piwik no script img

Demo in Berlin nach Urteil in UngarnFeuerwerk für Maja T.

Nach dem Urteil gegen die An­ti­fa­schis­t:in Maja T. ziehen Hunderte durch Kreuzberg und Friedrichshain. Die Demo ist wütend – und relativ klein.

Timm Kühn

Aus Berlin

Timm Kühn

„Liebe und Kraft in Untergrund und Haft“ hallt es über das Schlesische Tor in Berlin-Kreuzberg, als sich die Demonstration in Solidarität mit Maja T. aufstellt, nur Stunden nach der Urteilsverkündung in Budapest, wo die Thüringer An­ti­fa­schis­t:in zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Ein rechter Streamer nervt die Antifaschist:innen, filmt sie und ihre Transparente ab. „Halt die Fresse! Verpiss dich!“, wird aus der Demonstration gerufen. Ein Trupp Po­li­zis­t:in­nen kommt herbei, positioniert sich einsatzbereit. Passieren tut dann aber nichts.

Im Vorfeld der Urteilsverkündung gegen T., der Überfälle auf Neonazis am Rande des neonazistischen „Tags der Ehre“ vorgeworfen werden, war von einem „Tag X“ gesprochen worden. Dafür fiel der Protest relativ klein aus. Womöglich hat auch das Urteil von 8 statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten 24 Jahre dazu beigetragen. Etwa 800 Menschen zogen vom Schlesischen Tor im Bezirk Kreuzberg zum Frankfurter Tor in Friedrichshain. Proteste gab es am Mittwoch auch in vielen anderen deutschen Städten, etwa in Hamburg, Leipzig oder Dresden. Überall blieb es friedlich.

In Berlin zieht die Demonstration schnell durch die Straßen der Szenekieze. Viele hier sind offenkundig wütend, schreien ihren Frust in durchgängig lauten Sprechchören in die Nacht hinaus. Für andere ist es eher ein Pflichttermin, ein antifaschistischer Abendspaziergang, bei dem man sich über die neuesten Ereignisse unterhält. Das Publikum ist jung, für eine Demo aus dem Umfeld der autonomen Antifa tragen erstaunlich viele rote Hammer-und-Sichel-Schlauchschals. Immer wieder steigen in der Umgebung der Demonstration Feuerwerksraketen in die Höhe, auch im Frontblock wird Pyrotechnik gezündet.

„Ich kann meine Gefühle kaum in Worte fassen. Ich bin einfach nur wütend und traurig“, sagt ein junger Mensch am Rande der Demonstration zur taz. Schon dass Deutschland Maja T. als nonbinäre Person wirklich ins queerfeindliche Ungarn ausgeliefert habe, sei kaum zu fassen. Und nun das Urteil. Ein Mann in Strickjacke hält ein Schild hoch, auf dem „No Evidence for Prison“ steht. „Das sagt schon alles, oder?“, sagt er, als die taz ihn anspricht. Es sei klar, dass es sich bei dem Urteil um „klassische Repression“ ohne Grundlage handele.

Mehr muss für die Anwesenden dann scheinbar auch nicht gesagt werden. Es gibt keine Redebeiträge, keine Zwischenkundgebungen. Auch die Polizei hält sich zurück. Am Frankfurter Tor angekommen, wird die Demonstration schnell aufgelöst, und die Antifas verschwinden in die Nacht.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

0 Kommentare