissen und stülpte eine Plexiglashaube darüber. Wie die Inszenierung einer Reliquie in einer katholischen Kirche würde das wirken, wäre da nicht ein Fadenkreuz auf der Haube angezeichnet – ein Verweis auf den Machtmissbrauch und die Gewalt, die von der Kirche ausging und -geht.

Weibliche Solidargemeinschaften

Auch die 1970 in Turin geborene und heute in New York lebende Malerin Luisa Rabbia, die aktuell bei Tanya Leighton ausstellt, beschäftigt sich mit Weiblichkeit. Surreale Bildwelten schafft sie, die von der Kraft der Natur erzählen wie von weiblichen Solidargemeinschaften.

Landschaft und weibliche Körper verschmelzen in ihrer großformatigen Malerei und auf kleinen Papierarbeiten ineinander. Verästelte Wälder lösen sich darin auf und verschwimmen mit Darstellungen von Beinen, Rümpfen, Brüsten – mit perfekt gezeichneten Brustwarzen. Überdimensionierte Füße schieben sich unten an den Bildrand, mit einer Kontur fasst Rabbia malerisch mehrere Körper zu einem zusammen. Und der Mond schiebt sich, als sei er der Kopf dieses mystischen Wesens, ganz an die Spitze.

Beate Scheder

Beate Scheder Kulturredakteurin

Redakteurin für Berlinkultur und Theater, freie Kulturjournalistin und Autorin. Kunstkolumnistin für taz Berlin.
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