Cyberkriminalität und Todesstrafe: China exekutiert elf Onlinebetrüger
Die Angehörigen eines Mafia-Clans wurden von Rebellen in Myanmar gefangen, die China zu einer Offensive gegen die Militärjunta ermuntert hatte.
In China sind am Donnerstag elf Personen wegen mutmaßlicher Beteiligung an Onlinebetrugszentren in Myanmar hingerichtet worden. Ein Gericht in Wenzhou (Provinz Zheijiang) hatte sie am 29. September zum Tode verurteilt. Nachdem zwei höhere Instanzen die Todesurteile bestätigt hatten, wurden sie jetzt vom Gericht in Wenzhou vollstreckt, berichteten Chinas Staatsmedien unter Berufung auf das Oberste Volksgericht.
Angeklagt waren 34 Personen, unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Betrugs und des Betriebs von Casinos. Neben den Todesurteilen verhängte das Gericht für die anderen Angeklagten Freiheitsstrafen von fünf Jahren bis „lebenslänglich“. Bis zu 11 der Hingerichteten sollen zur Ming-Familie gehört haben, die für den Tod von 14 Chinesen verantwortlich gemacht wird. Familie Ming soll zwischen 2015 und 2023 umgerechnet 1,2 Milliarden Euro illegal eingenommen haben.
Im November 2025 waren auch fünf Angehörige des Bai-Clans wegen krimineller Onlinegeschäfte in Myanmar von China zum Tod verurteilt worden, die Verfahren gegen Angehörige der Familienclans Wei und Liu laufen laut BBC noch. In Onlinebetrugszentren werden die Mitarbeiter oft mittels Gewalt und Folter versklavt und sind damit oft Täter und Opfer zugleich.
Die verurteilten Onlinebetrüger waren im November 2023 in der Stadt Laukkaing (Laukkai) im Nordosten Myanmars an der Grenze zu China gefasst worden, früher eine Hochburg des Opiumhandels. Die dort lebende chinesischsprachige Bevölkerung verschiedener verarmter Minderheiten lebt heute von Landwirtschaft und Schmuggel. Hauptzahlungsmittel ist Chinas Renminbi.
Von Casinos und Prostitution zum Onlinebetrug
Ab 1989 kontrollierten dem Militär nahe stehende Clans mit ihren Milizen den Schmuggel. Sie betrieben in Laukkaing zunächst illegale Casinos und Prostitution, bevor Onlinebetrugsfabriken dazukamen. Diese locken gutgläubige Investoren in betrügerische Geschäfte mit Kryptowährungen. Nutznießer wie Opfer waren hauptsächlich Chinesen.
Myanmars Militärjunta, die sich am 1. Februar 2021 an die Macht geputscht hatte, ging nicht wie von China gewünscht gegen die Betrugsgeschäfte vor, weil sie mutmaßlich daran partizipiert. Darauf signalisierte Peking Aufständischen in der Region, dass China bei deren Offensive neutral bleiben würde.
Am 27. Oktober 2023 schlug die sogenannte „Drei-Brüder-Allianz“ dreier Rebellengruppen zu und machte in kurzer Zeit große Geländegewinne. Bald nahm die MNDAA (Myanmar National Democratic Alliance Army), die Teil des landesweiten bewaffneten antidiktatorischen Widerstands ist, von China gesuchte Drahtzieher des Onlinebetrugs in Laukkaing fest. Der Chef des Ming-Clans, Ming Xuechang, entzog sich durch Suizid, andere Clan-Mitglieder übergaben die Rebellen an China.
Der Regierung in Peking jedoch wurden die Rebellenerfolge unheimlich und sie zwang die MNDAA wie die mit ihr verbündete TNLA zur Rückgabe eroberter Gebiete samt separater Waffenstillstände. Nach China gereiste Rebellenführer sollen dort so lange festgehalten worden sein, bis sie nachgaben. Dies schwächte den bewaffneten Widerstand gegen die Junta, die seitdem wieder Siege erringen konnte.
Südostasiatische Betrugsfabriken arbeiten heute global
Cyberbetrugszentren waren in Südostasien zunächst aus Kambodscha bekannt. Längst gibt es sie auch in Laos, Myanmar und den Philippinen. Aus Laukkaing zogen viele weiter südlich nach an die Grenze zu Thailand bei Myawaddy. Dort ging die Junta im Herbst 2025, auf Druck Thailands, Chinas und der USA gegen sie vor, doch zum Teil nur symbolisch.
Laut UN-Schätzungen waren in Myanmar 120.000 Personen in Betrugszentren involviert, meist unfreiwillig, weitere 100.000 in Kambodscha. Die Umsätze sollen mehrere Milliarden Euro jährlich erreichen. Längst fallen auch in westlichen Ländern manche auf angebliche Onlineliebschaften herein.
China richtet nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen rund 2.000 Personen im Jahr hin. Offizielle Zahlen gibt es nicht.
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