Demogeld für den AfD-Protest: Billig, billiger, AfD
Die AfD zahlt nur 50 Euro Anfahrtsgeld für die Demo in Berlin am Sonntag? Das ist viel zu wenig, findet unser Demogeld-Experte.
Es ist ein Trauerspiel mit dieser Politik von rechts. Sie ist dazu verdammt, an ihrer eigenen Widersprüchlichkeit zugrunde zu gehen. Neuestes Beispiel dieser endlosen Geschichte ist der Versuch der rheinland-pfälzischen AfD, ihre Anhänger zur herbeigesehnten „Großdemo“ nächsten Sonntag nach Berlin zu motivieren. Aufgrund der schleppenden Mobilisierung werden in einem Mitgliederschreiben 50 Euro offeriert, für jeden, der die anstrengende Reise auf sich nimmt. Also, für die ersten 30 Interessierten – mehr als 1.500 Euro ist der AfD ihre Demo dann doch nicht wert.
Demogeld: Richtig, wie so viele Konzepte der Rechten handelt es sich auch hier um eine billige Kopie des linken Originals. Seit einigen Jahren fahren die 48 Busse des Antifa e.V. erfolgreich durchs Land, zusätzlich gezahlt werden übertarifliche Stundenlöhne, und klar, Nacht-, Sonn und Feiertagszuschläge. Wo immer sich Rechte auf die Straße trauen, sind gut motivierte Antifas aus der ganzen Republik schon vor Ort.
Das AfD-Angebot ist, man kann es nicht anders sagen, eine Frechheit. Von der rheinland-pfälzischen Hauptstadt Mainz nach Berlin sind es mit dem Auto 575 km, also locker sechs Stunden Fahrt. One way! 12 Stunden hin und zurück, dazu kommt die eigentliche Demo, also vier bis fünf Stunden sinnloses Herumstehen vor dem Berliner Hauptbahnhof, blockiert von der Antifa. 50 Euro bei 17 Stunden Arbeit macht einen Stundenlohn von 2,94 Euro.
Abzuziehen ist nun noch die Verpflegung: 12,99 Euro für ein Zigeunerschnitzel auf der Raststätte auf dem Hinweg, 13,50 Euro für königsberger Klopse auf dem Rasthof „Fläming Ost“ auf dem Heimweg. Zwei Warsteiner (alkoholfrei) für 8 Euro. Dazu zweimal 70 Cent Sanifair und vergessen, die Gutscheine einzulösen. Da bleibt schon vor Abzug der Spritkosten fast nichts mehr übrig. Kurzum: Es ist ein Minusgeschäft.
Mit ordentlichen Gewerkschaften wäre das nicht passiert, doch da sind wir wieder beim rechten Problem der eigenen Widersprüchlichkeit. Wer war es denn, der die deutschen Gewerkschaften gründlich zerschlagen hat? Bis heute hält sich ganz rechts außen diese Aversion gegen DGB und Co. Wenn am Ende nicht die angemeldeten 12.000 AfDler in Berlin auflaufen, braucht sich die Partei nicht wundern.
Empfohlener externer Inhalt
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt