Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Liebling der Allergrößten
Neben Gianni Infantino wollen alle sitzen, die Rang und Namen haben. Könige, Prinzessinnen und viele andere. Die Liste ist lang.
Foto: Ashley Landis/ap/dpa
22. Juni 2026
D ie japanische Prinzessin Hisako Takamado ist eine fantastische Persönlichkeit. Es ist überwältigend, wie viel sie über Fußball weiß – fast so viel wie ich. Mit einem bezaubernden Lächeln hat sie mir gestanden, wie sehr sie sich freut, anlässlich des 1.000. WM-Spiels neben mir sitzen zu dürfen. Bis zum 2.000. WM-Spiel ist es nicht mehr lange, habe ich ihr gesagt, und ihr in Aussicht gestellt, dann wieder Platz neben mir nehmen zu dürfen. Hisako Takamado ist Schirmherrin des japanischen Fußballverbands. Im Grunde genommen bin ich so etwas wie ihr Chef. Aber das habe ich ihr natürlich nicht gesagt. Demut ist in meinem Amt wichtig.
Aber wie ihr geht es mittlerweile vielen berühmten Persönlichkeiten. In Boston, vielleicht war es auch Houston, durfte dieser bärtige König der Niederlande neben mir sitzen – mit seiner ganzen Familie! Er war ganz aufgedreht und hat ständig versucht, witzig zu sein, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Salma Hayek, die Königin der Schauspielkunst, hat sich mit mir fotografieren lassen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat sie gesagt, dass dies einer ihrer glücklichsten Tage gewesen sei. Und Shakira, die Königin der Musik, stalkt mich ja geradezu.
Bild: Rattelschneck
Gianni Infantino ist immer am Ball. Überall. Bei der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA natürlich erst recht. Da kommt niemand mehr hinterher. Außer der Fifa-Präsident selbst. Vielleicht. Die taz hat Zugang gefunden zu seinem geheimen Tagebuch. Alle Tagebucheinträge finden Sie hier.
Meine Eltern habe ich vor ein paar Jahren schon so stolz gemacht. Papst Franziskus hat mir eine Audienz gegeben und ich ihm eine. Wir waren beide so glücklich und haben uns ein wenig um unsere Ämter beneidet. Papst Gianni der Erste – das würde mir auch gefallen.
Toller Auftritt schon bei der Geburt
Dass ich heute bei den Blaublütigen und wichtigsten Menschen so beliebt bin, hat sich früh abgezeichnet. Denn mein Blut ist ganz besonders. Immer wieder lese ich gern die Zeitungsberichte zu meiner Geburt. Ich habe die Mappe auch hier bei der WM dabei. Meine Ankunft in dieser Welt sorgte sogleich für Schlagzeilen. Was für ein Auftritt!
Wegen Gelbsucht brauchte ich Spenderblut und dabei wurde festgestellt, dass ich eine extrem seltene Blutgruppe habe. Es war ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit. Dass ich zu etwas Besonderem auserkoren bin, war mir schon ins Blut geschrieben. Niemand konnte das damals ahnen, weil ich ja nur ein Kind von italienischen Gastarbeitern war. Aber auch Jesus ist in bescheidenen Verhältnissen zur Welt gekommen.
Mal sehen, wem ich während dieser WM noch meine Nachbarplätze anbiete. Die Liste der Bittsteller ist lang, habe ich mir sagen lassen. Der aktuelle Papst ist leider noch nicht dabei. Und Donald habe ich gesagt, dass ein Platz neben mir immer für ihn reserviert sein wird. Aber er hat so eine Angst, dass die USA ausgerechnet verliert, wenn er da ist. Vielleicht kann ich die Vergabe des Fifa-Fair Play-Preises auf das WM-Finale vorziehen und für die USA reservieren. Weil die US-Fußballer dann bereits im Urlaub sind, könnte ich den Preis stellvertretend Donald aushändigen. Das ist wieder eine fantastische Idee von mir. Ich muss ihn gleich anrufen.
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