Deutscher Meister wird nur der FCB: Schneckenhetze zur Schale
Fast 100 Tore, gigantischer Vorsprung: Der FC Bayern zieht einsam seine Kreise an der Spitze. So souverän wie andere Dominatoren sind sie aber nicht.
J a, sie haben wieder drei weitere Punkte eingesammelt, die Münchner Gewohnheitsgewinner. 4:0 gegen Union Berlin. Indes: Es war wieder mal nicht der höchste Spieltagssieg. Die avisierten 100 Saisontore sind immer noch nicht geschafft. Und Harry Kanes neuer Toreerzielerrekord (42)? Weiter weg, je näher das Saisonfinale rückt.
Die Tabelle sagt: neun Punkte Vorsprung. Das könnte tatsächlich reichen zum nächsten Meistertitel. Aber das langwierige Procedere ist eines FC Bayern unwürdig. Die Dauermeister mühen sich so zeitlupig zäh zur nächsten Krönung, dass sich Schnecken ob des Tempos beschweren würden. Hatten wir hier nicht vorausgesagt (siehe taz vom 2.1.26), die Ia seid Ias würden am 14. März erster Deutscher Vorfrühlingsmeister? Jetzt ist fast schon Herbst.
Verlegen gucken Uli Hoeneß et al. nach andernlands: In Belgien und den Niederlanden stehen die Zweitliga-Meister (und Aufsteiger) längst fest. In den Niederlanden übrigens, wo dem FC Bayern seit jeher weniger Sympathien entgegenfliegen als bei uns, setzt sich allmählich der Ehrentitel het kwaad für die Münchener durch. Heißt: Das Böse. In der Eredivisie wird spätestens am nächsten Spieltag (vielleicht schon Sonntagabend) die PSV Eindhoven souverän Meister. Schneller als München könnten zudem sein: Dinamo Zagreb in Kroatien, NK Celje in Slowenien, der FC Porto in Portugal, Inter in Italien, Lok Leipzig in der Regionalliga Nordost, sogar Buriram United in Thailand. Demütigend!
Erfolgreicher ist der FC Bayern neben dem Platz. Hat den Münchner Sozen-Oberbürgermeister, diesen roten Schandfleck, so lange mit Nebeneinkünften gepampert, bis das Salär Skandalformat annahm, Sympathiewerte zertrümmerte – und Dieter Reiter in die Stichwahl (nach Redaktionsschluss) musste. Falls München tatsächlich mit einem grünschnabeligen OB klarkommen muss, wird ihn der FC Ruhmreich mit irgendeiner Nebentätigkeit auch noch kleinkriegen. Bis endlich wieder ein richtiges CSU-Mannsbild Rathauschef ist.
Auch die Frauen des FC Bayern sind deutlich weiter, der Titel winkt schon zu Ostern. Die männliche Rumpeltruppe aber stolpert dem Mai entgegen. Und mitten in diese Krisenphase kommt noch das rituelle Aus in der Champions League gegen Real Madrid, am 15. April im Viertelfinale dahoam. Damit ist auch der fünfte Bundesliga-Startplatz weit weg. Aber für andere hat sich der FC Immeralleswegbesiegen noch nie geschert.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert