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Darts-WM in LondonSport zum Staunen

Überlegen gewinnt Luke Littler den WM-Titel im Darts. Das Turnier liefert wie üblich kuriose Geschichten und erfreut sich steigender Popularität.

Treffsicher: Luke Littler bei seiner Arbeit als Darts-Profi im Alexandra Palace Foto: dpa

Am Ende ging es schnell. Luke Littler, fast 19 und Titelverteidiger, zog nach anfänglichen Schwierigkeiten rasch auf und davon und besiegte seinen 23 Jahre alten Herausforderer Gian van Veen aus den Niederlanden im „jüngsten Finale aller Zeiten“ bei der Darts-WM 2026 im Londoner Alexandra Palace recht deutlich mit 7:1.

Es war ein Statement, eine Demonstration. Während Littler mit sehr hohen Aufnahmen durchzog, schwächelte van Veen ausgerechnet auf den Doppelfeldern, mit denen er bislang so erfolgreich durchs Turnier gezogen war. Tatsächlich hatte man ihm es am ehesten zugetraut, das junge Genie aus England vom Thron zu stoßen.

Immerhin hatte er dessen Vorgänger als Weltmeister, Luke Humphries, aus dem Turnier genommen und in einem packenden Halbfinale Altmeister Gary Anderson niedergerungen. So aber bleibt „kleines dickes Littler“ unangefochten an der Spitze des ehemaligen Kneipensports. Mit dem Titel am Samstagabend ist er nebenbei um eine satte Million Pfund Sterling reicher geworden.

Was zeigt: Darts boomt weiter und weiter. Der Weltverband PDC möchte die Preisgelder nach und nach angleichen, also auch die Satellitenturniere während des Kalenderjahrs an die WM anpassen, die weiterhin das Aushängeschild des Darts sein wird, das Turnier, das am meisten Zuschauer vor Ort und an den Bildschirmen zieht.

Progammiertes Wachtum

Die Weltmeisterschaft, die am 11. Dezember begonnen hatte, war die bislang größte der Geschichte: Es nahmen 128 Pfeilwerfende teil, darunter fünf Frauen und acht deutsche Herren. Ende dieses Jahres, wenn die Darts-WM 2027 an den Start geht, wird die Teilnehmendenzahl zwar dieselbe sein, und auch wird der Traditionskultort, der Alexandra Palace in London, weiterhin als Spielstätte fungieren; allerdings wird der Tross dann in die größere, fast doppelt so große Halle umziehen: Statt bis zu 3.500 werden dann über 5.000 Zuschauer bei einer Session mitfeiern können. Auf Englisch: „Great Hall“ statt „West Hall“, und das bis mindestens 2031.

Tatsächlich ist es bislang nicht wirklich vorstellbar, dass das Darts mal durchhängt. Das Finale am Samstag war nicht nur das jüngste aller Zeiten, es wurde auch sonst ein Generationswechsel behauptet und hier und da auch vollzogen: Es war die letzte WM des „Masters of Ceremony“, des Hallensprechers John McDonald, und auch die letzte das Final-Callers George Noble.

Doch die wesentlichen Strukturen blieben dieselben: England dominiert das Feld, gefolgt von Schottland und den Niederlanden. Deutschland wird zwar präsenter, schafft aber noch nicht den Durchbruch. Die Männer aus den anderen Ländern fungieren oft als Exoten. Hier und da springt eine lustige Geschichte dabei heraus (wie die von Paul Lim aus Singapur, der seinen eigenen Rekord des ältesten siegreichen Spielers auf 71 Jahre hob). Es gab einen Dopingfall, und es gab fünf antretende Frauen, von denen es leider keine einzige schaffte, einen Mann zu bezwingen.

Littler ist erst 18 – dem Dartssport könnten Jahre der Dominanz bevorstehen

Littler und der große Rest

Auch bei den Spielern tat sich nicht so viel: Zwar startete van Veen als amtierender Juniorenweltmeister erstmals bis ins Finale durch – vorher schied er zweimal in der ersten Runde aus. Und es ist wohl so, dass auch künftig das Feld von Littler, dann van Veen und Humphries dominiert wird.

Dahinter aber tummelt sich Altbekanntes: Gary Anderson, 55, überzeugte noch im Halbfinale; Ex-Champ Rob Cross war der einzige, der Littler ernsthaft gefährden konnte. Weh tat, andere ehemalige Größen bei ihrem Niedergang zusehen zu müssen, wie dem Niederländer Raymond van Barneveld oder dem Schotten Peter Wright. Auch Michael van Gerwen, der lange die Darts-Welt dominiert hat, reiht sich inzwischen unter ferner liefen ein.

Luke Littler hingegen ist der verdiente Sieger. Er punktet inzwischen nahezu, wie er will. Allein der 9-Darter, also das perfekte Spiel, wollte ihm nicht gelingen. Immerhin zog er im Finale einmal den „Big Fish“, heißt, er konnte ein Spiel mit einer 170 beenden. Bedenkt man, dass er erst 18 Jahre alt ist, könnten Jahre der Dominanz bevorstehen – der ehemalige Dauerweltmeister Phil Taylor grüßt vom Altenteil.

Der Rest der WM war Feiern: Einlaufmusik, Hupfdolls, oft vollschlanke Männer mit Arbeiterklassenhintergrund, die auf die Bühne steigen, um Pfeile zu werfen, und die drei bis vier Standardnummern, die vom trinkseligen Publikum – etwas feindseliger als sonst – gerne mal ein Spiel hindurch gesungen werden. Es ist ein erstaunlicher Sport, und das bleibt auch so.

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1 Kommentar

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  • van Veen lieferte nicht im Lauf zum Finale immer überzeugende Würfe. Der braucht wohl noch lange. Landeskollege van Gerwen etwa hätte ihn wohl locker besiegt, wurde aber von einem starken Anderson rausgeworfen.