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Debatte um Softdrink-SteuerExtra Zucker? Extra teuer

Eine Steuer auf mit Zucker gesüßte Getränke? Der Rückhalt dafür bei Ex­per­t:in­nen und Bevölkerung ist groß. Ärz­t:in­nen fordern nun eine Umsetzung.

Zucker drin, Preis rauf? Das fordern Ex­per­t:in­nen Foto: picture alliance/dpa | Fernando Gutierrez-Juarez

Knapp 4.000 Ärz­t:in­nen haben sich in einem offenen Brief für eine Zuckersteuer ausgesprochen. Hersteller sollten dazu verpflichtet werden, die Abgabe auf „zuckergesüßte Getränke“ zu entrichten, heißt es in dem Schreiben, das die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch initiiert und dafür Unterschriften gesammelt hat. „Bei der Zuckersteuer ist die Lage klar: Ärzteschaft, Fachwelt und eine Mehrheit der Bevölkerung befürworten eine Abgabe auf stark gezuckerte Getränke“, erklärte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und einer der Unterzeichner:innen.

In dem Brief fordern die Unterzeichnenden eine abhängig vom Zuckergehalt gestaffelte Abgabe auf Limonaden und andere mit Zucker gesüßte Getränke wie Limonaden und Energydrinks. Gerade bei Kindern und Jugendlichen trügen diese wesentlich zur täglichen Zuckeraufnahme bei. Damit steige das Risiko deutlich, Karies zu entwickeln sowie an Adipositas oder Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine entsprechende Abgabe setze dagegen einen Anreiz für die Hersteller, den Zuckergehalt zu reduzieren. Damit sinke der Zuckerkonsum in der Bevölkerung, und die entsprechenden Ausgaben des Gesundheitssystems zur Behandlung von Folgeerkrankungen gingen zurück.

Das Schreiben richtet sich an die Mi­nis­ter­prä­si­den­t:in­nen der Bundesländer. Denn derzeit läuft eine Bundesratsinitiative, gestartet von Schleswig-Holstein, für eine entsprechende Abgabe. Auch eine Ex­per­t:in­nen­kom­mis­si­on legte kürzlich in einer Empfehlung zum Senken von Kosten im Gesundheitssystem eine Zuckersteuer nahe. Eine Studie von Wis­sen­schaft­le­r:in­nen der Technischen Universität München kam bereits 2023 zu dem Ergebnis, dass eine entsprechende Abgabe in Deutschland zu durchschnittlich 2 bis 3 Gramm weniger Zuckerkonsum pro Person und Tag führen würde. Innerhalb von 20 Jahren würde die Bevölkerung so bis zu 250.000 gesunde Lebensjahre gewinnen. Zudem würden volkswirtschaftliche Einsparungen von rund 16 Milliarden Euro entstehen.

Widerstand kommt aus der Lebensmittelindustrie. Sie zweifelt den gesundheitlichen Nutzen einer Zuckersteuer an und fordert stattdessen Bildung.

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8 Kommentare

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  • Ich finde süßstoff sollte genau so behandelt werden. In England ist zwar weniger Zucker drin. Alles aber auch alles ist mit süßstoff gepunched. Endeffekt? Schmeckt genau so Süß nur jetzt mit mehr Krebs und unangenehmen Nachgeschmack.

  • Die Steuer wirkt:



    Studie 2023!



    "Studie der Universität Cambridge: Britische Kinder profitieren gesundheitlich von Zuckersteuer



    Wie Forscher*innen der Universität Cambridge nachgewiesen haben, konnte nach Einführung der Zuckersteuer in Großbritannien die absolute tägliche Zuckeraufnahme aus der gesamten Ernährung deutlich gesenkt werden: bei Minderjährigen von 62,4 auf 47,8 Gramm und bei Erwachsenen von 57,9 auf 47,9 Gramm. „Die Untersuchung bestätigte, dass die Einführung der britischen Zuckersteuer zu einer reduzierten Kontaktaufnahme geführt hat“, so die Experten."



    Quelle kzvbw.de



    Original:



    jech.bmj.com/conte...23-221051.full.pdf

  • Soll das Gesundheitsargument gelten, so ist nicht "gezuckert" (also mit Zucker versetzt) relevant, sondern zuckerhaltig. Dann wäre Honig ebenso zu besteuern wie Backzucker oder der Zucker zum Kaffee (> 99% Zucker) und Apfelsaft und CocaCola (> 100g / Liter). Zuckerersatzstoffe könnten/müssten dann - da ebenso gesundheitsschädlich - gleich mit besteuert werden. Wo soll man da anfangen - und wo soll das enden?

    Und noch eine Bemerkung zu den 4.000 unterzeichnenden Approbierten für diese Forderung: Laut Bundesärztekammer sind aktuelle in Deutschland rund 581.000 Ärztinnen und Ärzte registriert - diese Forderung" kann sich also auf gerade einmal < 1% stützen.

  • Was für eine verlogene Debatte.



    Zucker wird bei so vielen Lebensmitteln zugesetzt, ohne dass dies den Konsumenten überhaupt bewusst ist:



    - Wurst



    - abgepacktes Brot, Knäckebrot



    - verarbeitete Lebensmittel



    - Müsli



    - Milchprodukte

    Niemand wird sich durch die Verteuerung von Softdrinks gesünder ernähren.

    Es ist einfach nur eine weitere Maßnahme, um Einnahmen für den Staat zu generieren.

    • @Desti:

      Die Erfahrungen in GB zeigen sehr wohl Wirkung. Es ist etwas ganz anderes, irgendeine süße, überzuckerte Plärre gezielt an Kids zu verkaufen, als Knäckebrot mit etwas Süße. Der Staat ist genau dazu da, Steuern einzusetzen um gewisse Strömungen zu STEUERN - dehalb nennt man das so. Diese Einnahmen dienen letztendlich allen Bürger*innen, in diesem Zusammenhang geradezu vorbildlich.

  • Wenn die Hersteller dann auf Zuckerersatzstoffe wird der Gesundheitseffekt wohl auch nicht erreicht.

  • Die Lebensmittelindustrie fordert Bildung. Soso! Selbst hochgebildeteLeute werden von Werbung beeinflusst und das möchten die Unternhemen gerne weiter ausnutzen, zumal man Kinder anspricht. Da unsere derzeitige Lobbyregierung das Augenmerk primär auf Profite der Wirtschaft hat und mitnichten auf das Wohl des Volkes, dürfte es kein Problem sein, sich durchzusetzen.

    • @Perkele:

      Ich glaube, dass mittlerweile die effektivsten Psychologen für die Werbung arbeiten. Und Kinder sind eine lohnende Zielgruppe, denn immer weniger Eltern interessieren sich für das, was ihre Kinder beeinflusst oder prägt, solange sie selbst nicht auch noch damit belästigt werden.