Das war „Euphoria“: Wer am Ende immer gewinnt
Rohe Gewalt, explizite Sexszenen: In der letzten Staffel gibt „Euphoria“ nochmal alles. Und will sogar den Weg zur Erlösung ebnen – auf US-Art.
Ein Western Stand-Off in einem Stripclub, mitten in der kalifornischen Wüste, armenische Mafiosi und ein Bandenkrieg zwischen Nazi-Drogendealern und Schwarzen Frauenhändlern, untermalt mit Musik von Hollywoods Star-Komponist Hans Zimmer: Das ist kein neuer Film von Regisseur Quentin Tarantino, sondern die dritte Staffel der HBO-Serie „Euphoria“.
Die Serie konfrontiert ihre Zuschauer:innen seit der ersten Staffel mit krassen Bildern. Die Highschool Schüler:innen nehmen Drogen, feiern wilde Parties und haben viel Sex: miteinander, mit Erwachsenen, für Pornoseiten.
Maßgeblich für den Erfolg und Kultstatus der Serie ist vor allem die Äesthetik: Lilafarbenes Licht betont die mascaraverschmierten, glitzernden Augen und auch der Musiker Labrinth ist zentral für „Euphoria“.
Die Sterne für die dritte Staffel standen jedoch nicht gut: Nachdem Zendaya als Producerin für die letzte Staffel ausstieg und auch Labrinth über einen Instagram Post mitteilte, dass er nicht mehr dabei sein würde („DOUBLE FUCK EUPHORIA. I'M OUT.“), dem Regisseur Sam Levinson vorgeworfen wurde, die Ästhetik der Serie von der Fotografin Petra Collins übernommen zu haben und vom ehemalig großen Cast nur noch eine Handvoll dabei sein würde, stellte sich die Frage, wie Levinson den Kult der Serie erhalten wollen würde.
Jesus Saves and Sex Sells
Der Fokus der letzten Staffel liegt auf Rue, die kein einfaches Leben führt. Um ihre Schulden bei der rechtsextremen Drogendealerin Laurie abzubezahlen, schuftet Rue für sie als Schmugglerin. Dabei schluckt sie mit Drogen gefüllte Luftballons und scheidet diese später aus, um die Drogen für den Verkauf abzupacken. Spätestens als Rue auf der Rückfahrt nach einem Drogenschmuggel auf einer ultra-christlichen Farm in Texas rastet, wird ihr klar, dass sie sich mehr vom Leben wünscht: Auch sie möchte zu Gott finden.
Als Rue Alamo Brown kennenlernt, kommt ihr die Begegnung wie eine göttliche Fügung vor, denn der Stripclub-Inhaber und Frauenhändler kauft Rue frei. Sie kümmert sich fortan um die Stripperinnen, fährt bei Drogendeals mit und findet ihre Arbeit nicht moralisch verwerflich – trotz religiöser Erleuchtung.
Levinson lässt hier keine Chance aus, um die Stripperinnen in den Fokus der Kamera zu rücken: Tänze an der Pole-Stange, private Lap Dances, und auch Sex-Szenen, bei der oft eine Frau mehrere Männer gleichzeitig befriedigen muss, finden sich in fast jeder Folge.
An der Formel „Sex Sells“ klammert sich Levinson in der letzten Staffel besonders. Er erzählt auch die Geschichte von Jules Vaughn, die statt an die Kunstuni zu gehen, sich als Sugar Baby eines verheirateten Mannes finanziert. Auch Cassie Howard geht in die Sexarbeit: Sie stellt nach ihrer Heirat mit Nate Jacobs fest, dass ihr Mann Schulden in Millionenhöhe angehäuft hat. Um da rauszukommen, eröffnet sie ein „OnlyFans“ Konto, und arbeitet als Camgirl.
Cassie dreht Videos beim Masturbieren mit diversem Sexspielzeug, verschickt ihre gebrauchte Unterwäsche und stellt Fantasien von zahlenden Männern nach – auf Anweisung ihrer Freundin und Managerin Maddy Perez. Gemeinsam bauen sie ein Camgirl-Imperium auf: Junge Mädchen wohnen und arbeiten in Cassies Villa, die beiden stecken sich einen tüchtigen Prozentsatz des Erwerbs ein.
Cassies Mann Nate wird währenddessen von dem armenischen Kriminellen Naz bedroht. Naz investierte anfangs in Nates Bauprojekt und fordert nun immer höher werdende Summen von Nate zurück. Da Nate zahlungsunfähig ist, wird er von Naz und seinem Gehilfen Artur gefoltert und lebendig begraben.
Diese letzte Staffel möchte Erlösung durch Religion zeigen, Sexarbeit kritisieren und auf die Fentanylkrise in den USA aufmerksam machen, reproduziert dabei jedoch Sexismus, Gewalt und patriarchale Macht. Was Levinson aber gelingt: Am Ende gewinnen in den USA nur die Männer mit der Knarre – oder die Mormonen.
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