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Das letzte Urteil

Wer sind die Menschen, die im Iran hingerichtet werden? Vier Schicksale, die zeigen, mit welcher Willkür das Regime gegen seine Bürger vorgeht

Der aktuelle Stand im Iran-Krieg

Angespannte Lage trotz Waffenruhe

Auch Monate nach Inkrafttreten der Waffenruhe Anfang April bleibt eine politische Lösung im Iran-Krieg aus. US-Präsident Donald Trump schloss eine Wiederaufnahme der Kämpfe zuletzt nicht aus und äußerte Zweifel an neuen Vorschlägen aus Teheran. Gleichzeitig verschärften beide Seiten ihre gegenseitigen Drohungen. Besonders umstritten bleibt die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltransporte weltweit.

Neue Drohungen aus Washington und Teheran

Trump bezeichnete eine Rückkehr zum Krieg als mögliche „Option“. Vertreter der Revolutionsgarden und des iranischen Militärs warnten ihrerseits vor einer erneuten Eskalation und drohten den USA indirekt mit militärischen Konsequenzen.

Streit um die Straße von Hormus

Teheran fordert unter anderem ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen. Gleichzeitig plant das iranische Parlament strengere Kontrollen in der Straße von Hormus, die für den weltweiten Ölhandel von zentraler Bedeutung ist. Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi zudem die sofortige Öffnung der Meerenge sowie einen vollständigen Verzicht Irans auf Atomwaffen.

Weitere Sanktionen der USA

Die Vereinigten Staaten verschärften zuletzt ihre Sanktionen gegen iranische Unternehmen. Zudem warnte Washington internationale Reedereien davor, Gebühren oder Zahlungen an iranische Stellen für die Passage durch die Straße von Hormus zu leisten. (afp)

Von Mahtab Qolizadeh

Nach den Protesten im Januar 2026 taucht auch ihr Name erstmals öffentlich auf. Nicht als der einer politischen Aktivistin, sondern als der einer Frau, gegen die plötzlich ein Todesurteil im Raum steht. Über ihr Leben ist kaum etwas bekannt.

Berichten zufolge wurde Hemmati in Teheran festgenommen und später vor die 26. Kammer des Revolutionsgerichts gebracht. Die ihr zur Last gelegten Vorwürfe werden mit undefinierten Begriffen wie „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ oder „Zusammenarbeit mit einem feindlichen Staat“ angegeben. Beweise und Verhörbedingungen blieben ebenso im Dunkeln wie die Frage, ob sie sich frei verteidigen konnte.

Es gibt keine Berichte, die darauf hindeuten, dass Hemmati an organisierter Gewalt beteiligt war oder dass sie in anderer Weise eine Gefahr für die Gesellschaft gewesen sein könnte. Hemmati führte ein eher gewöhnliches Leben für eine Frau in Iran. Auch ihre Familie steht nun unter enormem Druck: die Angst vor einer möglichen Hinrichtung, die Ungewissheit und die Kosten des Verfahrens. Das ist aber der Kern des iranischen Justizwesens, welches Bestrafung über Transparenz stellt.

Der 27-jährige war Architekturstudent an der Shahroud-Universität in Isfahan. Aqil Keshavarz führte das Leben vieler Studenten: Vorlesungen, Projekte, Prüfungen. Im Frühjahr 2025 wurde er in Urmia festgenommen, nachdem er ein Militärgebäude fotografiert hatte. Die Behörden beschuldigten ihn später der Spionage für Israel und warfen ihm vor, für den Mossad in mehreren iranischen Städten tätig gewesen zu sein.

Die Behörden beschuldigten ihn später der Spionage für Israel und warfen ihm vor, für den Mossad in mehreren iranischen Städten tätig gewesen zu sein. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass Keshavarz während der Verhöre in einer Haftanstalt der Revolutionsgarden in Urmia gefoltert wurde, um ein Geständnis zu erzwingen. Im Spätsommer 2025 verurteilte die erste Kammer des Revolutionsgerichts in Urmia ihn zum Tode. Am 18. Dezember wurde er in Einzelhaft ins Zentralgefängnis von Urmia überführt. Zwei Tage später, in den frühen Morgenstunden des 20. Dezember 2025, wurde das Urteil vollstreckt. Seine Zugehörigkeit zu einer militanten Gruppe wurde nie bestätigt, ebenso wenig wie eine Zusammenarbeit mit dem Mossad. Aqil Keshavarz war ein junger Mann, der gerne fotografierte.

Amirhossein Hatami studierte Industriedesign an der Universität Teheran. Der 18-Jährige wurde am 8. Januar 2026 während der Demonstrationen in Teheran festgenommen. Die Behörden warfen ihm vor, an einem Brand in einer Basis der Basij-Milizen im Osten der Stadt beteiligt gewesen zu sein.

Menschenrechtsorganisationen zufolge sollen Amirhossein und sechs weitere Angeklagte das Gebäude erst betreten haben, als es bereits brannte. Eine Beteiligung an der Brandstiftung wird bestritten. Wenig später brach ein zweites Feuer aus, aus dem die sieben nicht mehr entkommen konnten.

Ein Anwalt seiner Wahl wurde ihm verweigert; stattdessen erhielt er einen Pflichtverteidiger. Zehn Tage nach der Festnahme sendeten staatliche Medien Geständnisse von fünf Angeklagten. Inoffiziellen Quellen zufolge waren sie unter Druck entstanden. Der Prozess fand am 6. Februar vor der 15. Kammer des Revolutionsgerichts in Teheran statt, das alle sieben Angeklagten wegen „Feindschaft gegen Gott“ (Moharebeh) zum Tode verurteilte. Am 31. März kam Amirhossein in Einzelhaft. In den frühen Morgenstunden des 2. April wurde er hingerichtet. 84 Tage lagen zwischen seiner Festnahme und seinem Tod.

Der 55-jährige Mehdi Farid arbeitete fast sein gesamtes Leben im iranischen Nuklearsektor. Der Mann aus Arak war zuletzt Leiter einer passiven Verteidigungseinheit innerhalb der Atomenergieorganisation.

Kollegen beschreiben ihn als pflichtbewusst und zurückhaltend. Sein Leben spielte sich zwischen Arbeit und Familie ab. Nachbarn erinnern sich an einen ruhigen Mann, der freundlich grüßte und kein Aufsehen machte. Kurz vor seiner Festnahme im Juni 2023 sollen sich ihm laut Menschenrechtsberichten Personen genähert haben, die behaupteten, für den israelischen Geheimdienst zu arbeiten.

Mehdi Farid meldete den Kontakt den iranischen Sicherheitsbehörden, gab das erhaltene Geld zurück und kooperierte uneingeschränkt. Dennoch würdigte das Gericht diese Kooperation nicht und verhängte die Todesstrafe. In den frühen Morgenstunden des 22. April 2026 wurde Mehdi Farid im Qezel-Hesar-Gefängnis in Karaj hingerichtet. Er war kein Straßenprotestler, kein politischer Aktivist, sondern ein gewöhnlicher Angestellter.

Aus dem Englischen: Lisa Schneider

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