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Damals in BerlinEcht jetze?

Manche Straßenszenen werden nicht alt. Erinnerungen an einen Kreuzberger Dialog.

K reuzberg 36, irgendwann Ende der 1990er. Ich stehe vorm Search & Destroy am Heinrichplatz, der jetzt Rio-Reiser-Platz heißt, und rauche eine Zigarette. Prince Denmark, die Blauen. Nicht wirklich Pause, aber es ist nichts los und so stehe ich auf den Stufen vor dem Laden und vertreibe mir die Zeit rauchend und warte auf Kundschaft. Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen bisher kaum etwas verkauft wurde, aber man weiß ja nie.

Es ist Sommer, hier und da flanieren ein paar Leute über den Platz. An der Ampel steht der 129er-Doppeldeckerbus und wartet auf Grün. Am Achteck-Imbiss ist – wie eigentlich immer – eine wirklich lange Schlange. Die Leute stehen nach Sandwiches an. Ich überlege, ob ich jetzt auch Hunger habe. Aber dann müsste ich kurz den Laden zumachen – und wenn aber genau dann jemand etwas kaufen will? Hm, ich entscheide mich erst einmal gegen das aufkommende Hungergefühl und verzögere stattdessen meine Zigarette noch ein bisschen.

Kurz darauf kommen zwei, ich würde sagen, recht speziell sommerlich gekleidete Damen um die Ecke in meine Richtung. Beide in kurzen, laut-bunten Kleidern. Schminke, auffällig viel. Aufgebrezelt, so um die Ende Vierzig. Sie unterhalten sich, während sie an mir vorbeigehen. Sagt die eine so zur anderen: „Ick hab da so’n neuet Shampoo entdeckt, is super und auch voll jesund für die Haare!“. Die andere so: „Echt jetze?“ „Ja voll – auch so mit ethische Öle!“.

Meine Zigarette ist bald aufgeraucht. Ich grinse nun breit vor mich hin, schaue den Zweien etwas verwirrt-belustigt hinterher und beschließe, mir jetzt vielleicht doch ein Mozzarella-Sandwich vom Achteck zu holen.

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