Zwei Menschen in Schutzkleidung stehen auf einer Wiese

Corona-Tests in einer Drive-Through-Abstrichstelle der Immanuelklinik in Rüdersdorf Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Coronapandemie in der Provinz:Die Lage auf dem Land

Der brandenburgische Landkreis Märkisch-Oderland kämpft gegen Corona – und bleibt dabei gelassen.

18.4.2020, 13:41 UHR

Vier Wochen ist es her, dass die globale Seuche auch über Seelow hereinbrach. Die Kleinstadt liegt im Osten Brandenburgs und gehört zum Landkreis Märkisch-Oderland (MOL), der sich von Berlin bis nach Polen zieht. Als hier die ersten 26 Fälle gezählt wurden, schaltete MOL in den Krisenmodus. Das war am 17. März.

Einer der wichtigsten Menschen im Landkreis ist seitdem Martin Zohles. Der leitet das Zivil-, Brand- und Katastrophenschutzamt, für das sich in normalen Zeiten niemand interessiert. Aber die normalen Zeiten sind vorbei. Zohles ist 33, hochaufgeschossen, trägt Seitenscheitel. Er war lange Jahre Amtsbrandmeister und auch mal Linken-Fraktionsvorsitzender in der Nachbargemeinde Neuhardenberg. Jetzt koordiniert den Notfall. Zohles Büro liegt in einem modernen Mehrzweckgebäude im Gewerbegebiet von Seelow. Die Freiwillige Feuerwehr ist direkt nebenan. 13 Mitarbeiter*innen arbeiten für Zohles Katastrophenamt.

„Wir könnten hier übernachten, falls wir in Quarantäne müssen. Ein Bett für jeden ist da, Zahnbürsten auch“, sagt er. Aber noch ist das nicht nötig. Im ersten Stock befindet sich der Lageraum, drei große Leinwände zeigen, was wichtig für die Lage ist: Rettungsfahrten, Intensivbetten, Quarantänefälle, Coronakranke. 68 sind es an diesem Tag. „Die Kurve geht nicht mehr hoch“, sagt Zohles. „Das hat sich halbwegs eingependelt, wir versuchen das so zu halten.“

Auch sonst ist die Lage eher unkritisch. Rund 5.000 Einwohner*innen leben in Seelow, in ganz Märkisch-Oderland sind es knapp 200.000. 29 Intensivbetten gibt es im Kreis, 21 sind frei. Zehn Krankenhausmitarbeiter*innen und zwei Feuerwehrleute haben sich infiziert. Selbst bei einem Waldbrand wären noch genug übrig, um zu löschen, versichert Martin Zohles. Auch die Notfallausstattung sei gesichert.

36.000 Schutzmasken warten im Katastrophenschutzlager des Landkreises auf ihren Einsatz. „Die meisten haben wir noch von der Geflügelpest und Sars übrig behalten, und dann immer mal so ein bisschen was dazu gekauft, wird ja nicht schlecht“, sagt Martin Zohles.

Ein Mann in Feuerwehruniform sitzt an einem Schreibtisch

Martin Zohles leitet den Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Die Viruskrise erschüttert Großmächte und Weltkonzerne, die meisten traf sie unerwartet. Sie hatte Folgen, die noch vor sechs Wochen völlig unvorstellbar waren. Wie geht ein Landkreis, dessen schlimmste Katastrophe bislang das Oderhochwasser war, mit einer solch historischen Herausforderung um? Lässt sich hier im Kleinen beobachten, wie eine Krise bewältigt werden kann? Und lassen sich daraus Rückschlüsse für andere Re­gio­nen ziehen?

Vier Tage, in der Osterwoche, waren die taz-Reporter*innen, allein oder zu zweit, in Märkisch-Oderland unterwegs, und blieben dabei auf Abstand. Fuhren morgens nach MOL und am Abend wieder zurück nach Berlin. Sie begleiteten einen Landrat und eine Krankenschwester, besuchten Behörden, saßen in Sitzungen des Krisenstabs und beobachteten im Detail, wie sich ein Landkreis auf den Ausnahmezustand vorbereitet.

Der Koordinator

Gelbe Punkte zeigen die Corona-Verdachtsfälle auf einer digitalen Karte. Grün sind die Genesenen, rot die aktuell Kranken. „Die Leute wollen dauernd wissen, wo die Kranken wohnen“, sagt er. „Das machen wir nicht.“ Veröffentlicht wird nur eine geclusterte Karte, die zeigt, wo sich Fälle häufen. Der Westen des Landkreises, der hinter der Stadtgrenze Berlins beginnt, ist eine einzige gelbe Fläche. Eine Theorie dazu: Angestellte expandierender Berliner Firmen waren zum Skifahren in Österreich und Südtirol.

Über die Verwaltung, Behörden, Beamte haben sich vor allem zwei Befunde im öffentlichen Bewusstsein abgelagert. Der eine: Sie seien behäbig und ineffizient, wenn nicht gar korrupt, abgewandt vom Bürger und in ihrer Paragrafenfixiertheit irrational. Der andere: Durch Neoliberalismus und Schuldenbremse sei der Staat kaputt gespart und nicht mehr leistungsfähig. Sollte dem so sein, müsste dies in dieser Krise voll durchschlagen. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Martin Zohles

„Meine Frau fragt jeden Abend, warum es keine komplette Ausgangssperre gibt“

Um alle Verdachtsfälle ausfindig zu machen, hat der Landkreis das Gesundheitsamt von 12 auf über 80 Mit­ar­beiter*innen aufgestockt. Lebensmittelkontrolleure, die sonst Restaurants überprüfen, telefonieren jetzt Verdachtsfällen hinterher. Bei 80 Prozent aller Kranken ist es ihnen gelungen, durch schnelles Eingreifen den Infektionsweg nachzuvollziehen.

Wächst die Verwaltung im Ernstfall über sich hinaus? Wurde nur der Katastrophenschutz als ein Krieg und Militär verwandter Bereich von Sparmaßnahmen immer ausgenommen und funktioniert deshalb so gut? Oder zeigt sich hier, dass der öffentliche Dienst viel besser ist als sein Ruf?

Corona ist ein Stresstest – auch für die Provinz. Wie ein ostdeutscher Landkreis die Krise meistert – in der taz am wochenende vom 18./19. April. Außerdem: Grünen Chefin Annalena Baerbock fordert ein „Corona-Kindergeld“. Und: Was haben wir in diesen Zeiten eigentlich noch zu lachen? Ein Gespräch mit Comedian Till Reiners. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

Zahlen, Excel-Tabellen, Karten: Die Seuche, ihre Auswirkungen und Entwicklung, gerinnen im Lageraum des Katastrophenschutzes zu konkretem Wissen. Und je mehr es davon gibt, desto eher scheint Aufregung routiniertem Pragmatismus zu weichen.

Martin Zohles reicht zur Begrüßung die Hand, der Kreis hat nicht den Katastrophenfall ausgerufen, sondern nur den „Stabsfall“, ein Kaliber darunter. Zohles hat seinen Leuten auch keine Urlaubssperre verpasst. Corona werde sie noch eine Weile begleiten, sagt er, „da braucht man auch mal frei.“ Denn dass die Lage heute entspannt ist, heißt nicht, dass das so bleibt. „60 Erkrankte sind nicht viel. Aber es darf keinen sprunghaften Anstieg geben.“

Zohles geht davon aus, dass der Ernstfall noch kommen könnte. Und dann? Der Kreis hat mit den Krankenhäusern beraten, wie die Bettenzahl erhöht werden könnten. Zu den „Worst-Case-Szenarien“ gehört auch, ein Flüchtlingsheim wegen Corona dichtmachen zu müssen. Dann bräuchte es sofort einen neuen Ort, um die Menschen in Quarantäne unterzubringen. „Zur Not akquirieren wir Turnhallen“, sagt Zohles.

Reicht das? „Meine Frau fragt jeden Abend, warum es keine komplette Ausgangssperre gibt“, sagt Martin Zohles. Hat sie recht? „Ich schätze, dass das, was getan worden ist, schon was gebracht hat.“

Der Landrat

Gernot Schmidt, 58, gelernter Agrartechniker und SPD-Mitglied, ist seit 2005 Landrat von Märkisch-Oderland. Er ist oberster Dienstherr des Landkreises MOL und damit auch Kopf von kreiseigenen Einrichtungen wie Rettungsdiensten und des Katastrophenschutzes. Schmidt ist weisungsbefugt, „aber auch persönlich haftbar, anders als in Berlin“, wie er betont. Wenn Gernot Schmidt etwas verbockt, könnten Geschädigte Rechtsansprüche geltend machen.

Könnten. Schmidt gibt sich hemdsärmelig und selbstbewusst. Ein Provinzregent, der sich auch schon mal quer zur Landesregierung stellt.

„Der Buschkowsky Brandenburgs“ nannte ihn die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), der in der sogenannten Flüchtlingskrise striktere Regelungen einführte, als die Landesregierung vorschrieb.

Ein Mann sitzt am Schreibtisch und schaut auf mehrere Seiten Papier.

Landrat Gernot Schmidt in seinem Büro im Landratsamt Seelow Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

„Wir grenzen niemanden aus“, sagt Schmidt und spielt damit auf die Entscheidung anderer Landkreise an, Ber­li­ne­r*innen den Ausflug ins Umland zu verbieten. Wies Märkisch-Oderland anfangs die höchste Quote an Coronakranken in Brandenburg auf, rangiert der Landkreis mittlerweile auf Platz vier oder fünf.

Wie erklärt sich Schmidt dies? „Weil wir eine eigene kommunale Struktur haben, können wir anders durchgreifen.“ Der Landkreis hat in den letzten Jahren in die Daseinsvorsorge investiert. In eigene Krankenhäuser, Rettungsdienste und medizinische Versorgungszentren. Für den Notfall sei der Landkreis gut aufgestellt, sagt Schmidt.

Bereits Mitte Februar hat er einen Krisenstab einberufen, jeden Morgen gibt es eine Telefonkonferenz. Was müsste passieren, damit der Katastrophenfall ausgerufen wird? „Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, mit den jetzigen Ressourcen die Lage zu steuern“, sagt Schmidt. Sein Referent präzisiert: „Unser Bestreben ist es, möglichst vor der Lage zu sein.“

Der Krisenstab

Mittwochs tagt der Krisenstab in persona. Ein knappes Dutzend Mitarbeiter des Landkreises, der Polizei und des kreiseigenen Rettungsdienstes warten im obersten Stockwerk des Landratsamts Seelow. Martin Zohles, der Katastrophenschützer, sitzt mit Landrat Schmidt am Kopfende. Die Vertreter der Polizeiinspektion in Strausberg sind noch nicht da. Angela Krug, die Leiterin der kreiseigenen Kranken­haus­gesellschaft, kommt herein. „Ihr tragt ja alle gar keine Masken“, sagt sie. Sie ist die Einzige im Raum mit Mundschutz vor dem Gesicht.

„Wir haben keine“, sagt Landrat Schmidt.

„Aber ich“, sagt Krug. 55.000 Masken sind am Vortag im Krankenhaus angekommen.

Auch Friedemann Hanke sitzt mit am Tisch. Er leitet den Fachbereich Soziales des örtlichen Gesundheitsamt. „117 Fälle gegenüber 86 in der Vorwoche“, liest er vor. „Stetiger Zuwachs, aber nicht in beunruhigendem Maße.“ Problematisch ist eher, dass zwei der neuen Fälle in der Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde aufgetreten sind. Die 150 Patient*innen mussten nach Hause.

„Das Personal aus Bad Freienwalde werden wir heranziehen“, sagt Krankenhauschefin Krug. In der Nacht seien drei neue Beatmungspatienten eingeliefert worden. „Das springt jetzt nach oben.“ In den letzten Tagen hat Krug Stationen zu reinen Coronastationen umgewidmet. Deshalb fehlen ihr jetzt Schutzkittel.

„Wie lange reichen die Kittel noch?“, will der Landrat von Angela Krug wissen. „Bis Ostermontag jedenfalls nicht.“ Die Feuerwehr habe noch Kittel, wirft jemand aus der Runde ein. „Unpraktikabel, die sind extrem aufwendig zu desinfizieren“, sagt Krug. „Bevor die Leute da ungeschützt reingehen, müsstet ihr die im Feuerwehrtechnischen Zentrum desinfizieren“, sagt der Landrat zu Martin Zohles. Der nickt.

Mehrere Menschen sitzen an einem langen Tisch und blicken in ihre Unterlagen.

Die Corona-Taskforce im Landratsamt Seelow Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Auch bei den Rettungsdiensten macht Corona sich jetzt bemerkbar. 15 Mit­arbeiter*innen sind entweder infiziert oder stehen unter häuslicher Quarantäne. Eine Urlaubssperre gebe es noch nicht, aber Fortbildungen seien ausgesetzt und Rettungsassistenten-Azubis im zweiten Lehrjahr für den regulären Dienst eingeteilt, sagt der Leiter des Rettungsdienstes.

Sorgen macht ihm, dass viele der Corona-Einsätze nicht bezahlt werden. „Die Krankenkassen bezahlen den Rettungswagen nur, wenn er Kranke transportiert.“ Die meisten Coronapatienten aber bleiben erst mal in häuslicher Isolation. „Wenn das so weitergeht, machen wir in diesem Monat rund 250.000 Euro Verlust.“ Fachbereichsleiter Friedemann Hanke vom Gesundheitsamt will das Problem bei der Landesregierung ansprechen.

Mittlerweile ist die Polizei da. „Kaum ’ne Lage“ gebe es, sagt der Inspektionsleiter, kaum jemand verstoße gegen die Vorschriften.

Alle, die in diesem Raum sitzen, haben Macht. Der „Stabsfall“ hat diese noch erweitert. Um die Seuche zu bekämpfen, kann die Verwaltung Anordnungen und Verbote erlassen, die erst nachträglich gerichtlich überprüft werden können. Die Pandemie, der Schutz von Menschenleben, ist dafür eine starke Legitimation.

Manche im Land fürchten, diese könnte missbraucht werden, um durchzuregieren. Von „Totalitarismus“ und „Diktatur“ oder deren Vorbereitung ist in den sozialen Medien die Rede. Die Diskus­sio­nen im Landratsamt von Märkisch-Oderland haben mit diesen Debatten wenig zu tun.

Friedemann Hanke hat einen Bußgeldkatalog vorbereitet. „Aber wir müssen zusehen, dass wir damit nicht Denunziantentum Vorschub leisten“, sagt er in Richtung der Polizisten. „Die Ordnungsämter sind angehalten, mit Augenmaß zu agieren.“ Ob er eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit für angebracht halte, will jemand wissen. „Wie in Jena?“, fragt Hanke. „Wir können den Leuten das nicht vorschreiben, wenn wir nicht mal eine rudimentäre Versorgung mit Material anbieten können.“

Er schlägt dem Krisenstab vor, sich parallel schon mal auf die afrikanische Schweinepest vorzubereiten. Die stehe bald ins Haus. „Die Welt steht ja wegen Corona nicht still. Da werden wir Zäune ziehen müssen.“

Die Oberschwester

Das Abstrichzentrum ist ein Provisorium, untergebracht im Oberstufenzentrum Strausberg. Von außen ein Backsteinbau, innen hängen noch Winkelmesser und Zirkel für den Geometrieunterricht an der Wand. Das Abstrichzentrum war die Idee zweier Ärz­t*in­nen, die lernten, wie aufwendig es ist, potenziell Infizierte in der eigenen Praxis zu testen.

Das mit der Feuerleiter war die Idee des zuständigen Hausmeisters. Dort steigt nun eine Frau hinauf, ein paar Stufen sind es, von dort beugt sie sich über die Fensterbank in das Klassenzimmer hinein, sie atmet schlecht. Die Ärztin wartet schon. Neben ihr steht Oberschwester Steffi Lindenau. Die Patientin keucht, als sie vom Asthma erzählt. Vom Sauerstoff, den sie zu Hause hat und täglich braucht.

Eine Frau steht auf einer Feuerleiter an einer provisorischen Corona-Teststelle

In einem Oberstufenzentrum in Straußberg ist eine Coronavirus-Abstrichstelle installiert worden Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Diese unsichtbare Coronagefahr bekommt auf der Feuerleiter von Haus 4 des Berufsschulzentrums ein Gesicht – ein Gesicht, dem Lindenau und ihre Kol­le­g*in­nen mit Schutzanzug und Gesichtsmaske, mit Handschuhen und viel Desinfektionsmittel gegenüberstehen.

20 Personen haben sie heute zusammen getestet, ob positiv oder negativ, dass erfährt Steffi Lindenau nicht. Warum sie das alles macht? „Man muss doch mit bestem Beispiel vorangehen“, sagt sie, und: „Vielleicht gibt es ja doch das Bundesverdienstkreuz.“ Darüber lacht sie.

Noch ist Corona nicht überstanden. Was passiert, wenn die Zahlen auch in Märkisch-Oderland wieder exponen­tiell steigen, wenn es wirklich eine Lage gibt?

„Von unserer Seite wird es keine Tria­ge geben“, sagt der Landrat Schmidt. Für den Fall der Fälle haben sie ein Team rekrutiert, das aus einem Mediziner, einem katholischen und einem evangelischen Pfarrer besteht. Und wie um das mögliche moralische Dilemma angemessen zu beschreiben, fährt Schmidt mit großer Geste fort: „Wir sind der Meinung, dass man in der Katastrophe einen philosophischen Leitfaden braucht. Wir werden uns ihren Weisungen unterwerfen.“

Der Amtsarzt

Das Gesundheitsamt ist zum wichtigsten Teil der Kreisverwaltung aufgestiegen. Publikumsverkehr gibt es nicht, trotzdem herrscht auf dem Gang Betrieb, die Bürotüren sind geöffnet. Zwei Mitarbeiterinnen mit Laptops geben die Meldungen in eine Maske ein – Verdachts- und Infektionsfälle, genesene Kranke. Sie werden ans Landesamt für Gesundheit und von dort ans Robert-Koch-Institut weitergeleitet.

Die beiden arbeiten sonst in anderen Abteilungen der Kreisverwaltung. Ein Amt, das jetzt im Krisenmodus läuft. Auf einem Tisch an der Wand stehen Getränke, mitgebrachte Kuchenstücke und Süßigkeiten. Sie sorgen für sich und für einander.

Steffen Hampel

„Das ist mein größter Kritikpunkt, dass wir es in Deutschland nicht hingekriegt haben, selber Schutzkleidung zu produzieren.“

„Es ist toll, wie sich die Mitarbeiter reinknien“, sagt Amtsarzt Steffen Hampel. „Klar, ist das ein Stresstest.“ Die Anfänge seien holprig gewesen. Ständig hätten sich die Vorgaben von Bund und Land geändert, aber „inzwischen haben sich die Abläufe eingespielt“, sagt Hampel, der lange als Kinder- und Jugendarzt gearbeitet hat und seit 12 Jahren als Amtsarzt tätig ist. „Routine im positiven Sinn.“

Jetzt, da die Kurve nur noch linear ansteige, habe er Zeit, sich um „die besonderen Fälle“ zu kümmern, wie er sagt. „Die ganzen Verästelungen, die sich in einzelnen Fällen ergeben.“ Im Fall eines erkrankten Arztes waren es 150 Kontaktpersonen, die es aufzuspüren galt.

Die Krankenhäuser der Region, im Besitz des Landkreises oder freier Träger, arbeiten eigenverantwortlich – der Krisenstab steuert. Gerade wird in Rüdersdorf das vierte Abstrichzentrum eröffnet: Der Landkreis stellt die Schutz­aus­rüstungen, das Krankenhaus das Personal. „Das funktioniert nur, wenn man Kontaktpflege betreibt“, sagt Hampel.

Wie viele Verantwortliche im Landkreis beklagt auch er das Fehlen von Schutzausrüstung. „An Anfang haben die Krankenschwestern mit Regencapes gearbeitet“, erzählt er. „Das ist mein größter Kritikpunkt, dass wir es in Deutschland nicht hingekriegt haben, selber Schutzkleidung zu produzieren.“

Wären zentralistische Strukturen hilfreich? „Per se ist Zentralismus in solchen Situationen günstiger“, sagt der Amtsarzt, „umso erstaunlicher, dass trotz föderaler Strukturen rechtzeitig der Schalter umgelegt werden konnte.“

Der Polizist

Polizeipräsidium Strausberg. Inspek­tions­leiter Sven Brandau ist am Vortag beim der Krisenstab in Seelow dabei gewesen. Wenn auch etwas spät. Auch er reicht zur Begrüßung die Hand. Kekse liegen auf dem Besprechungstisch. Seine Polizei arbeitet viel von zu Hause aus – es sei „ja nicht wie im,Tatort'.“ Es gibt viel Papierarbeit, und das geht auch zu Hause am Computer. Was wegfällt, sind Sprechstunden. Und Präventionsarbeit: Fahrradunterricht für Kinder, Besuche in Schulen.

Tatsächlich ändert sich die Polizeiarbeit durchaus. Einerseits durch andere Anforderungen – die Polizei leistet Amtshilfe für die Ordnungsämter, um die Coronaverordnung durchzusetzen. Derzeit mühen sich viele Bür­ge­r*in­nen ab, diese neuen Verordnungen zu verstehen: Was darf man und was nicht? Wie gehen die Polizisten damit um, mit Menschen, die im Verordnungswirrwarr nicht durchsehen? „Es geht um eine Umsetzung mit Augenmaß“, antwortet Brandau.

Und es treten andere Formen der Kriminalität auf: weniger Wohnungseinbrüche, weniger Verkehrsunfälle, dafür mehr Einbrüche in Unternehmen, um Werkzeuge zu stehlen beispielsweise.

Besonders ist auch: Die Polizei wird üblicherweise eingesetzt, um offene Haftbefehle zu vollstrecken. Die sind aber gerade auch ausgesetzt. Stattdessen kontrollieren die Polizisten nun, ob die Positivfälle ihre Quarantäne einhalten, wenn auch stichprobenartig – jede*r Betroffene wird nur einmal besucht.

Die Durchsetzung des Infektionsschutzgesetzes ist Sache des Gesundheitsamts, das wiederum das Ordnungsamt nutzen darf. Die Polizei unterstützt nur dabei. „Machen wir uns nicht vor“, sagt Brandau, „wir haben keine Lage. Ich wüsste auch nicht, welche Lage auf die Polizei zukommen sollte.“ Einzig denkbares Szenario wären für ihn Unruhen. „Aber dann ist nicht nur die Polizei gefragt, sondern in erster Linie die Politik.“

Die Amtsdirektorin

Roswitha Thiede ist Amtsdirektorin von Seelow-Land, einem Verwaltungsverbund von fünf kleinen Gemeinden mit insgesamt 4.800 Einwohner*innen. Wenn Gernot Schmidt ein Landrat im Großen ist, ist sie eine im Kleinen. „Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis ist gut“, sagt sie „wir sind ja die letzten in der Kette.“ Thiede, 60, hat ihr Büro in einem Neubau gleich neben dem Rathaus von Seelow. „Unsere Bevölkerung ist gehorsam und sehr diszipliniert“, sagt sie. „Letztes Wochenende mussten wir keine einzige Verwarnung aussprechen.“

Könnte es daran liegen, dass die soziale Kontrolle auf dem Land größer ist? Soziale Distanz schließt schließlich soziale Kontrolle nicht aus. „Wir müssen die gleichen Regeln einhalten wie in den Städten“, sagt Thiede. „Aber in den Dörfern geht es nicht so anonym zu. Manche sind fast ein bisschen übereifrig.“

Portrait einer frau in einem Treppenflur

Amtsdirektorin Roswitha Thiede Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Die These von der Vereinsamung auf dem Land teilt Thiede nicht. Viele alte Menschen lebten noch zu Hause, und in den letzten zwei, drei Jahren seien viele junge Familien hergezogen. „Das Ländliche kriegt wieder Aufwind“, sagt sie. Seelow-Land leistet sich den Luxus von fünf kleinen Kitas – „das ist finanziell viel aufwendiger als eine große“, sagt Thiede. Jetzt ist sie froh darüber. „Vielleicht lehrt uns diese Geschichte, umzudenken und nicht alles zu zentralisieren.“

Die Kita

Im Sandkasten der Kita „Märchenland“, im Zentrum von Seelow, spielen an diesem Morgen nur drei Kinder. Cordula Töpfer sitzt etwas abseits und schaut zu. Töpfer ist Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbands Märkisch-Oderland Ost, dem Träger der Kindertagesstätte. „Uns hat das ziemlich überrannt“, sagt Töpfer. Für die Notbetreuung versuchen sie, den Kindern ein „gewohntes Umfeld“ zu bieten.

Masken möchten die Erzieher*innen im Kindergarten aber nicht tragen, sagt Töpfer. „Da kriegen die Kinder doch Angst!“ 4,5 Prozent der Kitakinder beanspruchen die Notbetreuung. Eltern, die nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten, können sich für eine Einzel­fall­ent­scheidung an den Landkreis wenden. „Der entscheidet das dann“, sagt Töpfer.

Familien, die keinen Anspruch auf eine Notbetreuung haben, müssen ab April vorerst keine Kitabeiträge zahlen, bestimmte die Landesregierung. „Uns standen wirklich Schweißperlen auf der Stirn“, sagt Töpfer. Zum Glück wolle das Land nun für die Beiträge aufkommen. Voraussichtlich 14 Millionen Euro pro Monat werden das es landesweit sein.

Ansonsten hätten die Erzieher*innen in Kurzarbeit gehen müssen. Jetzt können sie stattdessen Sachen anpacken, die normalerweise auf der Strecke bleiben – an der Homepage der Kita arbeiten zum Beispiel. Den daheim gebliebenen Kindern haben sie Osterüberraschungsbriefe geschickt. Und Oster­über­raschungen für Senior*innen im Pflegeheim gebastelt.

Die Hotelwirtin

Das Waldhotel in Vierlinden außerhalb von Seelow hat immer noch geöffnet – auch wenn touristische Übernachtungen verboten sind. Seit 1992 ist das Hotel in Familienbesitz, 38 Zimmer, ein flaches langgestrecktes Gebäude, das auf einem ehemaligen NVA-Gelände liegt. Es seien einige wenige deutsche Monteure da, sagt Geschäftsführerin Antje Beer. „Viele kommen seit Jahren schon.“

Im Foyer sind die Barhocker zur Seite geräumt, am Tresen können sich die Übernachtungsgäste Frühstück und Essen abholen und mit aufs Zimmer nehmen. Amt und Polizei seien kontrollieren gekommen, sagt Beer. Jeder Neuankömmling müsse sich mit einem Schreiben seiner Firma ausweisen, oft für Erneuerbare Energien oder Breitbandinternet, die in der Region stark ausgebaut werden.

Beer bangt um die Zukunft ihre Betriebs. Ihre neun Mitarbeiter*innen hat sie in Kurzarbeit geschickt, die Zusage für staatliche Beihilfen eben heute erhalten. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Für das Wochenende und die Woche nach Ostern liegt keine Reservierung mehr vor, „wir haben Stornierungen bis in den September hinein“, sagt Beer. Was kommt nach der akuten Pandemiephase? „Das Danach fängt man nicht mehr auf“, sagt sie. „Die Hilfen müsste es auch später noch geben.“

Die Gelassenheit

Landrat Schmidt sagt: „Wir haben schon einiges durchlebt.“ Märkisch-Oderland hat Erfahrung mit kleineren und größeren Katastrophen. Schmidt zählt auf: Eishochwasser, dreimal die Vogelgrippe, das legendäre Oderhochwasser.

Die nächste Katastrophe ist rein geografisch nicht fern: die afrikanische Schweinepest, die nur 80 Kilometer östlich, in Polen, bereits angekommen ist. „Unsere Leute sind erfahren“, sagt Schmidt. Vielleicht rührt daher die Gelassenheit, der pragmatische Umgang mit einem Virus, das keine Grenzen und keine Autoritäten akzeptiert, dem man aber mit Engagement und Vorausschau begegnen kann.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie Anfang Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen: Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen die Regeln gelockert werden: PatientInnen oder BewohnerInnen sollen wieder durch eine bestimmte Person besucht werden können.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt sein. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga darf die Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen fortsetzen – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten. Was alles unter „Großveranstaltung“ fällt, wird noch geklärt.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios sollen die Ländern Lockerungen eigenständig verantworten.

■ Spielplätze sollen unter Auflagen wieder öffnen – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen werden wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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