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Daten zu tödlichem RadverkehrZu viele kommen unter die Räder

Seit 2015 ist die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrenden um 20 Prozent gestiegen. Dabei spielen E-Bikes eine zentrale Rolle.

Immer mehr Radfahrer und Radfahrerinnen sterben im Straßenverkehr Foto: Marcus Golejewski/dpa

Aus Berlin

Evke Bakker

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrer um 20,6 Prozent gestiegen. Von den 2.025 verunglückten Verkehrsopfern war jedes sechste mit dem Rad unterwegs. Das geht aus neuen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor.

Verknüpft ist dieser Anstieg mit dem Boom von E-Bikes. Insgesamt kamen im letzten Jahr 462 Fahrradfahrende ums Leben, 217 von ihnen waren mit einem E-Bike unterwegs. 2015 waren unter 383 verunglückten Fahr­rad­fah­re­r:in­nen 36 E-Bikes.

Um sicheren Straßenverkehr zu erreichen, braucht es vor allem den politischen Willen, die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern ernst zu nehmen

Caroline Lodemann, Geschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC)

Mit 61,5 Prozent war die Mehrheit der verunglückten Fahrradfahrenden 65 Jahre oder älter. „In diesem Alter verlaufen Unfälle oft schwerer als bei Jüngeren“, erklärt Anika Meenken, Sprecherin vom Verkehrs Club Deutschland (VCD) der taz. Zudem locken E-Bikes auch viele Neu- und Wiederaufsteiger an, die das Radfahren – vor allem mit hoher Geschwindigkeit – nicht gewöhnt sind.

Laut Meenken ist der Anstieg nicht überraschend: Es bestehe ein Zusammenhang zwischen steigenden Unfallzahlen und Zunahme der Fahrrad-Personenkilometer. „Das ist ein Zusammenhang, der voneinander entkoppelt werden muss.“ Um diesen Automatismus zu beenden, schlägt Meenke die konsequente Förderung von Radwegenetzen und sicherer Kreuzungen vor. Gerade das seien gravierende Unfallschwerpunkte.

Nicht einschüchtern lassen!

Seit 2015 waren bei knapp 70 Prozent der tödlichen Radunfälle, an denen eine weitere Person beteiligt war, ein:e Au­to­fah­re­r:in dabei. Bei knapp drei Vierteln der Unfälle zwischen Auto und Fahrrad trugen die Au­to­fah­re­r:in­nen die Hauptschuld.

Um dieses Problem einzudämmen, sei die Einführung von Tempo 30 innerorts ein wichtiger Ansatz. Auch das Anheben von Bußgeldern und Strafen für verkehrsgefährdendes Verhalten sowie verpflichtende Abbiegeassistenzsysteme könnten die Straßen für Radfahrende sicherer machen.

Angela Francke, Fachgebietsleitung Radverkehr und Nahmobilität von der Uni Kassel, erklärte der taz: „Die Zahlen sind abschreckend. Jeder Verkehrstote ist einer zu viel.“ Dennoch sei es wichtig, dass sich weder Radfahrende noch politische Entscheidungsträger von ihnen einschüchtern lassen. Denn der allgemeine Gesundheitseffekt der E-Bikes sei nicht zu unterschätzen.

Caroline Lodemann, Geschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) verdeutlicht mit dem Beispiel Helsinki, dass ein sicherer Straßenverkehr möglich ist. „Um das zu erreichen, braucht es vor allem den politischen Willen, die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern ernst zu nehmen.“

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