Deutsche Biathleten am Abgrund: Das Schießen im Walde
Das deutsche Biathlon liegt am Boden. Das Gesicht des Niedergangs: Franziska Preuß. Dabei hat der DSV bereits „Schießakademien“ gegründet.
Nein, man wird beim Thema Biathlon nicht müde, einen der besten, weil lustigsten und treffendsten aller Sprüche zu zitieren, die je über eine Liveübertragung gelaufen sind. Angesichts wieder einmal zu Gold laufender Biathleten unter Schwarz-Rot-Gold sagte einst ein niederländischer Fernsehkommentator im niederländischen Fernsehen auf Niederländisch: „Ja, das können die Deutschen: Schießen und dann schnell in den Wald.“
Gut, das ist wohl länger her, als der Krieg damals her gewesen ist. Mittlerweile scheinen die Deutschen das mit dem Schießen verlernt zu haben, was zivilisatorisch durchaus eine Errungenschaft ist, wintersportlich gesehen aber eher ein Rückschritt. Biathlon, das waren immer auch die Deutschen, ob Männlein, ob Weiblein, nur dieser Tage, in Mailand Cortina 2026, eben nicht mehr.
Schuld daran ist Franziska Preuß, aber natürlich nicht nur. Die mit dem fast königlichen Namen, deren Eltern Elisabeth und Georg heißen, die Doppelweltmeisterin, die bei den Olympischen Spielen bislang nur zweimal Bronze holte, weil ihr in den entscheidenden Momenten der Abzug klemmt.
„Drama um Preuß“, „Ladehemmung, dann Flucht mit dem Arzt“, „Preuß: Schweigen im Walde“, so oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen, weil eine Vorzeigedeutsche, amtierende Sportlerin des Jahres, wiederholt am Schießstand Nerven zeigte, zuletzt bei der Frauenstaffel, wo sie sich von Platz 1 auf Platz 4 fehlschoss.
Gedachte Bank
In den eigens gegründeten Schießakademien brennt jetzt die Hütte, also bei DOSB und DSV, denn Preuß und die Damen sind nicht die Einzigen, die bislang keine Medaillen aus Edelmetall tragen, auch die Herren sind bislang leer ausgegangen, das gab es noch nie (bittere Bilanz: 1x Bronze). Im Massenstart am Samstag – was ist ein Massenstart? Das ist, wenn alle gleichzeitig losrennen – haben Preuß, Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz noch einmal die Chance, das zu ändern; die Männer massenstarten schon am Freitag.
Für Preuß, den Star, die „gedachte Medaillenbank“ (ZDF), die die Malaise in Milano Cortina (genauer gesagt in Antholz) auszubaden hat, könnte es sogar der allerletzte Versuch sein, denn eigentlich wollte sie ihre Karriere zu Saisonabschluss beenden. Ein erneuter Platz 4 wäre ein trauriges Ende.
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