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Fragwürdiger japanischer GeldgeberRechter Müll

Ein Sponsor des japanischen Teams verteilt bei der WM für die Fans Mülltüten. Sonst verbreitet das Unternehmen gern auch nationalistisches Gedankengut.

Martin Fritz

Aus Tokio

Martin Fritz

Seit der Weltmeisterschaft 1998 ernten japanische Fußballfans internationale Bewunderung, weil sie nach dem Abpfiff ihren Müll in mitgebrachten blauen Plastiktüten einsammeln und saubere Ränge hinterlassen. Diese Tüten sind mehr als nur Müllbeutel: Während des Spiels blasen die Fans sie auf und halten sie hoch, um einen einheitlich blauen Unterstützerblock zu bilden. Die Farbe verweist auf den Teamnamen Samurai Blue. Bei Abendspielen leuchten die Tüten blau, wenn Fans das Licht ihrer Smartphones dahinter halten.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Bei dieser WM unterscheidet sich das Ritual in einer Kleinigkeit von den vorherigen: Diesmal kommen die blauen Plastiktüten überwiegend aus einer Quelle. Das japanische Unternehmen APA, Betreiber einer Hotelkette, produzierte 15.000 Tüten mit dem Aufdruck „Japan Pride. Japan kann noch stärker werden“. Unterstützergruppen verteilen sie dann am Stadioneingang an die Fans. Die APA-Gruppe sponsert Japans Fußballnationalmannschaft. Ihre 347 Hotels mit 84.000 Zimmern sind wegen niedriger Preise und gutem Service bei ausländischen Touristen und Einheimischen beliebt.

Doch der Gründer und Chef von APA, Toshio Motoya, fiel in der Vergangenheit durch offen revisionistische und antisemitische Aussagen auf. Seine Firmengruppe verfolgt über ihre Stiftung „Japan Revival Foundation“ das Ziel, Japan „von einer selbstkritischen Geschichtsauffassung zu befreien und den Stolz auf unser Land zurückzugewinnen“. Sie vergibt einen Essaypreis für eine „wahre Sicht auf die moderne und historische Geschichte“. Das Engagement von APA für einen positiven Nationalismus, der durch Stolz auf sportliche Erfolge gestärkt werden soll, erhält dadurch einen unangenehmen Beigeschmack.

Auf der Plattform X gab es entsprechende Kritik. „Die Fans werden benutzt“, schrieb ein User. „Durch die Werbung für APA vergeht mir die Lust am Zuschauen“, bemerkte ein anderer. Eine Nut­ze­r:in verteidigte das Sponsoring: „Wer sagt, APA unterstütze die blauen Mülltüten nur aus Profitinteresse – beschwert ihr euch auch über die (kostenlos verteilten) Fächer beim lokalen Sommerfest, auf denen die örtliche Bank steht?“

Mit dem Markenspruch des Sponsors

Der Gründer und Chef von APA fiel in der Vergangenheit durch offen revisionistische und antisemitische Aussagen auf

Ebenso problematisch scheint zu sein, dass APA den Slogan „Japan Pride“ im März 2023 als identische Markenbotschaft für Unternehmen und Nationalmannschaft einführte. Beim Abschluss des Sponsorvertrags sagte CEO Kazushi Motoya, er teile den Gedanken, dass Japan noch stärker werden kann. APA wolle mit dem Slogan international auftreten. Der damalige Präsident des Fußballverbandes JFA machte sich den Markenspruch des Sponsors zu eigen: APA und JFA würden ihre Ressourcen verbinden und „neue Werte“ schaffen, erklärte Kozo Toshiba.

Das Unternehmen betreibt bis heute eine Website mit „Japan Pride“ als Markenkonzept. Der Begleittext zu einem Foto mit Nationaltrainer Hajime Moriyasu und einigen Spielern strahlt Patriotismus aus: APA wolle mit der Nationalmannschaft und mit Menschen, die an Japan glauben, ein „starkes Japan“ unterstützen. Seit Oktober können sich Besucher und Gäste in 46 Hotels vor einer Leinwand mit einigen bekannten Spielern unter dem Slogan fotografieren lassen. Anfang Juni verlängerten APA und JFA die Partnerschaft bis 2030. JFA-Präsident Tsuneyasu Miyamoto dankte APA dafür, mit dem Motto „Japan Pride“ die Stimmung zur Unterstützung der Nationalmannschaft zu fördern.

Motoya, der im Februar mit 82 Jahren verstarb, veröffentlichte in der konzerneigenen Zeitschrift Apple Town unter dem Pseudonym Seiji Fuji politische Essays mit rechten Thesen. Er behauptete, Japans Eintritt in den Zweiten Weltkrieg sei gerecht gewesen, da man auf Provokationen reagiert habe. Japanische Kriegsverbrechen wie das Massaker von Nanking seien chinesische und koreanische Propaganda. Eine mehrsprachige Sammlung dieser Essays liegt in jedem APA-Hotelzimmer aus. Auf Kritik reagierte das Unternehmen mit dem Hinweis auf Motoyas Recht auf freie Meinungsäußerung. Für seine Behauptung, „jüdisches Kapital“ stecke hinter allen US-Kriegen, entschuldigte er sich jedoch.

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1 Kommentar

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  • Allüberall rechteDüsternis!