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Die Kunst der WocheBlutrotes Herz und herzliches Wort gehen ineinander über

Um Liebe von der Metaphysik bis zum Körper geht es in den Zeichnungen vierer Künstlerinnen bei Mountains wie auch bei Mooni Perry im Kunst Raum Mitte.

E s ist lustig, die Weydingerstraße auf dem Weg zur Ausstellung „Lass es Liebe sein“ entlangzulaufen und dabei durch das Schaufenster der Galerie Nagler Draxler die Schriftbilder von Heimo Zobernig zu sehen. Mit transparenter Blockschrift hat er auf der Leinwand nur die Worte „Hamlet total abstrakt“ angebracht. Angesichts der erotischen Zeichnungen in der danebenliegenden Galerie Mountains meint man, Zobernig hätte sich durch die Abstraktion einen kühlen Schutzmantel umgelegt.

Denn bei Mountains geht es konkret, unverfroren und fröhlich zu. Es wird an Nippeln gesaugt, an der Klitoris geleckt, an Schamlippen gezogen. Manch Figuren auf den intimen Zeichnungen haben gleich sechs oder acht Brüste, an denen sich lutschen lässt. „Lass es Liebe sein“ versammelt vier Frauen, die – bis auf die 2022 im Alter von 89 Jahren verstorbene US-amerikanische Wahlberlinerin und Punk-Madame Dorothy Iannone – in den 1940ern geboren wurden und die europäische Frauenbewegung der 1970er Jahre miterlebten.

Monika Maurer-Morgenstern verarbeitet in ihrer autobiografischen Serie mit flüchtigen, farbigen Skizzen von mal aneinander geschmiegten Gesichtern, mal auseinander driftenden Körpern ihre Beziehung zur Schriftstellerin Verena Stefan, bekannt durch ihr Buch „Häutungen“ von 1975. Es geht um Nähe und Zerbrechlichkeit. Renate Bertlmann hingegen nimmt sich das Herz vor. Wie bei der spätmittelalterlichen Biblia Pauperum verbindet sie Bild und Text derart miteinander, dass blutrotes Herz und herzliches Wort fluide ineinander übergehen.

Die Ausstellungen

Mountains: „Lass es Liebe sein“. Mit Martina Kügler, Monika Maurer-Morgenstern, Dorothy Iannone, Renate Bertlmann. Weydingerstr. 6, Mi. – Sa. 12 – 18 Uhr, bis 8. August

Kunst Raum Mitte: „Dissolutions Sequenz II“. Mooni Perry. Auguststr. 21, Mo. – So. 10 – 18 Uhr, bis 4. Oktober

Auch Dorothy Iannone nutzt Worte, um ihre Frauen mit kugelrunden Brüsten und Punkt-Klitoris konkrete sexuelle Anweisungen machen zu lassen: „Put your mouth right here“ lautet eine. Regelrecht versinken kann man in die expliziten, humorvollen, zärtlichen Figuren von Martina Kügler. Wie vielseitig sie weibliches Begehren darstellt und Gesichter, Extremitäten und Geschlechtsteile miteinander zu einer queeren Bildwelt verschmilzt.

Anders bei Mooni Perry

Um Liebe geht es auch bei Mooni Perry, die ist aber weit weg von allen Körperlichkeiten. Liebe sei wie ein Ding, das einfach da ist und formbar, meint die Hauptfigur Sansaee in Perrys Videoinstallation „EL“ im Kunst Raum Mitte. In diesem ruhigen Film, der sich fast nur zwischen Hotelzimmer, leerem Restaurant und Hausfluren bewegt, stößt die südkoreanische Dichterin und Aushilfskellnerin Sansaee auf die chinesische Operndarstellerin Fei. Die eine stets auf Reisen, die andere immer in Gedanken woanders, werden sich die beiden in der Begegnung ihrer Einsamkeit bewusst. Ein Film über An- und Abwesenheit, Traum, Raum und Schwelle.

Perry hat in ihrer Soloschau auch ein Soundarchiv für Unterhaltungsmusik Ostasiens aus den 1930er- und 1940er Jahren aufgebaut. Vor allem weibliche Performerinnen der Choson Operntruppe sind hier zu hören. Klingt ein bisschen nach Rag und Chanson zusammen und erscheint ebenso weit weg, wie die Figuren in Perrys Film.

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Sophie Jung Kunstredakteurin

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